Nissan: Vier Milliarden Euro Verlust im Geschäftsjahr 2024/2025
Nissan befindet sich in schwerem Fahrwasser: Denn auch bei Japans Nummer drei sinken die Absatzzahlen in großen Märkten wie China, aber auch in den USA. Weshalb CEO Ivan Espinosa, der im April 2025 das Ruder übernahm, hart gegensteuert und umbaut. Von April 2024 bis einschließlich März 2025 hat der japanische Automobilhersteller in einem intensiven Wettbewerbsumfeld weltweit 3,346 Millionen Fahrzeuge verkauft. Der konsolidierte Nettoumsatz belief sich auf 12,6 Billionen Yen. Das Unternehmen erzielte ein Betriebsergebnis von 69,8 Milliarden Yen, was eine Umsatzrendite von 0,6 Prozent bedeutet. Bitter: Der Nettoverlust betrug 670,9 Milliarden Yen, das sind rund 4,07 Milliarden Euro. Während der Free Cashflow und das Betriebsergebnis in der Automobilsparte negativ waren, belief sich die Nettoliquidität in der Sparte auf 1,498 Billionen Yen.
Schon im November 2024 kündigte man den Wegfall von 9.000 Stellen an und die weltweite Produktionskapazität um rund 20 Prozent zu senken. Womit man für den geplanten reduzierten Output mehr Menschen an Bord gehabt hätte als zuvor.
Eingespart wird auch an den Standorten: Das geplante 990 Millionen Euro teure Akkuwerk auf der Insel Kyushu kommt nicht, auch weil Nissan dafür keine staatlichen Subventionen erhält, ein Werk in Thailand wird geschlossen. Dazu sollen zwei weitere bisher noch nicht genannte Standorte kommen.
Verantwortlich für die hohen Verluste sind laut Nissan unter anderem hohe Abschreibungen auf Investitionen. Dazu kommen auch Strategiefehler: den USA verpasste man den Umstieg auf Hybridmodelle, während man in Europa die einstige Vorreiterrolle in der Elektromobilität nicht halten konnte. Dazu kommt die Entkoppelung von Renault, womit Synergien in Europa fehlen.
Schwerer wiegt aber auch für Nissan der Rückgang in China, mit dem aktuell alle „Importmarken“ weltweit zu kämpfen haben. Auf dem dortigen Markt sind einheimische Modelle – gern von neuen Marken - voll im Trend, während die Importeure als „gestrig“ gelten. Nissan plant zehn neue Modelle nur für China. Und man verkalkulierte sich bei den Gewinnen: 2024 musste Nissan seine Gewinnerwartungen gleich viermal nach unten korrigieren.
Weshalb es jetzt zur Zäsur kommt: Nissan beschäftigte zuletzt über 133.000 Mitarbeiter. Künftig setzt man auf schlankere Strukturen und einen flexibleren Modellmix weltweit. Nissan erwartet weitere Herausforderungen wegen dem intensiven Wettbewerb, Wechselkurs-Schwankungen und Inflation.
Im Zusammenhang mit der US-Zollpolitik will Nissan, die Folgen abmildern: Hierfür räumt das Unternehmen den in den USA gefertigten Modellen Vorrang ein, optimiert lokale Kapazitäten, strukturiert die zollbelastete Produktion um und arbeitet eng mit Zuliefern zusammen, um schnell und lokal auf die Marktanforderungen reagieren zu können. Aufgrund der möglichen Auswirkungen von Zöllen sind die Prognosen für Betriebsergebnis, Nettogewinn und Free Cashflow für das Geschäftsjahr noch nicht definiert.
Was bedeutet das?
In Europa ist Nissan eigentlich wieder gut auf Kurs: Die aktuellen Hybride laufen gut und auch bei den Stromern legt man nach – aber weltweit machen vor allem die großen Märkte in China und den USA Nissan zu schaffen. Womit die Japaner nicht allein dastehen, aber: Als Volumenmarke mit geringeren Margen trifft es Nissan härter. In den USA shiftet man so viele Modelle wie möglich auf lokale Fertigung.