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VM-Fahrbericht: So fährt sich der neue Nissan Leaf

Zuletzt führte der Leaf ein Schattendasein bei Nissan – jetzt kommt er zurück und gehört zu den ersten Serienmodellen, die nicht nur V2L, sondern auch V2G anbieten!

Endlich: Nissan legt den Leaf ganz neu auf - und er kann bereits V2G!!! | Foto: Nissan
Endlich: Nissan legt den Leaf ganz neu auf - und er kann bereits V2G!!! | Foto: Nissan

Er war einst Topseller unter den Stromern und auch in den USA beliebt: Anfang der 2010er Jahre war Nissan weltweit eine große Nummer und setzte mit dem Leaf lange vor Tesla echte Maßstäbe im Volumensegment. Doch die Nachfolgegeneration wurde zum Flop. Der Leaf soll die Absatzzahlen wieder gehörig unter Strom setzen. Fun fact: In Europa lässt der in Sunderland montierte Nissan noch auf sich warten, in den USA war bereits eine erste Ausfahrt möglich. Diese Chance ließen wir uns nicht entgehen!

Der Ur-Leaf schaffte es sogar in Taxi-Flotten

Kurze Rückblende: Der erste Leaf war ein elektrischer Volltreffer, der es in manchen Städten wie Wien gar an die Taxistände schaffte! Und im Nachhinein betrachtet, in Sachen Design sowie Technik seinerzeit genau der richtige Weg. Wieso Nissan diesen verließ und mit der zweiten Generation betont extravagant auf Kundenfang werden wollte, während Praktikabilität und Technologie in die dritte Reihe verbannt wurden, wird ein Geheimnis bleiben. Zumal es sich dabei im Grunde nur um einen Aufguss der damals schon angegrauten Ur-Generation handelte.

Danke für das kluge Packaging! 14 Zentimeter kürzer und innen trotzdem mehr Platz!

Jetzt kommt nach 700.000 verkauften „elektrischen Blättern“ die dritte Generation – spät, aber vielleicht gerade noch rechtzeitig, um wieder auf den Elektrozug aufzuspringen, der aktuell neue Fahrt aufnimmt. Das wichtigste vorweg: Der neue Leaf kann sich sehen lassen. Seine Proportionen sind gefällig – das Platzangebot überzeugend. Obwohl 14 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger gibt es innen deutlich mehr Wohnraum als bisher. Zwei 14 Zoll große Displays, großzügig dimensionierte Sitze und praktische Ablagen – das passt im neuen Leaf.

Die Preise dürften ab rund 35.000 Euro starten – mit 52-kWh-Akku

In Sachen Wertigkeit gibt es jedoch Schwächen. Beste Beispiel ist das wenig ansehnlich Kunststoffelement, das an der Unterseite der Armaturentafel die Taster für die Gangwahl beheimatet. Sieht nicht gut aus und fasst sich auch nicht wertig an – ein krasser Gegensatz zu den scharfen Doppeldisplays und den in Armaturenbrett oder Türtafeln eingearbeiteten Textilelementen. Unterhalb der Sichtlilie fällt der Leaf bei seinen Verkleidungen ab, denn hier hielt preissensibles Hartplastik Einzug in den sonst wohligen Innenraum.

 

Der Nissan Leaf will mit einem Einstiegspreis zwischen 35.000 und 38.000 Euro nicht in der Premiumliga spielen, doch etwas mehr Chic und Oberflächenliebe wären angesichts der harten Konkurrenz wünschenswert. Auch weil sich das große Panoramadach auf Knopfdruck milchig verschatten lässt – kennt man unter anderem von Luxusmodellen wie Audi Etron GT oder Porsche Taycan. Der Laderaum mit seinem Volumen von 437 Litern lässt sich durch Umlegen der Rückbank entsprechend erweitern.

Die Basis kennt man von Renault

Der Leaf steht auf der sogenannten CMF-Plattform des Renault-Nissan-Konzerns, die ausschließlich Elektroautos trägt, bei den Franzosen mittlerweile bekannt als „AMPR Medium“. Für den Antrieb sorgt an der Vorderachse ein Elektromotor mit 160 kW / 218 PS und einem maximalen Drehmoment von 355 Nm. Damit ist der Leaf solide, aber alles andere als sportlich motorisiert. Aus dem Stand geht es in guten 7,6 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit mit gerade einmal 160 km/h für Deutschland eher dezent bis dürftig ausfällt. Richard Candler, verantwortlich für die Produktstrategie bei Nissan, erklärt uns stolz den Hintergrund:

„Der neue Nissan Leaf bietet ein reaktionsschnelles, sanftes und sicheres Fahrverhalten. Alle Komponenten sind dabei auf Effizienz getrimmt.“

Der Normverbrauch soll bei günstigen 14,2 kWh / 100 km liegen. Möglich gemacht durch den neuen Elektroantrieb und eine cW-Wert von 0,25.

Extended Range: Bis zu 600 Kilometer Reichweite nach WLTP

Für die Klasse stark ist die Reichweite: Die beträgt bis zu 600 Kilometer mit dem 72 kWh großen Batteriepaket in der Extended-Variante. Wer die nicht benötigt, kann zur Leaf-Basisversion greifen. Dessen 52 kWh großes Batteriepaket – bestens bekannt aus Renault 5 und dem auf diesem basierenden neuen Nissan Micra – ist an einen 130 kW 176 PS starken Elektromotor gekoppelt. Er spurtet auf 100 km/h in 8,6 Sekunden und ist ebenfalls 160 km/h schnell. Mit einer Ladung kommt der im britischen Sunderland gefertigte Nissan Leaf nach WLTP über 430 Kilometer weit. Real sollten davon im schlechtesten Fall 250 bis 300 Kilometer bleiben. Das dürfte vielen Kunden reichen.

Ob das auch für die mittlerweile nur noch durchschnittlichen 150 kW Ladegeschwindigkeit am Hypercharger gilt, darf zumindest für längere Strecken bezweifelt werden. Da fährt Nissan der Konkurrenz im Modelljahr 2026 hinterher.

Das Fahrverhalten? Straff mit direkter Lenkung

Zeit, endlich loszufahren. Und unterwegs gibt es wieder Positives zu berichten, denn auch beim fahrverhalten scheint man sich ein bisschen was von Renault 5 und Co abgeschaut zu haben: Die dritte Leaf-Generation bewegt sich angenehm entspannend, aber nicht undefiniert soft – und das, obwohl wir hier die US-Version bewegen.

Die Karosserie ist steif und die Lenkung direkt, während die Mehrlenkerachse hinten trotz großem 19-Zoll-Radsatz mit 235er Niederquerschnittbesohlung für den nötigen Komfort sorgt. Das komplett verkleidete Batteriepaket im Unterboden sorgt nicht nur für eine gute Aerodynamik, sondern auch für einen niedrigen Schwerpunkt, obschon der Fronttriebler bei flotter Kurvenfahrt dann ein spürbares Wanken nicht ganz überspielen kann.Über die Paddles am Lenkrad lässt sich die Bremsenergie-Rückgewinnung nach Wunsch anpassen.

Der Clou: Der neue Leaf ist V2G ready!

Der ganz große Clou kommt jedoch zum Schluss: Intelligenter als bei vielen Wettbewerbern lässt sich der neue Leaf mit Vehicle-to-Grid oder Vehicle-to-Load in ein elektrisches Umfeld daheim oder unterwegs einbetten – auf dass Vehicle to Grid endlich Realität werde! Und da wäre Nissan dann wieder ganz vorn dabei! Als mobiler Pufferspeicher für Haus und Flotte!

Was bedeutet das?

Der neue Leaf war ein wichtiger und zeitlich notwendiger Schritt. Mit V2G isst er wieder ganz vorn dabei, mit 150 kW Ladeleistung eher nicht. Man darf gespannt sein, wie er sich im dicht besetzten Haifischbecken der Konkurrenz schlägt. 

Den Leaf fuhr für uns Stefan Grundhoff von press-inform

Technische Daten: Nissan Leaf Extended

Motor: Elektro, vorn
Leistung: 160 kW / 218 PS
Max. Drehmoment: 355 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,6 Sekunden
Batteriepaket: 75 kWh
Reichweite nach WLTP / Verbrauch: 604 km / 14,2 kWh / 100 km
Max. Ladegeschwindigkeit DC: 150 kW
Laderaum: 437 Liter
Preis: ab ca. 35.000 Euro