PKW

TÜV-Verband: Autonome Fahrsysteme brauchen klare Regularien

Damit Robotaxis & Co. kein Sicherheitsrisiko sind, fordert der TÜV-Verband Regeln für KI, Datenzugang und Cybersicherheit. Positionspapier und TÜV MeetUp zu digitaler Mobilität.

Vorerst gescheitert: Tesla hegt besonders ambitionierte Pläne für ein Robotaxi - und erhielt zuletzt eine Abfuhr bei der Patentanmeldung. | Foto: Tesla
Vorerst gescheitert: Tesla hegt besonders ambitionierte Pläne für ein Robotaxi - und erhielt zuletzt eine Abfuhr bei der Patentanmeldung. | Foto: Tesla

In einem neuen Positionspapier hat der TÜV-Verband dargestellt, wie digitale Mobilität sicher gestaltet werden kann und legt einen Sieben-Punkte-Plan zu autonomen Fahrfunktionen, KI-Systeme im Fahrzeug, Software-Updates, Datenzugang und Cybersicherheit vor. Autonome Fahrzeuge, KI im Straßenverkehr und vernetzte Infrastruktursysteme würden die Mobilitätswende rasant vorantreiben, so die einleitende Feststellung. Der technologische Fortschritt werde sein Potenzial nur dann entfalten, wenn auch Sicherheit und Regulierung Schritt halten, schränkt der Verband ein. 

"Innovation braucht verlässliche Regeln – und diese müssen sich ebenso dynamisch entwickeln wie die Technologie selbst", so das Plädoyer. 

Der TÜV-Verband setzt sich daher für eine adaptive Regulierung ein, die Erkenntnisse aus Pilotprojekten und dem Realbetrieb systematisch auswertet und den Rechtsrahmen in schnellen Zyklen kontinuierlich weiterentwickelt. 

„Ziel muss es sein, Fahrzeuge mit höheren Automatisierungsgraden zügig, aber unter klaren Sicherheits- und Cybersecurity-Vorgaben in den Verkehr zu bringen“, fordert Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband. 

Autonome Mobilität gezielt ausbauen 

Als pragmatischen Einstieg empfiehlt der TÜV-Verband, den Einsatz autonomer Fahrzeuge gezielt dort auszubauen, wo sie sich bereits bewähren, zum Beispiel in Pilotbetrieben in klar definierten Anwendungsfeldern des Logistikverkehrs – etwa auf Werksgeländen oder klar definierten Hub-to-Hub Routen zwischen Logistikzentren – perspektivisch ergänzt um sogenannte „Automated Driving Corridors“. Diese ausgewiesenen Bereiche, in denen Fahrsituationen mit vergleichsweise geringerer Komplexität vorherrschen, bieten die Möglichkeit Systeme unter realen Bedingungen zu etablieren, Prüfprozesse zu standardisieren und regulatorische Anforderungen evidenzbasiert weiterzuentwickeln. So kann Vertrauen in autonome Technologie wachsen – ohne Sicherheitsrisiken für die Allgemeinheit.

Warnung vor regulatorischer Grauzone 

Die jüngsten Robotaxi-Piloten in den USA belegen, wie schnell reine Marktimpulse ohne flankierende Transparenz- und Prüfvorgaben zu Sicherheitslücken und Akzeptanzproblemen führen – auch, weil eine unabhängige technische Überwachung fehlt und Behörden keinen Einblick in KI-Updates oder Notfallprotokolle erhalten. 

„Wir sehen, dass fehlender Zugang der Aufsichtsstellen zu Echtzeitdaten und Software-Änderungen den Blick auf die tatsächliche Risikolage versperrt“, mahnt Goebelt. 

Um in Europa solche regulatorischen Grauzonen zu vermeiden, fordert der TÜV-Verband verbindliche, EU-weit harmonisierte Regeln für fahrzeuggenerierte Daten, ein unabhängiges Third-Party-Prüfschema für sicherheitskritische KI-Systeme und eine leistungsfähige Prüfinfrastruktur über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus. 

„Der Regelbetrieb von Level-4-Fahrzeugen wird nur dann Realität, wenn Rechtsrahmen, technische Standards und unabhängige Prüfstellen dieselbe Sprache sprechen“, appelliert Goebelt.

Damit die Gesellschaft sie akzeptiert, müssen autonome Systeme nachprüfbar sicher sein. „Ohne Sicherheit kein Vertrauen – und ohne Vertrauen keine Akzeptanz für autonome Mobilität“, sagt Goebelt. „Die Menschen erwarten zurecht, dass neue Technologien nicht nur funktionieren, sondern auch sicher sind. Dafür braucht es verbindliche Regeln und unabhängige Prüfungen.“ 

Deutschland ist gut aufgestellt

In Deutschland liefert die Autonome-Fahrzeuge-Genehmigungs- und Betriebsverordnung (AFGBV) bereits den kompletten Rechtsrahmen: Sie regelt die zweistufige Genehmigung aus Fahrzeugtyp und Betriebsbereich. Was noch fehlt: Serienfahrzeuge und Praxiserfahrungen, um das System im Alltag zu etablieren. Auch auf EU-Ebene sind mit dem Cyber Resilience Act, dem AI Act und dem Data Act alle wesentlichen Bausteine vorhanden. Entscheidend ist jetzt, diese Vorgaben in konkreten Projekten anzuwenden und die dort gewonnenen Daten schnell in Standards und Prüfverfahren zu überführen. 

Europa braucht einheitliche Verfahren 

Der TÜV-Verband fordert eine stärkere europäische Koordinierung, etwa durch einheitliche Genehmigungsverfahren, verbindliche Sicherheitsanforderungen und den Aufbau grenzüberschreitender Testkorridore. „Deutschland und Europa müssen die Einführung autonomer Fahrzeuge aktiv gestalten – mit klaren Regeln, verlässlichen Prüfprozessen und einer innovationsfreundlichen Verwaltung“, so Goebelt.