LKW

Timocom Transportbarometer: Frachtangebote im zweiten Quartal europaweit deutlich gestiegen

Im zweiten Quartal hat sich der europäische Transportmarkt robuster gezeigt als erwartet. Die aktuellen Zahlen von Timocom zeigen, dass Angebot und Preisniveau gestiegen sind – trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten.

(Foto: hpgruesen/Pixabay)
(Foto: hpgruesen/Pixabay)

Im zweiten Quartal 2025 ist die Zahl der Frachtangebote auf dem europäischen Spotmarkt deutlich gestiegen. Laut dem Transportbarometer des IT-Dienstleisters Timocom lagen die Frachteingaben in Europa insgesamt 23 Prozent über dem Vorjahreswert.

Besonders dynamisch entwickelte sich der Statistik zufolge der Markt im Juni: Die Zahl der Frachtangebote lag in diesem Monat sogar 37 Prozent über dem Vorjahreswert. Das durchschnittliche Verhältnis von Fracht- zu Laderaumangeboten betrug im Quartal etwa 80 zu 20.

Im Monatsverlauf wies das Transportbarometer eine differenzierte Entwicklung aus. Im April stiegen die Frachteingaben im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25 Prozent, im Mai um 8 Prozent. Die Zunahme im Mai wurde unter anderem auf das knappe Angebot an Lkw und die verkürzten Wochen durch Oster- und andere Feiertage zurückgeführt. Über das gesamte Quartal hinweg lag das Laderaumangebot laut Timocom um 5 Prozent unter dem Vorjahreswert..

Entwicklung in Deutschland: Deutlicher Anstieg trotz unsicherer Rahmenbedingungen

Auch in Deutschland blieb die Transportnachfrage im zweiten Quartal hoch. Laut der von Timocom veröffentlichten Statistik nahm die Zahl der Frachteingaben hierzulande um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu. Das Verhältnis von Fracht- zu Laderaumangeboten lag bei 88 zu 12. Der Anbieter erklärt diesen Anstieg unter anderem mit Nachholeffekten bei exportbezogenen Transportaufträgen, die im ersten Quartal aufgrund der erhöhten Zölle zurückgestellt worden waren.

Österreich: Wachstum bei innerösterreichischen Transporten

In Österreich verzeichnete das Transportbarometer einen noch stärkeren Zuwachs. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Frachtangebote um 35 Prozent. Besonders deutlich fiel der Anstieg im April (+47 Prozent) und Juni (+75 Prozent) aus. Ab Mai erhöhte sich das Verhältnis von Fracht- zu Laderaumangeboten auf 65 zu 35 – im Vergleich zu einem ausgeglichenen Verhältnis von 50 zu 50 in den Monaten zuvor.

Preisentwicklung: Kilometerpreise auf hohem Niveau

Parallel zur gestiegenen Nachfrage blieben die angebotenen Preise für Standardtransporte wie Tautliner- oder Curtainsider-Fahrten auf hohem Niveau. Auf europaweiten Routen lagen die Frachtangebotspreise Timocom zufolge im zweiten Quartal durchschnittlich zwischen 1,45 und 1,66 Euro pro Kilometer. Innerhalb Deutschlands bewegten sie sich zwischen 1,68 und 1,92 Euro pro Kilometer.

Der Anstieg wird vor allem auf die erhöhte Nachfrage während der Feiertagswochen zurückgeführt, in denen sich der Transportbedarf auf weniger Arbeitstage konzentrierte. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhten sich die Angebotspreise innerhalb Deutschlands um rund 8 Prozent, europaweit um etwa 5 Prozent.

Preisvorschläge weichen regional unterschiedlich ab

Zwischen den Angebotspreisen der Auftraggeber und den Preisvorschlägen der Transporteure zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Während europaweit im zweiten Quartal nur geringe Abweichungen zu beobachten waren – durchschnittlich lagen beide Werte bei etwa 1,61 Euro pro Kilometer –, betrug die Differenz in Deutschland 11 Cent. Dort beliefen sich die durchschnittlichen Angebotspreise auf 1,86 Euro pro Kilometer, während Transporteure im Mittel 1,97 Euro forderten. Im ersten Quartal lag die Differenz noch bei 8 Cent.

Auf innerösterreichischen Strecken erreichten die angebotenen Preise im zweiten Quartal Werte zwischen 1,93 und 2,20 Euro pro Kilometer, im Durchschnitt 2,08 Euro. Die Gegenangebote der Transporteure lagen mit durchschnittlich 2,04 Euro pro Kilometer leicht darunter. Gunnar Gburek, Company Spokesman bei Timocom, erläutert:

„Die insgesamt höheren Kilometerpreise erklären sich durch die kürzeren Gesamtstrecken, bei denen neben der Anfahrt auch die Ladezeiten einen größeren Anteil ausmachen als bei Fernstrecken. Hinzu kommt die höhere Anzahl an Teilladungen im innerdeutschen und innerösterreichischen Verkehr.“

Zusatzdienste als preissteigernder Faktor

Gburek weist zudem darauf hin, dass Zusatzleistungen wie GPS-Tracking oder Live-Sendungsverfolgung die Preisgestaltung beeinflussen können. So hätten Auftragnehmer, die ihren Kunden diese Services als zusätzlichen Service anbieten, „gute Chancen, höhere Transportpreise zu vereinbaren“.

Ausblick: Hohe Nachfrage trotz schwacher Konjunkturerwartungen

Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten in vielen EU-Staaten bleibe die Nachfrage nach Transportleistungen hoch, so Timocom. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) weist für 2025 nur in elf Mitgliedsstaaten – darunter Polen, Litauen und Spanien – positive Konjunkturerwartungen aus. Deutschland, Österreich und Frankreich liegen deutlich unter dem Durchschnitt der Eurozone.

Dennoch geht Timocom nicht von einer Entspannung auf dem europäischen Transportmarkt in den Sommermonaten aus. Gburek prognostiziert:

„Zwar wird der Frachtanteil im Transportbarometer erfahrungsgemäß bis einschließlich August unter 80 Prozent fallen, wenn das Jahresendgeschäft im September startet, wird dieser Wert aber voraussichtlich wieder erreicht werden.“

Die weitere Entwicklung hänge unter anderem von der Konsumbereitschaft privater Haushalte und der Umsetzung öffentlicher wie privatwirtschaftlicher Investitionen in Europa ab.