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Timocom: Spotmarkt gewinnt an Bedeutung

Im ersten Quartal 2025 hat das Frachtangebot europaweit deutlich zugelegt. Der knappe Laderaum und schwache Investitionsimpulse verstärken den Trend zum kurzfristigen Auftragsgeschäft.

Im europäischen Güterverkehr übersteigen Frachtangebote weiter deutlich das Laderaumangebot. Das zeigt eine aktuelle Marktauswertung des IT-Dienstleisters Timocom. (Foto: Pixabay)
Im europäischen Güterverkehr übersteigen Frachtangebote weiter deutlich das Laderaumangebot. Das zeigt eine aktuelle Marktauswertung des IT-Dienstleisters Timocom. (Foto: Pixabay)

Die Transportnachfrage in Europa entwickelt sich auch zu Beginn des Jahres 2025 deutlich unausgewogen. Laut einer aktuellen Pressemeldung von Timocom liegt das Verhältnis von Frachtangeboten zu verfügbaren Laderaumkapazitäten weiterhin klar über einem ausgeglichenen Marktniveau. Das geht aus dem von Timocom veröffentlichten Transportbarometer hervor, das regelmäßig Marktbewegungen auf Basis von Angebotsdaten innerhalb der Plattform analysiert.

Frachtanteil dominiert deutlich

Im Januar 2025 erreichte der Anteil an Frachtangeboten mit 75 Prozent einen saisonal ungewöhnlich hohen Wert. Zwar sank er im Februar auf 66 Prozent und stieg im März leicht auf 68 Prozent an, dennoch bleibt das Niveau hoch – vor allem im Vergleich zu den Vorjahren. Der Rückgang im März im Vergleich zum Vorjahreswert von 73 Prozent ist laut Timocom auch darauf zurückzuführen, dass das Ostergeschäft 2025 später beginnt. Im Vorjahr lagen die Osterfeiertage deutlich früher, was die Nachfrage im März 2024 entsprechend stärker angetrieben hatte.

Spotmarkt gewinnt an Bedeutung

Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2025 belegen eine spürbare Zunahme von Frachtangeboten im europäischen Markt. Insgesamt registrierte Timocom 30 Prozent mehr Frachteingaben als im Vorjahreszeitraum. Für Deutschland ergibt sich daraus ein Plus von 17 Prozent – mit deutlichen Zuwächsen im Januar (+46 Prozent) und Februar (+23 Prozent). Im März gingen die Zahlen um 4 Prozent zurück.

Timocom bewertet diese Entwicklung als klares Indiz für eine zunehmende Bedeutung des Spotmarkts. Viele Transportunternehmen, insbesondere in Deutschland, haben ihren Eigenfuhrpark reduziert und greifen verstärkt auf kurzfristige Aufträge zurück, um vertragliche Verpflichtungen aus Jahresverträgen zu erfüllen. Die Investitionszurückhaltung bleibt hoch: Nur 7 Prozent der deutschen Unternehmen planen laut SCI-Logistikbarometer in nächster Zeit Anschaffungen für den Fernverkehr. Die allgemeine Wirtschaftslage sowie gedämpfte Erwartungen tragen zu dieser Vorsicht bei.

Österreich mit paralleler Entwicklung

Auch in Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier verzeichnete Timocom für das erste Quartal 2025 ein Plus von 24 Prozent bei den Frachteingaben im Vergleich zum Vorjahr. Besonders deutlich war der Anstieg im Januar (+72 Prozent) und Februar (+34 Prozent). Im März fiel das Volumen leicht um 4 Prozent. Deutschland bleibt wichtigster Zielmarkt für Transporte aus Österreich, gefolgt von Italien und nationalen Transporten. Umgekehrt rangieren Transporte von Deutschland nach Österreich auf Rang drei – hinter Frankreich und Polen, aber noch vor Italien.

Laderaum: Angebot sinkt deutlich im Vergleich zu 2023

Beim verfügbaren Laderaum zeigt sich ein gegensätzlicher Trend. Im Vergleich zum Vorjahr blieben die Zahlen im ersten Quartal relativ stabil. Gegenüber dem ersten Quartal 2023 ist das Angebot jedoch um 32 Prozent zurückgegangen. Laut Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei Timocom, ist dieser Rückgang eine Folge der aktuell hohen Frachtnachfrage.

„Aufgrund der hohen Nachfrage nach Frachtraum sind die Frachtführer anscheinend ausreichend ausgelastet und müssen ihre freien Kapazitäten nicht in dem Maße aktiv am Markt anbieten“, so Gburek.

Dennoch gebe es weiterhin Relationen mit einem Frachtanteil unter 50 Prozent – etwa von Rumänien nach Deutschland – auf denen Rückladungen schwer zu finden seien.

Preise: Volatil und abhängig von der Relation

Die Angebotspreise der Verlader für Standardtransporte zeigten im ersten Quartal eine schwankende Entwicklung. Auf internationalen Strecken lagen sie im Durchschnitt zwischen 1,34 Euro und 1,55 Euro pro Kilometer. Innerhalb Deutschlands bewegten sich die Preise zwischen 1,46 Euro und 1,76 Euro pro Kilometer.

Dem gegenüber stehen die Preisvorschläge der Transportunternehmen: In Deutschland lagen diese zwischen 1,53 Euro und 1,86 Euro pro Kilometer, europaweit zwischen 1,38 Euro und 1,54 Euro.

Die Preisdifferenz zeigt sich besonders im nationalen Vergleich: Während sich die Angebotspreise europaweit im Mittel bei rund 1,44 Euro pro Kilometer einpendeln, liegt der Mittelwert der Transportunternehmen bei 1,46 Euro. In Deutschland beträgt der Abstand fast 8 Cent (1,61 Euro vs. 1,69 Euro).

„Auch wenn die hier berücksichtigten Preise nicht zwangsläufig den tatsächlich vereinbarten Transportpreisen entsprechen müssen, wird doch deutlich, dass das Preisniveau in Deutschland deutlich über den europäischen Mittelwerten liegt“, erklärt Gburek.

Ausblick bleibt verhalten

Timocom verzichtet angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten auf eine optimistische Prognose. Die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Eurozone fällt unterschiedlich aus. Für Gesamteuropa wird ein Wachstum erwartet, Deutschland und Österreich hingegen kämpfen mit stagnierenden Wirtschaftskennzahlen. Besonders betroffen sind Industrie, Bau und Tourismus. In Österreich erreichte der Produktionsrückgang sogar ein Niveau wie im Pandemiejahr 2020.

Zusätzliche Belastung kommt aus den geopolitischen Entwicklungen: Neue US-Zölle könnten den Export aus Deutschland erheblich treffen. Das ifo-Institut rechnet bei ausbleibenden Gegenmaßnahmen mit einem Rückgang der deutschen Exporte in die USA um 2,4 Prozent.

„Vor allem in Deutschland und Österreich, wo der Export eine besonders große Rolle spielt, sind die Folgen nicht absehbar“, so Gburek.

Vor diesem Hintergrund setzt Timocom seine Prognose für das Transportbarometer unterhalb der Vorjahreswerte an. Auch der aktuelle Jahresbericht der Logistikweisen sieht nur ein nominales Wachstum von 1,3 Prozent für die Branche – real bedeutet dies ein leichtes Minus von 0,1 Prozent.