T&E kritisiert Widerstand gegen Flotten-Elektrifizierung: Von China abgehängt
Morgen startet der EU-China-Gipfel in Beijing, China. Thema wird u.a. das chronisch hohe Handelsdefizit mit China sein und der Produktionsüberschuss, mit dem das Land auf den Weltmarkt drängt. Besonders sichtbar ist es bei E-Autos, die China massiv subventioniert und zu Kampfpreisen exportiert. Die EU reagierte zuletzt mit Strafzöllen. Gleichzeitig befindet sich die europäische Autoindustrie in einer Dauerkrise. Fabriken sind nicht ausgelastet. Die Absätze deutscher Hersteller sinken in Europa, aber auch in China und den USA. Trotzdem hatte der EU-Abgeordnete Markus Ferber (CSU) kurz vor dem Gipfel an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Brief gefordert, ein EU-Vorhaben zu stoppen, dass die heimische E-Auto-Nachfrage, durch die Elektrifizierung gewerblicher Flotten ankurbeln soll. Der Brief lag der “Bild am Sonntag” vor. Ferber appellierte vor dem EU-China-Gipfel über die BILD-Zeitung, die Elektrifizierung von gewerblichen Flotten zu kassieren.
"Das verwundert: warum so öffentlich Bedenken an die Parteikollegin von der Leyen kommunizieren? Gleichzeitig ist es ein perfektes Beispiel, warum wir China so weit hinterherhinken. Während China durch eine hohe restriktive Zulassung neuer Verbrenner, gerade in Metropolen wie Peking oder Shanghai, der heimischen E-Auto-Industrie unter die Arme greift, schreckt die Union im Europaparlament selbst vor Maßnahmen zurück, die der deutschen Autoindustrie eine Abnahmegarantie für ihre E-Autos liefern würde", meint Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland.
Deshalb baue China modernste E-Autos im Überschuss, während Teile der EVP die Technologie der Vergangenheit in die Zukunft retten wollen. Im ersten Quartal 2025 sind die weltweiten E-Auto-Verkäufe um mehr als ein Drittel gestiegen. Chinesische Hersteller schaffen es, nicht nur auf dem eigenen Markt, sondern auch in afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern deutlich an Marktanteilen zu gewinnen. Umso wichtiger wäre es daher, für deutsche Hersteller einen starken Heimatmarkt für ihre E-Autos zu erhalten, appelliert Bock weiter.
Unlogisch: Deutsche Hersteller könnten besonders profitieren
Die Automobilindustrie klagt seit langem über eine mangelnde Nachfrage nach E-Fahrzeugen. Im Bereich der Lkw hat sich ACEA bereits im Januar dieses Jahres explizit für verbindliche Ziele für emissionsfrei abgewickelte Transporte für Frachteigentümer (“Shippers”) und Logistiker ausgesprochen, um die Nachfrage nach emissionsfreien Lkw anzukurbeln. Die von der EU-Kommission angestoßene Initiative könnte für planbare Nachfrage nach E-Fahrzeugen sorgen und die Industrie dabei unterstützen, die Flottengrenzwerte einzuhalten. Deutsche Hersteller würden besonders von gestärkter Nachfrage im gewerblichen Segment profitieren. Volkswagen und BMW verkaufen 70 Prozent ihrer Neuwagen auf dem Firmenwagenmarkt, Mercedes 67 Prozent. EU-weit sind nur 24 Prozent der gewerblichen Zulassungen Autos von nicht-europäischen Herstellern.
Profitieren könnten auch Haushalte, denn Firmenwagen werden, mit durchschnittlich drei Jahren, kürzer gehalten als Privatwagen. Sie landen damit schneller auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Vor diesem Hintergrund diskutiert die Kommission derzeit verschiedene Möglichkeiten, das Potential des gewerblichen Marktes zu nutzen, um Nachfrage zu generieren. Sie hat aber noch keine Entscheidung zu möglichen Klimavorschlägen für Dienstwagen getroffen (siehe dpa) – entgegen der jüngsten Darstellung einiger Medienberichte.
Forderung zur Elektrifizierung von Firmenflotten unterstützt
Die NGO fordert aktuell, dass 90 Prozent der neuzugelassenen Firmenwagen großer Unternehmen ab 2030 emissionsfrei fahren sollen. Indem diese Vorgaben nur für große Unternehmen gelten, die entsprechend größere Fuhrparks haben, deckt man einen signifikanten Teil der gewerblichen Neuzulassungen ab, ohne kleine und mittlere Unternehmen zu belasten. Zudem fordert T&E, dass die konkreten Elektrifizierungsziele an das jeweilige Land und seinen Fortschritt in der Elektrifizierung angepasst werden. Konkret hätte also ein großes Unternehmen in den Niederlanden eine höhere E-Quote zu erfüllen als ein großes Unternehmen in Griechenland.
Im Bereich der Lkw fordert T&E Ziele für Frachteigentümer (“Shippers”). Wenn diese Quoten für emissionsfreie Transporte erhalten und diese nachfragen, kann die Transport- und Logistikbranche langfristig planen und auf E-Lkw umstellen. Damit werden der Hochlauf der E-Lkw gestärkt und Hersteller beim Erfüllen der Flottengrenzwerte unterstützt. An der Transformation zur E-Mobilität hängen in Europa nicht nur Jobs bei den Herstellern. Die gesamte Wertschöpfungskette profitiert, wenn der Hochlauf gestärkt wird. In Europa hängen Zulieferer der Hersteller, die Milliarden in die Transformation investiert haben, die Ladeinfrastrukturbranche, sowie zukünftige Investitionen im Bereich der Batterieproduktion an diesem Hochlauf. Wenn die E-Mobilität geschwächt wird, sind 1 Million Arbeitsplätze in der europäischen Autoindustrie und zwei Drittel der geplanten Batterie-Investitionen gefährdet, warnen die Verantwortlichen.