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Tata Motors will Iveco Group übernehmen

Der indische Fahrzeughersteller Tata Motors will die italienische Iveco Group für rund 3,8 Milliarden Euro übernehmen. Der Kaufpreis beträgt demnach 14,10 Euro je Aktie – allerdings ohne das Rüstungsgeschäft von Iveco, das zuvor ausgegliedert und an das europäische Verteidigungsunternehmen Leonardo SpA verkauft wird.

Grund zum weiterfeiern? Zum 50. Geburtstag verliert Iveco seine Selbstständigkeit. | Foto: Iveco
Grund zum weiterfeiern? Zum 50. Geburtstag verliert Iveco seine Selbstständigkeit. | Foto: Iveco

Diese Übernahme hat etwas Dramatisches – denn im europäischen Nutzfahrzeuggeschäft gibt respektive gab es ohnehin nur noch vier eigenständige große Player: Daimler Trucks, Traton, die Volvo Group und bis zum 31.7.2025: Iveco. Wobei die Italiener zuletzt den kleinsten und schwächsten Eindruck machten, der leider nicht getäuscht hat. Jetzt möchte Tata Motors übernehmen, womit Iveco quasi eine Schwester von Jaguar Land Rover würde – und die Briten hat Tata schon durch diverse Krisen finanziert.  

Der Abschluss des Geschäfts ist unter anderem davon abhängig, dass das Verteidigungsgeschäft von Iveco – insbesondere die Marken IDV und Astra – erfolgreich an Leonardo übertragen wird. Der Unternehmenswert dieses Bereichs liegt bei 1,7 Milliarden Euro. Der Verkauf soll spätestens bis zum 31. März 2026 vollzogen sein. Sollte dies nicht gelingen, wird das Geschäft in ein neues, börsennotiertes Unternehmen ausgegliedert. Für die Iveco-Aktionäre ist eine Sonderdividende von 5,5 bis 6,0 Euro je Aktie vorgesehen.

Olof Persson, CEO der Iveco Group, meint: „Durch den Zusammenschluss mit Tata Motors erschließen wir neues Potenzial, um unsere industriellen Fähigkeiten weiter zu verbessern, Innovationen im Bereich emissionsfreier Transport zu beschleunigen und unsere Reichweite in wichtigen globalen Märkten auszubauen. Diese Kombination wird es uns ermöglichen, unsere Kunden mit einem breiteren, fortschrittlicheren Produktportfolio besser zu bedienen und allen Stakeholdern langfristigen Wert zu bieten.“

Strategische Ziele und Marktsynergien

Tata Motors und Iveco versprechen sich von der Fusion erhebliche Synergien. Die Unternehmen ergänzen sich in ihren Produktportfolios und geografischen Schwerpunkten. Gemeinsam streben sie einen jährlichen Absatz von rund 540.000 Einheiten an und erwarten einen Gesamtumsatz von ca. 22 Milliarden Euro. Die Verteilung des Geschäfts soll sich künftig auf Europa (50 %), Indien (35 %) und Amerika (15 %) stützen.

Tata Motors sieht die Übernahme als logische Weiterentwicklung nach der Ausgliederung seines eigenen Nutzfahrzeuggeschäfts, die bis Ende 2025 abgeschlossen sein soll. Iveco wiederum erhofft sich durch den Zusammenschluss eine Stärkung seiner Innovationskraft – insbesondere im Bereich emissionsfreier Antriebstechnologien – sowie einen besseren Zugang zu Wachstumsmärkten.

Der Hauptsitz von Iveco bleibt in Turin

Tata Motors hat sich verpflichtet, in den ersten zwei Jahren nach Abschluss der Übernahme: Keine Werke zu schließen oder keinen Personalabbau als direkte Folge der Fusion durchzuführen. Zudem sollen Marken, Unternehmensidentität und Kultur der Iveco Group erhalten bleiben. Der Hauptsitz verbleibt in Turin, ebenso wie eine eigenständige Betriebsstruktur. Zwei unabhängige Vorstandsmitglieder sollen die Einhaltung dieser Zusagen überwachen.

Der größte Iveco-Aktionär, die Investmentgesellschaft Exor (mit rund 27 % der Aktien und 43 % der Stimmrechte), hat der Übernahme bereits zugestimmt und wird seine Anteile Tata Motors andienen. Die Sonderstimmrechte werden an Iveco zurückgegeben.

In den kommenden Tagen wird eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Aktionäre zu informieren und weitere Beschlüsse zu fassen. Innerhalb der nächsten drei Wochen soll ein Antrag zur Genehmigung des Angebotsdokuments bei der italienischen Finanzaufsicht Consob eingereicht werden. Der endgültige Abschluss der Transaktion wird im zweiten Quartal 2026 erwartet.

Was bedeutet das?

Dass Iveco im Vergleich zu den europäischen Marktbegleitern dezent zurückfiel, hat sich bereits abgezeichnet. Der Nutzfahrzeugmarkt ist extrem volatil und auch Daimler Trucks, Traton und Volvo sparen. Für Iveco ist Tata ein guter Deal: Die Inder haben bisher mit Jaguar Land Rover extrem viel Geduld bewiesen und die Briten schon durch so manche weitere Krise nach British Leyland, Ford respektive BMW finanziert. Und sie haben Zugang zu weiteren Märkten. Man darf gespannt sein, in wieweit der Deal mit Ford-Otosan bezüglich neuer Fahrerhäuser für die schweren Lkw-Baureihen von der Übernahme betroffen sein wird. Und inwieweit Tata Iveco weitere Technik respektive Software zuführen kann.