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Rimac will Bugatti komplett übernehmen

Bieterschlacht um Bugatti - oder nur Lockmittel für frisches Kapital? Das kroatische Tec- und Sportwagenunternehmen Rimac soll kürzlich ein Angebot für die restlichen 45% an dem Joint Venture Bugatti Rimac abgegeben haben – womit Rimac Miteigentümer Porsche die Luxusmarke komplett abkaufen und sie damit etwas weiter aus dem VW-Konzern lösen würde.

Erst kürzlich fuhr Bugatti ein "Opening Event" in Rotterdam. | Foto: Bugatti Automobili
Erst kürzlich fuhr Bugatti ein "Opening Event" in Rotterdam. | Foto: Bugatti Automobili

Der Volkswagen-Konzern kommt nicht zur Ruhe. Nachdem zuletzt viel über die Kernmarke und deren Zukunft geschrieben wurde, kommt jetzt auch ins hypercar-Segment Bewegung. In dem Fall geht es um Bugatti: Die Agentur Bloomberg hatte zuerst über die Offerte von Rimac berichtet, die restlichen 45 Prozent von Bugatti von Porsche zu übernehmen, wozu sich Rimac mit anderen Investoren zusammentun könnte. Auch sein eigenes Unternehmen baute Rimac um: Die Rimac-Gruppe und ihr Gründer, Mate Rimac, haben Antony Sheriff zum CEO der Rimac-Gruppe ernannt. Mate Rimac wird Vorsitzender des Vorstands der Rimac-Gruppe und bleibt gleichzeitig CEO von Bugatti Rimac und Rimac Technology. Die Rimac-Gruppe ist Mehrheitsaktionär von Bugatti Rimac und alleiniger Aktionär von Rimac Technology.

Die Gespräche bezüglich Bugatti sollen sich noch in einem frühen Stadium befinden. Kurzer Rückblick: 2021 hat der kroatische Hypercar-Hersteller und Zulieferer Rimac die Mehrheit der Edelmarke Bugatti vom VW-Konzern übernommen. Die verbleibenden 45 Prozent liegen bei der VW-Tochter Porsche. Damit wurde Bugatti schon vor vier Jahren dezent „ausgegliedert“, um eventuell notfalls über den Partner Rimac abgestoßen zu werden. Oder, sollte Bugatti scheitern, hätte man das Hauptanteilseigner Rimac zuschieben können.

Rimac würde Bugatti gern komplett übernehmen

Nun will Rimac reinen Tisch machen und die restlichen 45% an Bugatti Automobile gern übernehmen. Er soll das 2021 gegründete Joint Venture namens Bugatti Rimac mit gut einer Milliarde Euro bewerten und habe laut Bloomberg ein entsprechendes vorläufiges Angebot für den 45-prozentigen Anteil von Porsche vorgelegt.

Die Diskussionen sollen jedoch noch in einem frühen Stadium sein und es ist laut Bloombberg unklar, ob es zu einer Transaktion kommen wird. Ein Sprecher von Rimac weigerte sich gegenüber Bloomberg, zu den Gerüchten Stellung zu nehmen. Ein Porsche-Sprecher erklärte, dass der Konzern laufend mögliche Optimierungen für seine Beteiligungen überprüfen würde und arbeite eng mit seinen Geschäftspartnern und Co-Investoren zusammenarbeite. Aber auch er verweigerte eine konkrete Stellungnahme zum Rimac-Angebot.

Porsche prüft seine Beteiligungen immer wieder

Spannend wird es, wenn man hinter die Kulissen blickt: das Manager Magazin berichtete nämlich bereits im Dezember 2024, das Porsche selbst mit Rimac über eine Übernahme der Mehrheit am Joint Venture verhandelt haben. Damals soll auch diskutiert worden sein, ob ein zusätzlicher Investor einsteigen und einen Teil der Rimac-Anteile übernehmen könnte. Was ebenfalls darauf hindeutet, das Porsche selbst aktuell nicht allzu viele Kapazitäten für die Bugatti-Hypercars zu haben scheint.

Rimac-Gründer Mate Rimac soll im Dezember 2024 bestätigt haben, dass „unter den Eigentümern Gespräche über eine mögliche Transaktion“ laufen würden. Es gebe aber weitere Interessenten neben Porsche. Interessant auch die Aussage, dass das Unternehmen steht so gut dastehe, dass mate Rimac schon damals seinen Anteil am liebsten „selbst erhöhen würde“. Laut Insidern sei durchaus denkbar, dass sich Rimac für einen tatsächlichen Kauf der Anteile mit anderen Investoren zusammentut.

Man könnte das Angebot von CEO Mate Rimac aber auch als Schachzug im Verhandlungspoker um Bugatti verstehen, um grundsätzlich weiteres Kapital anzulocken. Denn Bloomberg auch Insider, die berichten, dass Porsche seine Prioritäten nach dem Weggehen einiger Top-Führungskräfte und angesichts des schwierigen Automobilmarktes vorerst verschoben haben soll. Laut einem aktuellen Bericht des „Manager Magazins“ könnte die Offerte von Rimac für den Porsche-Anteil laut Insidern auch ein Manöver sein, um die Bewertung des Gemeinschaftsunternehmens Bugatti Rimac in die Höhe zu treiben.

Wie und warum Porsche auf jeden Fall im Boot bleibt

Ob nun Porsche oder Rimac am Ende die Mehrheit am Joint Venture erhalte oder ob sich ein externer Käufer für Bugatti Rimac finde, sei noch nicht entschieden. So oder so bleibt Porsche im Boot und behält die Kontrolle, denn die Zuffenhausener zählten noch vor der Gründung des Gemeinschaftsunternehmen Bugatti Rimac zu den wichtigsten Investoren der Rimac Group: Bereits 2018 stieg Porsche mit 10% bei Rimac ein und erhöhte den Anteil auf 21 Prozent. Weitere Großinvestoren sind Softbank, Goldman Sachs und Hyundai. Größter Aktionär bleibt zwar Gründer Mate Rimac – doch mit einem 21%-Anteil kann Porsche mitbestimmen. Durchgerechnet läge der Anteil an Bugatti Rimac aktuell schon jetzt bei 56 Prozent. Aber im täglichen Geschäft würde im Zweifel die Rimac-Seite entscheiden – mit Mate Rimac als CEO.

Rimac steht selbst auf drei Säulen

Seine Rimac Group selbst hat drei Geschäftsfelder: In der 55-prozentigen Beteiligung Bugatti Rimac sind die Luxusautos der Marken Bugatti (Verbrenner) und Rimac (elektrisch) gebündelt. Die 100-prozentige Tochter Rimac Technology arbeitet als Entwicklungspartner und Zulieferer für andere Automarken. Und gemeinsam mit anderen Investoren baut Rimac unter „Verne“ ein Business für Robotaxis auf.

Was bedeutet das?

Es könnte nur ein Pokerspiel sein: Porsche hat aktuell weder Kapazitäten noch allzu viel monetäres Potenzial für Bugatti, wo man mit dem Toubillon ohnehin ein frisches Modell am Start hat. Insofern würde es Sinn machen, die restlichen Anteile an Rimac abzugeben, denn das Hypercar-Business mit Minimalstückzahlen passt nicht direkt zu Porsche und noch weniger in den VW-Konzern. So sucht man nun nach einem dezenten Weg, hier etwas „flexibler“ zu werden, ohne die Kontrolle komplett abzugeben. Rimac würde wohl gern ganz übernehmen, womit Porsche sein ganz großes Bugatti-Risiko verkleinert hätte. Sollten sich Bugatti und Rimac aber weiter stark entwickeln, wäre es schade, das Hyper-Duo einfach abzugeben. So oder so täte eine Kapitalspritze von außen gut.

 

Quellen: Bloomberg.com, Manager-Magazin.de, Rimac-Presseseite