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Jaguar Land Rover: Zwischen Zollschranken und Stromstößen

Jaguar Land Rover (JLR) steht mal wieder an einer Weggabelung – und die ist so steinig wie zwei Feldwege in den schottischen Highlands – denn das Unternehmen muss sich wetterfest machen - auch (wieder) mit elektrischen Modellen.

Die Zukunft von Jaguar ist mutig - der neue Jaguar-CEO PB Balaji hält am Neustart der Marke fest. | Foto: Jaguar
Die Zukunft von Jaguar ist mutig - der neue Jaguar-CEO PB Balaji hält am Neustart der Marke fest. | Foto: Jaguar

Als britischer Autohersteller mit den meisten Verkäufen in den USA genießt JLR zwar dort hohes Ansehen, aber auch die volle Breitseite von Präsident Donald Trumps Importzoll-Logik: Sobald die magische Grenze von 100.000 exportierten britischen Fahrzeugen pro Jahr geknackt wird, klingelt die Kasse – allerdings beim Zollamt.

Wie genau sich das auf Preise, Modellmix und Marktstrategie auswirken wird? Nun, JLR schweigt dazu erstmal. Denn eine Produktionsverlagerung nach Nordamerika ist angesichts der zu erwartenden Absatzzahlen dort so wahrscheinlich wie ein Defender mit Pink-Lederinterieur – die Investitionskosten sind hoch, und das Volumen dafür ist eher klein.

Für die USA könnte man wieder die Magna-Karte ziehen

Denkbar wäre aber Auftragsfertigung, etwa mit Magna International, die ja schon den elektrischen Jaguar I-Pace in Graz montiert haben. Offiziell will davon natürlich niemand etwas wissen. Branchenkenner munkeln derweil, dass so manche Modellpflege den Kalender plötzlich nicht mehr findet, während große Neuentwicklungen planmäßig durchstarten.

2026 kommen (fast) alle Range Rover-Modelle auch rein elektrisch

Ab 2026 legt JLR dann richtig los mit der E-Offensive: elektrische Versionen von Range Rover, Range Rover Sport und Range Rover Velar. Der Defender hingegen bleibt optisch der Alte – abgesehen von neuen Leuchten, einem größeren Display und ein paar frischen Lacktönen. Die erste größere Schönheits-OP ist erst für 2028 gebucht.

Unter dem Defender ist ein kompakterer Defender Sport geplant

2027 soll dann der Defender Sport auftauchen – ein kleiner, geländegängiger Rabauke im Jeep-Wrangler-Format, der wahlweise vollelektrisch oder als Plug-in-Hybrid über Stock und Stein geht. Britische Medien flüstern, er werde auf der modularen EMA-Plattform basieren, die beides kann.

Der Disco? Tanzt nicht mehr – der „Discovery Sport“ wird wohl dem Defender Sport weichen

Auch beim Discovery gibt’s ein Neuanstrich-Konzept: künftig familienfreundlich zwischen Defender und Velar platziert, mit bodenständigeren Preisen und Ausstattung. Der aktuelle Discovery läuft so lala und sorgt für Stirnrunzeln in den Bilanzen. Ab Ende 2026 könnte die Neuauflage als Plug-in starten, später dann auch rein elektrisch. Der Discovery Sport hingegen dürfte 2026 von der Bildfläche verschwinden – seine Aufgaben übernimmt der Defender Sport.

Anders als bei den Supersportwagen werden elektrische Groß-SUV doch geschätzt

Der elektrische Range Rover soll 2026 starten – trotz Zöllen und ohne Förderbonus – und hat jetzt schon eine weltweite Warteliste von über 65.000 Kunden. Gebaut auf der MLA-Plattform, verspricht er 800-Volt-Schnellladefähigkeit, rund 480 Kilometer Reichweite und Allradantrieb mit 405 kW (550 PS). Preislich geht’s ab etwa 140.000 Euro los, nach oben offen bis über 300.000 Euro – wer sagt, Luxus müsse ein Limit haben?

Der Range Rover Sport Electric, ebenfalls für 2026 geplant, zielt direkt auf die E-SUVs von Porsche, Lotus und Lucid. Erste Daten klingen nach Spaß: bis zu 460 kW (626 PS) und unter vier Sekunden auf 100 km/h. Der Evoque bekommt 2026 eine neue Generation – wieder mit Plug-in und reinem E-Antrieb auf EMA-Basis. Zum Velar gibt’s auch News: Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 in frischem Kombi-Look, aber weiter mit Offroad-Fähigkeiten, und natürlich 800-Volt-Technik. Eine Plug-in-Version ist dann für 2028 auf dem Plan.

Währenddessen wird hinter den Werkstoren fleißig umgebaut: Wolverhampton bekommt Fertigungslinien für E-Motoren und Batterien, Halewood hat schon über 200 Vorserienmodelle eines neuen E-Range-Rovers auf EMA-Basis produziert.

Nur mit Jaguar tut man sich weiter schwer: Mit der Neustart-Studie hat sich CEO Adrian Mardell sehr weit aus dem Fenster gelehnt, jetzt greift die indische Mutter Tata Motors durch: Adrian Mardell wird ab November 2025 durch Tata-Top-Manager PB Balaji ersetzt. Balaji war zuletzt Finanzchef bei Tata und wird der erste Inder an der JLR-Spitze, was den Tata-Einfluss weiter stärken dürfte. Auch wenn er sich noch nicht dezidiert zu Jaguar geäußert hat: Grundsätzlich hält er an der Jaguar-Verwandlung fest – etwas anderes dürfte ihm auch erstmal nicht übrig bleiben.

Was bedeutet das?

JLR geht vollelektrisch – aber mit britischer Gelassenheit und der Option, auf dem Weg dorthin ein paar Projekte einfach diskret „zu parken“ oder ganz neu zu erfinden – womit ein kleines letztes Restchen Unwägbarkeit, das vor allem die British-Leyland-Zeit prägte, in die Jetzt-Zeit fand.

Quellen: Automobilwoche, Elektroauto-News.net, Jaguar-Land-Rover-Presseseite