LKW

Hermes Fulfilment: Autonome Roboter im Einsatz

Das Unternehmen setzt im Logistikzentrum Löhne für den Palettentransport zum ersten Mal 222 Kilogramm schwere, autonome Roboter ein. Sie können bis zu 1.200 Kilogramm Nutzlast transportieren.

Die insgesamt 25 autonomen Roboter sollen im Logistikzentrum Löhne künftig täglich rund 1.000 Transporte abwickeln und dabei rechnerisch rund 30 Kilometer zurücklegen. Foto: Hermes Fulfilment
Die insgesamt 25 autonomen Roboter sollen im Logistikzentrum Löhne künftig täglich rund 1.000 Transporte abwickeln und dabei rechnerisch rund 30 Kilometer zurücklegen. Foto: Hermes Fulfilment

Im Logistikzentrum Löhne kommen jetzt zum ersten Mal autonome mobile Roboter (AMR) zum Einsatz und übernehmen in dem insgesamt 100.000 Quadratmeter großen Betrieb die Beförderung von Großpaletten mit kommissionierter Ware. Thomas Saltenbrock, Betriebsleiter von Hermes Fulfilment in Löhne:

„Damit entlasten wir unsere Mitarbeitenden und heben die Effizienz unserer Logistikprozesse auf ein neues Level.“

Spezialisiert ist der Standort in Nordrhein-Westfalen auf die logistische Abwicklung des großvolumigen Sortiments mit einem Gewicht von mehr als 31,5 Kilogramm. Dazu zählen vor allem Möbel, Elektrogroßgeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke, aber auch Polstermöbel und Matratzen. Die Großstücke lagern überwiegend in bis zu 12,40 Meter hohen Regalen. In der Regel besteht eine Bestellung aus mehreren Packstücken. Sie werden meist von Hand in Bodennähe auf Großpaletten kommissioniert.

Die Ladehilfsmittel werden im Logistikzentrum an den Hermes Einrichtungs Service übergeben, der die bestellte Ware anschließend im Zwei-Mann-Handling ausliefert. Für die Übergabe an die Schwestergesellschaft kommen im Logistikzentrum bislang vorrangig Niederhubwagen zum Einsatz, die von Mitarbeitenden gesteuert werden.

Transport wie bei Ameisen
Künftig sollen diese Fahrzeuge durch selbstfahrende mobile Roboter des österreichischen Herstellers Melkus Mechatronic ergänzt werden. Sie wiegen 222 Kilogramm und können bis zu 1.200 Kilogramm Nutzlast transportieren. Weil sie wie Ameisen ein Vielfaches ihres Eigengewichts tragen können, werden die Geräte bei Hermes Fulfilment auch Ants (englisch für Ameisen) genannt. Die Hubhöhe beträgt dabei 240 Millimeter.

Die Fahrzeuge bewegen sich autonom mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 1,5 Metern pro Sekunde und navigieren mithilfe von Laserscannern, die im Mast sowie an den Kufen und Seiten angebracht sind. Damit sich die AMR an Umgebungsmerkmalen orientieren können, wurde die Gebäudeinfrastruktur vermessen, kartiert und in einer cloudbasierten Steuerungsplattform hinterlegt. Die Koordination der Transporte erfolgt über einen Leitstand.

Ausweichen und abbremsen
Sensoren sorgen dafür, dass die Fahrzeuge Hindernisse erkennen und rechtzeitig ausweichen oder abbremsen, wenn nicht genügend Platz zum Umfahren vorhanden ist. Thomas Saltenbrock:

„Sicherheit hat bei uns im Logistikzentrum höchste Priorität.“

Deshalb würden die Mitarbeitenden im Kontakt mit den mobilen Robotern geschult und müssten sich auch an geänderte Vorfahrtsregelungen gewöhnen. So haben die selbstfahrenden Ladungsträger immer Vorrang – sowohl vor herkömmlichen Flurförderzeugen als auch vor Mitarbeitenden, die im 100.000 Quadratmeter großen Logistikzentrum zu Fuß unterwegs sind. Das interne Verkehrskonzept wurde entsprechend angepasst. Thomas Saltenbrock:

„Es fallen weniger manuelle Transporte an. Der automatisierte Materialfluss sorgt für mehr Ruhe in den logistischen Abläufen, weil die Roboter mit einer konstant niedrigen Geschwindigkeit unterwegs sind.“

Das verbessere auch die Effizienz der innerbetrieblichen Prozesse. Mitarbeitende, die bislang derlei Transporte gefahren hätten, würden entlastet und könnten künftig andere, komplexere Aufgaben im Logistikzentrum übernehmen. Thomas Saltenbrock:

„Mit dem Einsatz der AMR schaffen wir im Logistikbereich ein modernes, motivierendes Arbeitsumfeld mit Zukunftsperspektive. Das ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, des spürbaren Arbeitskräftemangels und des steigenden Renteneintrittsalters ein wichtiger Faktor.“

25 Roboter für 1.000 tägliche Transporte
Insgesamt hat Hermes Fulfilment bereits 23 akkubetriebene Roboter erfolgreich integriert. Zwei weitere sollen noch hinzukommen. Zusammen sollen die Geräte täglich etwa 1.000 Transporte absolvieren und dabei rein rechnerisch rund 30 Kilometer zurücklegen. Rund 20 Prozent der Transporte sollen künftig weiterhin mit herkömmlichen Niederhubwagen gefahren werden. Nach Abschluss der Pilotphase im Logistikzentrum Löhne werde die Roboter-Lösung auch an dem weiteren Zwei-Mann-Handling-Standort von Hermes Fulfilment im fränkischen Ansbach eingeführt, heißt es.