LKW

Fachforum: Auch auf der Schiene herrscht Parkplatzmangel

Ohne mehr Abstell- und Dispositionsgleise kann die Verlagerung von Güterverkehren auf die Schiene nicht gelingen, so das Fazit eines Fachforums, das der VDV e.V., Die Güterbahnen, das LKZ Prien sowie die Initiative „Jeder Meter zählt – Bündnis Gütergleise“ auf der Transport Logistic veranstalteten.

(V.l.n.r.): Matthias Prochazka (Leiter Schienenverkehre, ARS Altmann AG), Georg Lennarz (Fachbereichsleiter Marktfragen Güterverkehr, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV e.V), Dr. Petra Seebauer (Geschäftsführerin, LKZ Prien GmbH), Yvonne Bounin (Leiterin Vertrieb und Kommunikation, DB InfraGo AG), Peter Westenberger (Geschäftsführer, Die Güterbahnen) und Dr. Martin Neese (Chief Commercial Officer, VTG Gruppe). (Foto: ARS Altmann AG/Mathias Frohnapfel)
(V.l.n.r.): Matthias Prochazka (Leiter Schienenverkehre, ARS Altmann AG), Georg Lennarz (Fachbereichsleiter Marktfragen Güterverkehr, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV e.V), Dr. Petra Seebauer (Geschäftsführerin, LKZ Prien GmbH), Yvonne Bounin (Leiterin Vertrieb und Kommunikation, DB InfraGo AG), Peter Westenberger (Geschäftsführer, Die Güterbahnen) und Dr. Martin Neese (Chief Commercial Officer, VTG Gruppe). (Foto: ARS Altmann AG/Mathias Frohnapfel)

Vom 02. bis zum 05. Juni fand wieder die Transport Logistic auf dem Münchner Messegelände statt. Im Rahmen eines Fachforums diskutierten dort Experten aus der Wirtschaft und Bahnbranche über fehlende͏ Parkplätze auf der Schiene für den Schienengüterverkehr.

Modal Shift-Voraussetzungen

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) e.V., Die Güterbahnen (NEE e.V.), das Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) Prien sowie die Initiative „Jeder Meter zählt – Bündnis Gütergleis“ sind sich einig: Deutschland benötigt eine leistungsfähige, logistische Schieneninfrastruktur, um mehr Güterverkehre von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Doch dies sei nur mit mehr Abstell- und Dispositionsgleisen möglich, so das Resümee der Fachexperten. Denn in den letzten 25 Jahren seien zahlreiche Abstell- und Dispositionsgleise, Zugbildungsanlagen sowie Werkstätten für den Schienengüterverkehr drastisch rückgebaut und teilweise stillgelegt worden.

Durch fehlende Park- und Nebenstrecken entstünden aber Engpässe im Betriebsablauf – zum Einen gefährde dies die Lieferflexibilität und Termintreue, zum anderen den Modal Shift von der Straße auf die Schiene.

Nötige Investitionen

Nach Angaben von Georg Lennarz, Fachbereichsleiter Marktfragen Güterverkehr beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) e.V., besteht bei mehr als 300 Bahnhöfen ein Maßnahmenbedarf in die Schieneninfrastruktur in Deutschland. Er zog den Vergleich zu größeren, modernen Flughäfen - nur eine Start- und Landebahn sei dort unvorstellbar.

„Wir brauchen nicht nur Gleise, sondern auch Platz zum Parken, also Abstellmöglichkeiten für die Güterzüge”, betonte Lennarz.

Ihm zufolge müsse der Bund nicht nur in Strecken, sondern auch in Gütergleise in Bahnhöfen, sogenannte Serviceeinrichtungen investieren und rasch die Finanzierung für Neu- und Ausbau sicherstellen.

Sensibilisierung der Öffentlichkeit

Eine anschließende Diskussionsrunde mit Yvonne Bounin (Leiterin Vertrieb und Kommunikation, DB InfraGO AG), Dr. Martin Neese (Chief Commercial Officer, VTG Gruppe), Matthias Prochazka (Leiter Schienenverkehre, ARS Altmann AG) und Peter Westenberger (Geschäftsführer, Die Güterbahnen), die von Dr. Petra Seebauer (Geschäftsführerin, LKZ Prien GmbH) moderiert wurde, befasste sich mit der Frage, warum der Schienengüterverkehr dringend mehr infrastrukturelle Kapazitäten benötigt und welche Lösungen notwendig sind, um die angespannte Lage insbesondere im Bereich Abstell- und Dispositionsgleise kurzfristig zu entschärfen.

Der Modal Shift hin zu mehr Eisenbahn-Güterverkehr könne nur mithilfe einer stärkeren öffentlichen Sensibilisierung gelingen, waren sich die Fachexperten einig. Zudem käme mehr Verkehr auf der Schiene auch dem Klimaschutz zugute.

„Es geht darum, wachzurütteln und aufmerksam zu machen. Auf ein Thema, das unserer Unternehmensgruppe am Herzen liegt und in der Initiative „Jeder Meter zählt – Bündnis Gütergleise“ reflektiert wird: Der Investitionsbedarf im Schienengüterverkehr ist gewaltig“, so Matthias Prochazka. Er fügte hinzu: „Es ist wichtig, alle beteiligten Marktteilnehmer und Gruppen miteinzubinden, natürlich auch die DB InfraGo.“

Nach Angaben von Prochazka seien in den Arbeitsgruppen des Bündnisses „Jeder Meter zählt“ bereits konkret Handlungsfelder betrachtet worden, erste Vor-Ort-Termine hätten unter anderem an den Rangierbahnhöfen München-Nord sowie Berlin-Nordost stattgefunden.

Der Bedarf sei enorm - angefangen von fehlenden Schienenkilometern für den Güterverkehr, über defekte Weichen bis hin zu unaufschiebbaren Sanierungsarbeiten.

„Mitarbeiter:innen von DB InfraGo arbeiten sehr gut mit, die Informationen sind transparent und die Diskussionen über Verbesserungen zielführend. Einzelne Vorschläge für die Umsetzung „kleinerer Maßnahmen“ in Bahnhöfen wurden hier bereits aufgegriffen und befinden sich in der Umsetzung“, so Prochazka weiter.

Wichtige Stellschrauben

Das Bündnis „Jeder Meter zählt“ fordert ein Umdenken in der Infrastrukturpolitik. Die Teilnehmer der Diskussionsrunde wandten sich mit einem Appell an den Bund, rasch und massiv in die „Parkplätze auf der Schiene“ zu investieren und notwendige Mittel freizugeben.

In Anbetracht des Infraplans, der derzeit vom Bundesministerium für Verkehr in Vorbereitung ist, gelte es, diese verhältnismäßig kleinen, jedoch wichtigen Stellschrauben zu platzieren und zu priorisieren.

Die Kernbotschaften der Initiative „Jeder Meter zählt – Bündnis Gütergleise“:

  • Es brauche ein positives Signal seitens BMV in Bezug auf die Finanzierung von Serviceeinrichtungen.
  • Es müssen alle an einem Strang ziehen. Gefordert wird die Wiederbelebung der einschlägigen Arbeitsgruppe des Runden Tisches Kapazität erweitert um Industrieteilnehmer.
  • Zudem gefordert wird ein Sofortprogramm des Bundes zur Entlastung skizzierter Hot Spot-Regionen durch Auflösung bestehender Kapazitätsengpässe.
  • Wünschenswert sei eine ehrliche, frühzeitige Kommunikation seitens DB InfraGo an die Güterverkehrsbetreiber. Als verladende Wirtschaft biete man Unterstützung bei der Erarbeitung der Prozesse bei Korridorsanierungen, Sanierungsprojekten etc. an, um die infrastrukturellen Herausforderungen für eine resiliente, leistungsfähige, Wirtschaft zu bewältigen.

„Nur wenn wir gemeinsam handeln, können wir die aktuellen Herausforderungen meistern. Es geht um nicht weniger als die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Schienengüterverkehrs in Deutschland und damit unserer Versorgung“, betonte Dr. Petra Seebauer vom Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien.

Grundlage dafür sei ein verlässliches Netz, das Menschen wie Güter sicher und effizient ans Ziel bringt. Die Finanzierung müsse nun mit Priorität sichergestellt werden.