PKW

Enterprise-Interview Christian Holler: „Die Auslastung ist der Schlüssel!“

Enterprise Mobility kennt man vor allem aus dem Mietwagengeschäft: Das Unternehmen ist ein führender Anbieter von Mobilitätslösungen wie Autovermietung, Flottenmanagement, Carsharing, Vanpooling, LKW-Vermietung, Luxusmietwagen, Fahrzeugverkauf und Auto-Abos sowie von weiteren Transporttechnologien und angebundenen Services. Im Interview blickt Christian Holler in die Zukunft der B2B-Lösungen für Mobilität.

Profi: Christian Holler ist verantwortlich für das deutschlandweite Firmenkundengeschäft bei Enterprise Mobility und arbeitet seit 1998 in der Mobilitätsbranche. | Foto: Enterprise Mobility
Profi: Christian Holler ist verantwortlich für das deutschlandweite Firmenkundengeschäft bei Enterprise Mobility und arbeitet seit 1998 in der Mobilitätsbranche. | Foto: Enterprise Mobility

Christian Holler ist der Verantwortliche für das deutschlandweite Firmenkundengeschäft bei Enterprise Mobility. Er arbeitet seit 1998 in der Mobilitätsbranche. Enterprise Mobility gehört zu den Schwergewichten der Mobilitätsanbieter. Man verwaltet zusammen mit seinen Tochtergesellschaften, Franchisepartnern und mit dem verbundenen Unternehmen Enterprise Fleet Management eine vielfältige Flotte von 2,4 Millionen Fahrzeugen über ein Netzwerk von mehr als 9.500 Vermietstationen in Städten und an Flughäfen in mehr als 90 Ländern und Regionen. Enterprise Mobility befindet sich im Privatbesitz der Familie Taylor aus St. Louis (Missouri, USA) und managt die Marken Enterprise Rent-a-Car, National Car Rental und Alamo Rent a Car. Interessant ist dabei auch der B2B-Arm des Unternehmens. Wir wollten von Christian Holler wissen, welche Hebel man dort nutzt, um den CO2-Ausstoß und die Kosten in den Flotten zu senken und wie sein Unternehmen die Entwicklung der E-Mobilität beurteilt.  

 

VISION mobility: Wie kann Enterprise Mobility die Transparenz und Fürsorgepflicht stärken?

Christian Holler: In der Zusammenarbeit mit unseren Firmenkunden legen wir einen starken Fokus auf die Beratung und die Analyse, um dann im nächsten Schritt die Unternehmensmobilität mit unseren Tools und Lösungen zu optimieren.

Bei der Bedarfsanalyse stellen wir häufig fest, dass vielen Unternehmen nicht bewusst ist, ob die Art und Weise, wie ihre Mitarbeitenden Mobilität geschäftlich nutzen, effizient und sicher ist. Oder wann der Mobilitätsbedarf besonders hoch ist und wann nicht. Oftmals gibt es keine Reiserichtlinien oder sie sind veraltet und nicht an die heutige Arbeitswelt angepasst. Außerdem haben Unternehmen oft keine Übersicht darüber, ob ihre Mitarbeitenden ihr eigenes Fahrzeug für Geschäftsreisen nutzen, wie oft sie es warten bzw. Sicherheitsprüfungen durchführen lassen etc.

Diese mangelnde Transparenz liegt in der Regel daran, dass aussagekräftige Mobilitätsdaten nicht verfügbar sind oder nicht genutzt werden. Wir stellen auf der einen Seite Technologielösungen bereit, die Mobilitätsmuster von Benutzern erfassen, und unterstützen die Unternehmen auf der anderen Seite, diese Daten zu analysieren. So können sie faktenbasierte Mobilitätsentscheidungen treffen, die den Unternehmensrichtlinien entsprechen und gleichzeitig die Zufriedenheit der Mitarbeitenden aufrechterhalten, wenn nicht sogar steigern.

Das berührt auch das Thema Fürsorgepflicht: Anstatt die Mitarbeitenden mit veralteten und vermeintlich schlecht gewarteten Privatfahrzeugen zum Kundentermin fahren zu lassen, können die Unternehmen ihnen kostengünstigere, umweltschonendere und vor allem auch sicherere Alternativen bieten.

Abgesehen vom Fahrzeug ermöglicht die Implementierung des Carsharing-Programms von Enterprise mithilfe von Technologien wie Enterprise Travel Direct (ETD) einem Unternehmen die vollständige Kontrolle und einen ganzheitlichen Überblick darüber, wie und wann die Fahrzeuge genutzt werden, sowie über alle Live-Wartungs- oder Unfallmeldungen – und erhöht so die Fürsorgepflicht für Mitarbeitende, wenn sie geschäftlich unterwegs sind.

Durch die Kombination von Technologie mit dem richtigen Fahrzeugmix für die richtige Geschäftsreise können Mobilitätsexperten wie Enterprise Unternehmen bei der Entscheidungsfindung und Umsetzung unterstützen, wenn es um die Sicherheit der Mitarbeitenden geht.

Wo und wie hilft das Angebot von Enterprise, Geschäftsreiseprozesse effizienter organisieren und schneller skalieren? Gibt es dafür konkrete Beispiele?

Holler: Grundsätzlich verfolgen wir den Ansatz, jedes Unternehmen individuell zu betrachten, da jedes Unternehmen individuelle Mobilitätsbedürfnisse hat. Was jedoch auf fast jedes Unternehmen zutrifft, sind die tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt in den letzten Jahren.

Diese wirken sich auch deutlich auf die Unternehmensmobilität aus: Viele Menschen arbeiten nicht mehr Vollzeit im Büro, aufwendige Geschäftsreisen werden durch virtuelle Meetings ersetzt, kürzere Trips zum Treffen von Kunden oder Kollegen haben zugenommen, Verkehrsmittel sind besser vernetzt, lassen sich besser kombinieren etc.

Diese Veränderungen stellen deutlich komplexere Anforderungen an die Mobilität, die heutzutage sehr viel flexibler sein muss als noch vor einigen Jahren. Veränderte Ansprüche der Mitarbeitenden an die Mobilität spielen hier auch eine große Rolle. Wir beobachten zum Beispiel, dass der eigene Dienstwagen für die jüngere Generation nicht mehr so wichtig ist, multimodale und flexible Mobilitätsangebote hingegen schon. Starre Strukturen, Vorgaben und Prozesse werden dem nicht mehr gerecht.

Shared-Mobility-Lösungen wie Kurzzeitmiete, flexible Langzeitmiete oder Corporate Carsharing für Unternehmen bieten vor diesem Hintergrund ein Maximum an Flexibilität und Skalierbarkeit. Aufgrund des „On Demand“-Charakters sind unsere Lösungen immer und umgehend in der richtigen Anzahl zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar – und wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um diese Parameter stets im Blick zu haben und zu bedienen.

VISION mobility: In welchem Umfang können Unternehmen ihre finanziellen Risiken hinsichtlich der Mobilität minimieren? Wo gibt es hier Grenzen? Denn grundsätzlich gilt: Je mehr ich all-in buche, desto teurer wird die Dienstleistung.

Holler: Die Krisen der vergangenen Jahre und die anhaltenden wirtschaftlichen Schwankungen haben dazu geführt, dass die Unternehmen in der Lage sein müssen, ihre Mobilitätsstrategien schnell anzupassen und weiterzuentwickeln.

Die Auslastung ist der Schlüssel, um sicherzustellen, dass ein Unternehmen für Mobilität und nicht für stationäre Fahrzeuge zahlt. Eine Flotte aus geleasten oder finanzierten Fahrzeugen eignet sich gut für diejenigen, die bei ihrer Arbeit stark auf Autos angewiesen sind. Jedes Fahrzeug, das nicht voll ausgelastet ist, kann jedoch zu höheren Gesamtkosten führen.

Durch die Einführung und Integration von Shared-Mobility-Lösungen in den Gesamtmix können diese nicht ausgelasteten Fahrzeuge reduziert werden, was zur Kostensenkung, Reduzierung finanzieller Risiken und Verringerung von Abhängigkeiten beiträgt.

Mobilität ist sehr individuell, sodass für einige Unternehmen ein kombinierter Ansatz von Modellen für ihre Geschäftsreisen sinnvoll sein kann. Wenn man also die Kernbedürfnisse der Reisenden und die Geschäftsziele kennt, können personalisierte ganzheitliche Lösungen Kosteneinsparungen ermöglichen.

 

 

VISION mobility: Welche Angebote hat Enterprise für die Mobilitätsbedürfnisse der Unternehmen? Denkt man da auch über klassische Pkw oder Vans hinaus (Stichwort Bahnticket, ÖPNV, Dienstrad etc.)?

Holler: Wir sind seit über 65 Jahren wir auf Firmenkunden spezialisiert und bieten maßgeschneiderte B2B-Angebote für Kurz- und Langzeitmiete sowie für Corporate Carsharing. Wir analysieren detailliert und beraten unsere Firmenkunden, wie sie ihren Fuhrpark und ihr Geschäftsreisemanagement durch den Einsatz von Mietwagen optimieren können.

Darüber hinaus bietet unser flächendeckendes Standortnetz in Städten, an Mobilitätshubs wie Bahnhöfen und Flughäfen sowie in außerstädtischen Gebieten optimalen Zugang und Anschlussfähigkeit an multimodale Konzepte. Enterprise investiert in strategische Partnerschaften, die über Fahrzeuge hinausgehen, um die Zukunft der Mobilität voranzutreiben und den rapiden Entwicklungen im Geschäftsreisesegment gerecht zu werden. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit und der sich ändernden Reisebedürfnisse der Mitarbeitenden bieten Partnerschaften hervorragende Möglichkeiten, integrierte, flexible und effiziente Mobilitätslösungen bereitzustellen, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Ziele zu erreichen. Wir führen Pilot- und Partnerprogramme durch, um integrierte Mobilitätslösungen bereitzustellen. Diese reichen von Corporate-Carsharing-Programmen bis hin zu Mobility-as-a-Service-Anwendungen und Flottenmanagementtechnologien.

VISION mobility: Kann man die Nutzungszahlen der einzelnen Angebote an bestimmten Flottengrößen oder regionalen Gegebenheiten festmachen?

Holler: Corporate Carsharing zum Beispiel gewinnt besonders in Gebieten an Bedeutung, in denen die öffentliche Verkehrsinfrastruktur weniger ausgebaut ist. In solchen Regionen ist die individuelle Mobilität für Unternehmen besonders wichtig, auch weil Mitarbeitende nicht ohne Weiteres auf öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn ausweichen können.

Der Ersatz klassischer Poolfahrzeuge durch Corporate Carsharing ist darüber hinaus eine unternehmensspezifische Entscheidung – unabhängig von der Region oder der Flottengröße. Faktoren wie betrieblicher Mobilitätsbedarf, Nutzungsfrequenz und Kostenoptimierung spielen hier eine entscheidende Rolle.

Grundsätzlich suchen Unternehmen branchenübergreifend nach Möglichkeiten, ihre Mobilitätsprogramme flexibler und nachhaltiger zu gestalten. Dies umfasst sowohl den effizienteren Einsatz von Fahrzeugen als auch eine stärkere Integration von elektrifizierten oder gemeinsam genutzten Mobilitätslösungen. Corporate Carsharing und Langzeitmiete bieten hier jeweils unterschiedliche, aber ergänzende Ansätze.

VISION mobility: Wie wichtig ist für Enterprise das B2B-Geschäft perspektivisch? Kann man in den Flotten aufgrund der steigenden Dokumentations- und Servicepflichten eine Bewegung hin zu (All-in- oder Langzeit-) Mietangeboten beobachten? Und wenn ja, was sind da die größten Treiber?

Holler: Unsere Wurzeln liegen im B2B-Bereich und die Zusammenarbeit mit Firmenkunden ist ein zentraler Bestandteil unseres Geschäfts weltweit. In Deutschland machen Firmenkunden mehr als 70 Prozent unseres Geschäfts aus. Dabei verfolgen wir eine klare Strategie: Unser Geschäftsmodell basiert nicht auf kurzfristigen Profiten, sondern auf langfristigen, vertrauensvollen Partnerschaften. Wir verstehen uns als Mobilitätsberater und strategischer Partner für unsere Geschäftskunden.

Wir beobachten seit Jahren eine steigende Nachfrage nach flexiblen und transparenten Mobilitätslösungen – ein Trend, der sich weiter verstärken wird. Unternehmen suchen nach nachhaltigen, skalierbaren Konzepten, die mit ihrer Weiterentwicklung und den damit steigenden Anforderungen Schritt halten können. Unser Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die nicht nur kurzfristige Bedürfnisse abdecken, sondern unsere Kunden dabei unterstützen, ihre Mobilitätsstrategien langfristig und zukunftssicher zu gestalten.

Ein weiterer Treiber für das Wachstum von B2B-Mietlösungen ist die zunehmende Vernetzung innerhalb des Mobilitätsökosystems. Unternehmen erwarten heute nicht nur Zugang zu Fahrzeugen, sondern nahtlose, integrierte Mobilitätslösungen, die verschiedene Verkehrsträger sinnvoll miteinander verbinden. Wir entwickeln unsere Services kontinuierlich weiter, damit unsere Kunden die Mobilität ihrer Mitarbeitenden effizienter, nachhaltiger und flexibler gestalten können – mit einem klaren Fokus auf langfristige Wertschöpfung statt kurzfristiger Gewinne.

VISION mobility: Wie entwickelt sich die Nachfrage nach rein elektrischen Fahrzeugen und welche Prognose haben Sie für 2025?

Holler: Als Mobilitätsanbieter unterstützen wir die Elektrifizierung und bieten Elektrofahrzeuge an, wenn sie benötigt werden. Wir folgen dabei einem durchdachten und beraterischen Ansatz, der darauf abzielt, die Vorbehalte bezüglich der Reichweite zu verringern und Unternehmen und ihren Mitarbeitenden ein sicheres Gefühl bei der Nutzung von Elektrofahrzeugen zu vermitteln.

Die Elektromobilität ist aus unserer Sicht allerdings eher eine Evolution, keine Revolution. Damit sie erfolgreich ist, muss die Nachfrage von den Verbrauchern gesteuert werden, gleichzeitig muss sich die Infrastruktur weiter verbessern.

Wir arbeiten mit zahlreichen Firmenkunden zusammen, um Elektromobilität für ihre Mitarbeitenden erfahrbar zu machen. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung zu verstehen, was die Nachfrage beeinflusst. Nur so können wir sicherstellen, dass wir unsere Kunden effektiv unterstützen, sei es durch die Bereitstellung von Firmenfahrzeugen für Mitarbeitende, die auf ihren BEV-Firmenwagen warten, oder durch die Bereitstellung eines BEV-Ersatzfahrzeugs im Falle eines Unfalls.

Mit welcher Geschwindigkeit sich das Ganze weiterentwickelt, hängt allerdings von zahlreichen Faktoren ab. Unsere Strategie konzentriert sich weiterhin auf das Kundenerlebnis und die marktgetriebene Entwicklung. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu erwähnen, dass Elektrofahrzeuge nicht die einzige Lösung für eine nachhaltige Mobilität sind. Sie sind zwar ein wichtiger Teil der Lösung, müssen aber zum spezifischen Anwendungsfall passen, damit die Mitarbeitenden sich wohl damit fühlen. Wenn sie als Teil eines ganzheitlichen Mobilitätsplans eingesetzt werden, der auf das Unternehmen zugeschnitten ist, können die Unternehmen davon profitieren.

VISION mobility: Wie wichtig ist für die Kunden hierbei die CO2-Bilanz und wie kann Enterprise hier unterstützen?   

Holler: Emissionen sind natürlich ein großes Thema bei den Firmenkunden. Wir bieten umfangreiche CO2-Reportings und unterstützen die Kunden dabei, den CO2-Ausstoß in Bezug auf ihre Geschäftsreisen und die Fahrzeugflotte zu reduzieren. Das erreichen wir auf der einen Seite mit unserer effizienten Fahrzeugflotte, die aus den neuesten Modellen besteht und alle relevanten Antriebsarten abbildet. Auf der anderen Seite beraten wir unsere Kunden hinsichtlich der Effizienz ihrer Geschäftsreisen und ihrer Fahrzeugflotte und ermöglichen ihnen, umweltfreundlichere Entscheidungen zu treffen.

Mit von Enterprise Mobility entwickelten Anwendungen wie Enterprise Travel Direct (ETD) unterstützen wir Kunden dabei, die kostengünstigsten und notwendigsten Reisen anhand einer maßgeschneiderten Reisehierarchie zu bewerten. Als Shared-Mobility-Anbieter versteht sich Enterprise als Teil eines größeren Ökosystems und ergänzt andere nachhaltige Mobilitätsoptionen wie Bike-Sharing und öffentliche Verkehrsmittel. Unternehmen können ihre Reiserichtlinien in ETD hochladen, um die Transparenz und Einhaltung zu verbessern, während sie gleichzeitig ihren CO2-Ausstoß reduzieren und positive Änderungen beim Mobilitätsverhalten der Mitarbeitenden fördern.

Das Interview führte Gregor Soller