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Digitalisierung im Nahverkehr: Neue Ticketmodelle ohne App und Tarifwissen

Leipzig, Bonn und andere Städte zeigen, wie kontaktlose Zahlung den Zugang zum Nahverkehr erleichtert, Kosten senkt und neue Nutzergruppen erschließt. Eine Übersicht aktueller Lösungen aus dem ÖPNV-Alltag.

Einsteigen per Smartphone: Kontaktloses Bezahlen ermöglicht den schnellen Zugang zum ÖPNV – ohne Ticketkauf am Automaten oder Vorwissen zum Tarif. | Foto: Jonas Leupe via Unsplash
Einsteigen per Smartphone: Kontaktloses Bezahlen ermöglicht den schnellen Zugang zum ÖPNV – ohne Ticketkauf am Automaten oder Vorwissen zum Tarif. | Foto: Jonas Leupe via Unsplash

Die Nutzung bargeldloser Zahlungssysteme im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) gilt zunehmend als Schlüssel zur Vereinfachung des Fahrgastzugangs und zur Effizienzsteigerung auf Seiten der Verkehrsunternehmen. In der TAF-Webinarreihe „Öffis go multimodal“ präsentierten Vertreter:innen aus Praxis und Industrie verschiedene Ansätze für den Einsatz kontaktloser Zahlungstechnologien im ÖPNV.

Ein internationales Beispiel stellte Andreas Bieniok vor: In zahlreichen Metropolen weltweit werden kontaktlose EMV-Zahlkarten – physisch oder digital im Wallet – als direkt nutzbare Fahrberechtigung akzeptiert. Der Fahrgast „tappt“ beim Einstieg ohne vorherige Registrierung, App oder Tarifkenntnis. Die Preisberechnung erfolgt automatisiert im Hintergrund. Die Verkehrsunternehmen profitieren von geringeren Aufwänden im Ticketvertrieb, während gleichzeitig anonymisierte Fahrdaten zur Angebotsplanung genutzt werden können. Ein Datenschutzkonzept sorgt dafür, dass keine personenbezogenen Bewegungsdaten gespeichert werden.

BONNsmart: ID-basiertes Ticketing seit 2019

Oliver Stuch von der Stadtwerke Bonn Verkehrs-GmbH (SWB) stellte das Projekt BONNsmart vor, das bereits vor fünf Jahren umgesetzt wurde. Die Bonner waren damit Vorreiter in Deutschland beim Einsatz eines ID-basierten Ticketings. Fahrgäste nutzen beim Einstieg ihre kontaktlose Kreditkarte oder andere NFC-fähige Medien. Der Fahrpreis wird auf Basis der tatsächlichen Nutzung und nach dem Bestpreisprinzip berechnet. Das System richtet sich insbesondere an Gelegenheitsnutzer:innen, Tourist:innen oder Kongressteilnehmende. Für die SWB resultieren daraus unter anderem geringere Bargeldverarbeitung, kürzere Haltezeiten und niedrigere Vertriebskosten, trotz anfänglicher Investitionskosten.

LeipzigMOVE: App-gestütztes Check-in/Check-out

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis präsentierte Sophia Köpping von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB). Seit April 2025 ermöglicht die App LeipzigMOVE ein digitales Check-in/Check-out-System. Fahrgäste checken sich über das Smartphone ein und erhalten am Ende des Tages automatisch den günstigsten Preis. Die App wurde bewusst benutzerfreundlich gestaltet, im Hintergrund arbeiten verschiedene Partner an Datenverarbeitung, Tariflogik und Preisberechnung. Perspektivisch ist die Integration weiterer Funktionen wie Be-Out, Mitnahmeoptionen und zusätzliche Bezahlmöglichkeiten geplant. Für die LVB bedeutet das Projekt eine Ausweitung des digitalen Vertriebs sowie den Zugang zu neuen Kundengruppen.

Plattformlösungen für integrierte Mobilität

Sylvia Lier thematisierte die Rolle cloudbasierter Plattformlösungen. Diese ermöglichen es Verkehrsunternehmen, verschiedene Zugangstechnologien wie Check-In/Be-Out (CiBo), kontaktlose Zahlkarten oder ID-basierte Systeme modular zu kombinieren und in bestehende IT-Infrastrukturen zu integrieren. Die Plattformlösung der TAF Mobilitätsplattform etwa erlaubt die durchgängige Nutzung einer App – verkehrsmittel- und regionsübergreifend. Verkehrsunternehmen profitieren von beschleunigter Entwicklung neuer Funktionen, Standardisierung und reduzierter technischer Komplexität.

Fokus auf einfache Nutzung und Systemintegration

Allen vorgestellten Ansätzen gemeinsam ist die konsequente Ausrichtung auf einfache, intuitive Nutzung und die Reduktion technischer Hürden für Fahrgäste. Bargeldloses Bezahlen wird dabei als zentrales Element einer zukunftsfähigen, multimodalen Mobilität verstanden. Die Webinarreihe „Öffis go multimodal“ bietet eine Plattform für den Austausch über diese Entwicklungen und unterstützt Verkehrsunternehmen bei der strategischen Weiterentwicklung ihres Angebots.

Die Webinarreihe und aktuelle Termine sind auf der Webseite von TAF mobile GmbH aufrufbar.