BUS

Deutschland-Ticket ersetzt bis zu 16 % der Autofahrten

Erstmals gibt es Antwort auf die entscheidende Frage, ob das Deutschland-Ticket Autofahrten ersetzt oder nur zusätzliche Freizeitfahrten verursacht. 

Bringt doch was: Das Deutschland-Ticket hat laut einer neuen PIK-Studie durchaus Umsteigewirkung auf Autofahrer. | Foto: dpa/Hannes P. Albert
Bringt doch was: Das Deutschland-Ticket hat laut einer neuen PIK-Studie durchaus Umsteigewirkung auf Autofahrer. | Foto: dpa/Hannes P. Albert

Dass Bus und Bahn seit Einführung des Deutschland-Tickets boomen, ist weitgehend klar. Aber ob das vergünstigte Angebot auch Umsteige- und damit Klimawirkung entfaltet, das war bisher nicht deutlich geworden. Dabei handelt es sich um die entscheidende Frage, will man über die Effizienz der staatlichen Incentivierung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs urteilen. Der Marktforscher Andreas Krämer hat sich mit Wissenschaftlern des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) für eine Studie zusammengetan und nicht zuletzt diese zentrale Frage beantwortet. Von 12 bis 16 % aller Fahrten mit dem Deutschland-Ticket seien ersetzte Autofahrten, eine Zahl, die sich sehen lassen kann. Umgekehrt sei der Anteil der Fahrten, die überhaupt durch das Ticket erst verursacht wurden, marginal, stellen die Wissenschaftler fest.

"Das Ticket ist viel besser als sein Ruf. Der positive Effekt wird allgemein unterschätzt", lautet Krämers Urteil.

Von den 100 Fahrten würden also bis zu 16 % sonst mit dem Auto unternommen, der Rest zu Fuß, mit dem Rad, in Fernzügen oder Fernbussen.

Dabei war der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) noch im Frühjahr 2024 zu einem deutlich negativeren Ergebnis gekommen und VDV-Chef Ingo Wortmann hatte geurteilt, das Ticket habe es bisher nicht geschafft, mehr Menschen vom Auto in den ÖPNV zu holen. Es gelinge nicht, echte "Systemeinsteiger" zu überzeugen. Im Gegenteil würden Leute zu Fahrten animiert, die sie sonst nicht unternommen hätten.

Das hält Krämer nun für falsch und mit den neuesten Daten widerlegt. Ausgewertet wurden Mobilfunk- und Autobewegungsdaten, mit denen die realen Bewegungen der Deutschen analysiert werden konnten. Laut Studie sind es vor allem früher sporadische ÖPNV-Nutzer, die jetzt zu Abonennten wurden, nicht komplette Systemeinsteiger. Der VDV bleibt weiter skeptisch. Gegenüber Spiegel Online insistierte ein Sprecher auf der eigenen Analyse und verwies auf Kritik an der PIK-Methodik.

Die rechnen den Klimaeffekt des Tickets auf 4,2 bis 6,5 Mio. t CO2 hoch, di eeingespart werden konnten. Das wäre laut Spiegel in etwa das Zwei- bis Dreifache des Werts, den ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen bringen könnte. Das Ticket alleine wird es nicht rausreißen. Aber wenn man die Maßnahmen zusammennimmt und etliche weitere ergänzt, könnte das dem chronisch säumigen Verkehrssektor doch noch in Richtung der Erfüllung seiner Klimaziele helfen.