PKW

China-Marken nutzen Zoll-Schlupfloch und forcieren Verbrenner

Nachdem E-Autos aus China in der EU mit hohen Zöllen belegt sind, zeigen die China-Marken wie BYD, MG, Leapmotor oder Chery, dass sie auch bei Verbrennern auf Augenhöhe operieren und forcieren den Import günstiger PHEV- und HEV-Modelle.

Von wegen Nichtraucher: MG hat als eine der ersten China-Marken auf die E-Flaute in Europa und die Zölle der EU reagiert und mit dem MG3 einen Verbrenner-Hybriden auf den Markt gebracht, der sich recht gut verkauft. | Foto: MG Motor
Von wegen Nichtraucher: MG hat als eine der ersten China-Marken auf die E-Flaute in Europa und die Zölle der EU reagiert und mit dem MG3 einen Verbrenner-Hybriden auf den Markt gebracht, der sich recht gut verkauft. | Foto: MG Motor

Während sich chinesische Marken mit dem Absatz von E-Autos, von Ausnahmen wie MG abgesehen, bisher schwer tun, boomt jetzt offenbar der Import und Absatz von Verbrennermodellen. Das legt eine Auswertung nahe, die der Automobildatenspezialist Dataforce erhoben hat und aus der Spiegel Online berichtet. Demnach wurden in den 27 EU-Ländern allein in den ersten drei Monaten des Jahres 103.000 Neufahrzeuge verkauft, drei Viertel davon Verbrennermodelle. Auch auf diesem, einst von den europäischen und speziell deutschen Herstellern dominierten Feld holen die China-Marken also stark auf. Teils haben Hersteller wie Mercedes sogar die Produktion und sogar Entwicklung von Verbrennermotoren längst nach China ausgelagert, zum Partner Geely. Der wiederum setzt speziell bei seiner schwedischen Tochter Volvo noch auf Benzin-Hybrid-Modelle, während Polestar oder Zeekr den Switch ins reine Elektrozeitalter bereits vollzogen haben - für ihren Mut bisher aber nicht belohnt werden. 

Allerdings ist hier generell nix fix und die Reaktion der China-Hersteller auf Marktentwicklungen oder in diesem Fall eher Marktstockungen im Elektrohochlauf immer rasant, wie das Beispiel von MG, Tochter des erfolgreichen China-Staatskonzerns SAIC zeigt: Der neue MG3 kommt nicht elektrisch, sondern als Hybrid-Modell und erfreut sich ordentlicher Nachfrage. Auch der Newcomer mit Stellantis-Anbindung Leapmotor rudert vom reinen Elektrokurs leicht zurück und bringt das Mittelklasse SUV-Modell C10 jetzt auch als sogenannten REEV, Range Extendet Electric Vehicle, mit Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer des bis zu 100 Kilometer rein elektrisch fahrenden SUV. 

Die Chinesen bauen jetzt auch gute Verbrenner

Chinas Fabriken jedenfalls haben genug Kapazität, um jährlich 40 Millionen Autos zu bauen, die aber allenfalls noch zur Hälfte im eigenen Land absetzbar sind. Umso wichtiger sind da neue Märkte als Ventil, wie etwa Europa, das allerdings zum 31. Oktober Zölle auf chinesiche E-Autos einzog, die zu den bisherigen 10 Prozent noch 7,8 bis 35,3 Prozent oben drauf setzten. Das sollte die hohen Subventionen der chinesischen Staatsregierung für ihre E-Autohersteller kompensieren, die zu Preisvorteilen von etwa 10.000 Euro sorgten. Nicht von den Zöllen betroffen sind jedoch Verbrenner und Hybride.  
 

Bei MG schrumpft der Elektroanteil auf unter 50 Prozent

Die einst britische Marke MG, jetzt unter dem Dach von Geely, setzte als erfolgreichste Marke aus dem Reich der Mitte 21.000 Fahrzeuge in 2024 am deutschen Markt ab, davon 14.370 reine Stromer. Die ersten vier Monate 2025 kamen 7.245 Exemplare davo, mit 3.225 nicht mal die Hälfte BEV. Der E-Anteil schrumpfte damit von 68 Prozent in 2024 auf 44 Prozent (Jan-April 2025), die Hybride der Marke legten stark zu. Auch BYD war eigentlich elektrisch gestartet, schiebt aber mit dem Seal U erstmals auch einen Plug-in-Hybriden nach, dem zwei weitere PHEV folgen sollen. Chery wiederum, die in diesem Jahr noch durchstarten wollen, kündigten zwei SUV-Reihen an, hier sogar mit reinem Benziner und Benzin-Hybrid - der eine Stromer ist da fast schon die Ausnahme.

Chance für Europa - schneller auf Elektro switchen

Aus Sicht der Umweltdachorganisation T&E liegt in der Verbrenneroffensive der Chinesen für die Europäer die Chance, in der aktuellen Flaute bei den reinen China-Stromern schneller auf elektrisch umzustellen und "erschwingliche E-Autos für den Massenmarkt zu bringen", wie Geschäftsführer Sebastian Bock gegenüber Spiegel Online postulierte. Fraglich, ob sie die richtigen Schlüsse aus der Situation ziehen. Sonst müssen sie sich am Ende auch noch in ihrem Stammrevier von Chinesen überholen lassen. Aber es gibt Anzeichen für europäischen Optimismus: Modelle wie der R4 oder R5 von Renault, das Stellantis-Projekt rund um den Citroen C3 und Fiat Panda oder auch die Aussicht auf einen VW ID.2 und ID.1 zeigen, dass man die Europäer nicht abschreiben sollte.