PKW

Chery: Nach Spanien auch Montage in Deutschland?

In Spanien übernahm Chery bereits ein Ex-Nissan-Werk der einstigen Marke Ebro. In Deutschland könnte Chery an einem VW-Werk interessiert sein. In der Gerüchteküche spricht man von Dresden oder Osnabrück.

In China hat Chery eine weitere Marke enthüllt: Lepas. Mit ihr will man im günstigen Segment angreifen. | Foto: Chery
In China hat Chery eine weitere Marke enthüllt: Lepas. Mit ihr will man im günstigen Segment angreifen. | Foto: Chery

In der ehemaligen Nissan-Fabrik in Barcelona, die Chery gemeinsam mit dem Partner respektive der einstigen spanischen Lkw-Marke Ebro betreibt, läuft die Fertigung von Plug-in-Hybrid-SUVs der Tiggo-Reihe sowie Modellen der Marken Omoda und Jaecoo an – vorerst im Semi-Knocked-Down-Verfahren. Heißt: Vorgefertigte Karosserien aus China samt Interieur werden vor Ort montiert, Antriebsstrang, Achsen und Räder kommen in Spanien hinzu. Die Kapazitäten dort sind beachtlich – 200.000 Fahrzeuge pro Jahr wären möglich, und laut Chery soll die Produktion bis Ende 2025 vollständig hochgefahren sein.

Es soll sehr konkrete Gespräche mit der Violkswagen-Gruppe geben

Trotzdem plant Chery offenbar den nächsten großen Schritt: den Aufbau einer lokalen Fahrzeugproduktion in Deutschland – und zwar möglicherweise direkt in einem Werk des Volkswagen-Konzerns. Wie Automotive News unter Berufung auf Insider berichtet, steht Chery kurz vor Vertragsabschluss. Offiziell bestätigt das Unternehmen lediglich laufende Gespräche über eine deutsche Fertigung, vermeidet jedoch konkrete Namen.

Mit der Marke Lepas zielt man auf das preisgünstige Segment

Klar ist: Es geht um die neue Volumenmarke Lepas, deren Fahrzeuge ab 2026 auch in Deutschland vom Band rollen könnten. Zielgruppe sind preisbewusste Käufer – der Vergleich mit Renaults Marke Dacia kommt nicht von ungefähr. Die Modelle bauen auf Cherys Tiggo-SUVs auf und sollen als Lepas L4, L6 (beides Kompakt-SUVs) sowie als Mittelklassemodell Lepas L8 auf den Markt kommen – jeweils als Verbrenner, Plug-in-Hybrid oder rein elektrisch.

Die Entscheidung über das „wo“ ist allerdings noch nicht gefallen. Favorisiert werden offenbar bestehende VW-Standorte wie Osnabrück oder Dresden. In beiden Werken sucht Volkswagen aktuell nach neuen Nutzungskonzepten. Osnabrück punktet mit größerer Fertigungskapazität, während in der Gläsernen Manufaktur in Dresden aktuell nur rund 6.000 ID.3 pro Jahr als „Überlauf“ respektive für die „Show“ montiert werden. Chery-Vizepräsident Charlie Zhang äußerte sich allerdings kritisch zur Komplexität des deutschen Marktes – bei Kosten, Lieferketten, Gewerkschaften und regulatorischen Hürden gebe es noch viele offene Fragen.

Ein mögliches Motiv hinter der geplanten Lokalisierung: Sonderzölle. Fahrzeuge aus chinesischer Produktion unterliegen in der EU aktuell Einfuhrzöllen – insbesondere bei Elektroautos. Eine Produktion innerhalb Europas könnte Chery nicht nur helfen, diese zu umgehen, sondern auch politisch Vertrauen schaffen. Bereits jetzt prüft das Unternehmen, bei Elektroautos von Omoda und Jaecoo die Lokalisierungsquote zu erhöhen. Zhand erklärte:

„Unser Ziel ist ein nicht-chinesischer Anteil von mindestens 50 Prozent.“

Denkbar sei auch, Batterien aus Drittländern zu beziehen. Parallel dazu plant Chery die Expansion seiner Vertriebsaktivitäten. Während Fahrzeuge von Jaecoo und Omoda derzeit in sieben europäischen Märkten erhältlich sind, sollen es noch 2025 ganze 19 Länder sein – darunter auch Deutschland und Frankreich. Für den deutschen Markt visiert Chery dabei eine schnelle Skalierung an: Über 100 Händler sollen bereits Ende kommenden Jahres unter Vertrag stehen.

Zhang Guibing, Präsident von Chery International, kündigte an, dass Lepas innerhalb von drei Jahren fünf Modelle auf den Markt bringen wird. Die Produkteinführung beginnt mit dem SUV L8, der im Dezember 2025 auf den Markt kommt, gefolgt von der A-class urban L6, die sich an die Großstadtelite richtet, und der agilen A0-class L4, die für „stilbewusste Fahrerinnen und Fahrer“ konzipiert ist. Die neue Marke soll auch die globale Marktexpansion durch diversifizierte Strategien vorantreiben. Geplant ist ein weltweites Netz von 1.200 Verkaufsstellen sowie ein jährliches Produktions- und Verkaufsvolumen von 500.000 Einheiten.

Was bedeutet das?

Chery gehört definitiv zu den am langsamsten startenden Unternehmen in Deutschland – nach vielen Ankündigungen passierte nämlich bisher noch genau gar nix. Das soll sich jetzt ändern, man ist wohl in Gesprächen mit VW. Man darf gespannt sein, ob es dann 2025 noch klappt – und ob man sich mit dann gleich drei unbekannten Marken einen Gefallen tut.

Quellen: Chery, electrive.net, PR-Newswire