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CAR IT 2025: Wir haben noch kein Spaltmaß für Software!

Ingolstadt liegt nahe dem Mittelpunkt Bayerns und der deutschen Car-IT-Branche, die in Stuttgart, München und ebendort ihre großen Player hat. Im Schwerpunktthema „The Era of softwaredefined vehicles“ gab es viel Spannendes, aber auch Nachdenkliches.

Beeindruckend: das Chart, wie sich die (nötige) Rechenpower entwickelt hat. | Foto: G. Soller
Beeindruckend: das Chart, wie sich die (nötige) Rechenpower entwickelt hat. | Foto: G. Soller

Das „SDV“, das softwaredefinierte Fahrzeug ist in aller Munde. Erst Recht unter den Profis auf dem CAR IT Gipfel in Ingolstadt. Neben vielen Details und Ideen, wie man das besser, billiger und schneller umsetzen kann, gab es auch viele warnende Untertöne. Denn, was vielen nicht klar ist: das SDV wird es nicht umsonst geben, im Gegenteil, es könnte sogar verdammt teuer werden, wie Rinat Asmus Vice President SDV, Tata Technologies auf dem Gipfel erklärte. Und zwar dann, wenn man jegliche Services in eine Cloud ablege, denn die müsse bezahlt werden. Denn jede Anfrage, die ein Nutzer zum Beispiel über Chat GPT ans Auto stellt, das hier mit einer Cloud arbeitet, muss vom Autohersteller bezahlt werden. Klar kann man da ein Abomodell draus machen, aber gerade Kunden von deutschen Premiumprodukten, die ohnehin schon 70.000 Euro oder 700 Euro monatlich und mehr für ihr Fahrzeug bezahlen, wollen dann nicht nochmal 70 Euro für Software dazulegen.

Zumal die Komplexität der Software ohnehin schon immer weiter ansteigt, oder wie es der Mitarbeiter eines OEMs uns in der Pause erklärte:

„Es gibt Nichts, was wir nicht mit Komplexität überladen könnten.“

Es folgte Hans Adlkofer, Senior Vice President, Automotive Systems in the Automotive division bei Infineon Technologies AG, der einmal aufzeigte, um wie viel die benötigte Rechenleistung im Auto in den letzten Jahren stieg: Die CPU-Performance ums 37-fache, die Grafikleistung gar ums 39-fache, aber auch die Speichergröße ums Achtfache. Sodass wir dort, wo wir einst mit sieben(!) Watt Rechnerleistung im Auto hinkamen, heute eher 500 Watt bereitstellen müssen, was natürlich gerade beim BEV kontraproduktiv ist! Weshalb er dafür plädiert, an der intelligenten Verteilung der Power im Auto zu arbeiten, „denn wir brauchen nicht immer Alles (an Rechenleistung) überall.“

Interessant war auch die Tatsache, dass das Auto nie Innovationsbringer in Sachen Cybersecurity war. Auch hier brauche es neue Wege, indem man die dortigen Vorreiter kopiere und neue holistische Ansätze nütze, denn sonst würde das SDV laut Adlkofer in Summe „sehr teuer“….

Einen spannenden Exkurs in die Welt der Chips fuhr Adar Segal, SVP, Head of Automotive Sales and Business Development bei Valens, der eklärte, dass die Connectivity verstärkt integriert würde – bei Sony zum Beispiel in den Kamerasensor. Und auch er hatte eine Zahl für die nötige Rechenleistung dabei: Statt 150 Mb pro Sekunde bräuchte es Stand heute eher 16 Gb pro Sekunde – es braucht also mehr Rechenleistung. Der Idee, mit weiteren Softwareentwicklern den „China-Speed“ aufzuholen, erteilte er eine Absage: Zu viele Entwickler seien dort quer und vertikal integriert an neuen Themen dran, die Chance Europas läge seiner Meinung nach eher in der Innovationskraft und freien Ideen.

 

 

Die Effizienz der „Softwareproduktion“ hat noch viel Potenzial!

Die müssen aber auch kommen und da stellte Dr. Johannes Bohnet, CEO and Co-Founder, Seerene, der europäischen IT ein schlechtes Zeugnis aus: Denn über alle Branchen hinweg konnte er beobachten, dass man die 75% effizienter (!) organisieren könne. Die Effizienz der Softwareproduktion entspräche dem Stand der frühen 1980er Jahre in der Hardwareproduktion, erklärte er, denn Software sei ein Dauerprojekt ohne Anfang und Ende und könne schlecht nach Effizienz bewertet werden, was sie so ineffizient mache. Oft werden Abläufe dann mehrfach geprüft oder Entwicklungsstäbe entwickelten parallel gleiche Probleme, auf die sie im Laufe ihrer Arbeit stießen. KI soll nun helfen, hier gleiche oder zu umständliche Prozesse zu erkennen und zu verschlanken. Was übrigens sein Nachredner, Dr. Matthias Burger, Cross-Domain Computing Solutions, Engineering Business Excellence bei Bosch aus der Praxis bestätigt:

„Die Integration der Software ist der Punkt, wo Ineffizienz entsteht.“

Weshalb man just diese bei Bosch optimiere und mittlerweile eben auch bei der Software „Lean Production Prozesse“ wie bei der Hardware fahre. Oder wie Bohnet erklärt: Auch die Entwicklung der Software muss als Produktionsprozess wie in einer Fabrik gesehen werden! Nur dass wir die „Fabriken“ eben nicht sehen…

Hier stimmt ihm Adlkofer zu – denn Software sei einfach abstrakt und schwer zu greifen. Er bringt das Dilemma am Ende trotzdem gut - und für Ingolstadt sehr passend - auf den Punkt:

„Wir haben noch kein Spaltmaß für Software.“

Mögen wir es finden und bezahlbar halten!

Was bedeutet das?

Bei CAR IT in Ingolstadt wurde schnell klar: Das Softwaredefined Vehicle kommt, aber nicht kostenlos! Und ja, es besteht die Gefahr, sich hier zu verzetteln, weshalb man künftig umso stärker darauf achten sollte, was wo wie warum gerechnet wird. Wobei KI und Kreativität hier zwei wichtige Hebel sein dürften, das alles zu optimieren.