PKW

BBE Classic-Studie: Beliebt und nachhaltiger als man denkt

Stabiler Markt, Alterung in der Szene, wenig Impact auf die Umwelt: Nur 0,6 Prozent der Fahrleistung entfällt auf Oldtimer. Schwierig ist es bei vielen Marken in Sachen Ersatzteile sowie beim Wissenstransfer in den Werkstätten. 

Wachablösung: Der einstige Käfer-Nachfolger Golf hat auch am Oldtimermarkt mittlerweile den Urahn hinter sich gelassen - und liegt an der Spitze der Oldie-Charts. | Foto: VW
Wachablösung: Der einstige Käfer-Nachfolger Golf hat auch am Oldtimermarkt mittlerweile den Urahn hinter sich gelassen - und liegt an der Spitze der Oldie-Charts. | Foto: VW

82 Prozent der autofahrenden Bevölkerung freuen sich, einen Oldtimer auf der Straße zu sehen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der aktuellen BBE-Classic-Studie, die von Wolk & Nikolic zusammen mit den Verbänden VDA, VDIK, ZDK und zahlreichen weiteren Partnern der Automobilwirtschaft auf dem Frankfurter Messegelände präsentierte wurde.

„Classic Cars sind in der Bevölkerung weiterhin positiv besetzt und auch wirtschaftlich relevant. Oldtimer-Halter investieren rund 90 Cent pro gefahrenem Kilometer allein in den Fahrzeugunterhalt – ohne Steuern und Versicherung“, erklärt Studienautor Gerd Heinemann.

Zudem verwies er im Kontext der aktuellen Transformation auf die Chancen durch die Heritage-Pflege für die traditionellen Hersteller, die sich so gegenüber den neuen Playern aus China profilieren könnten. Darüber hinaus würde mit den nächsten Generationen von Fahrzeugen relativ "saubere" Modelle nachdrängen. Als Risiken sieht man etwa den potenziellen Kraftstoffmangel nach 2040, die EU-Altfahrzeugverordnung, Reparatur und Diagnose von Elektronikteilen und neue Umweltdebatten. 

Umweltbelastung dürfte eher gering sein

Wegen der niedrigen Fahrleistungen von durchschnittlich 2.500 km ist die Umweltbelastung durch historische Fahrzeuge gering, ihre Fahrleistung macht lediglich 0,6 Prozent aller gefahrener Kilometer aus. Typenmäßig hat mittlerweile der Golf den bis 2019 führenden Dauerläufer Käfer abgelöst, gefolgt von Mercedes-Benz W123/W124, VW Bus, 3er-BMW und eben dem Käfer, der noch immer weiterläuft. Ein Pkw wird in Deutschland durchschnittlich über 12.000 Kilometer pro Jahr gefahren. Auch wenn der Zuwachs bei den etwa 1,45 Millionen zugelassenen Oldtimern (Pkw 30 Jahre und älter) im letzten Jahr etwas geringer ausfällt, ist die Branche optimistisch, dass der Markt für Oldtimer und Youngtimer (20 bis 29 Jahre) stabil bleibt. Immerhin gibt es 11,8 Millionen Youngtimer 15 bis 29 Jahre. 

Alles andere als marginal: Hohes Marktpotenzial

Entsprechend sehen die Experten ein alles andere als marginales Marktpotenzial: Bei den Youngtimern taxieren sie das inklusive Wartung, Reparatur, Reifen auf 4,5 Milliarden Euro und bei den Oldies auf 3,5 Milliarden Euro. Ganz billig ist der Betrieb eines Oldtimers freilich nicht: Während für einen normalen Pkw im Schnitt 10 ct/km fällig werden, sind es bei den Klassikern mehr als 90 ct/km, freilich bei deutlich weniger Fahrleistung. 

Und entgegen der gängigen These sind Oldtimer auch keineswegs ein elitäres Hobby, wie die Autoren unterstreichen: Der Durchschnittswert der Fahrzeuge liegt zu 45 Prozent unter 10.000 Euro, zu 50 Prozent 10.000 bis 50.000 Euro und nur sechs Prozent im Bereich Premium. Lediglich 4.300 Fahrzeuge rangieren in der Tabelle im Highend-Bereich oberhalb von 250.000 Euro. 

Positive Einstellung zum Auto

Ganz grundsätzlich fragten die Studienautoren auch die Einstellung zum Auto ab. Demnach legen 68 Prozent noch immer Wert darauf, einen Wagen zu besitzen. Spaß am Autofahren haben schließlich 53 Prozent und als reines Fortbewegungsmittel sehen das Auto 42 Prozent vollständig und 36 Prozent "eher". Klar als Bereicherung und Kulturgut sehen dann 86 Prozent der Befragten die Oldtimer, 82 Prozent freuen sich, einen Oldie zu sehen. Doch selbst einen Oldie anzuschaffen, lehnen dann 69 Prozent ab, nur 19 Prozent ziehen das in Betracht. Für ressourcenschonend halten das 36 Prozent, während 39 Prozent das verneinen. 

Ü60-Party: Szene altert, es kommen aber auch junge Fans nach

Die Studie zeigt aber auch einige Herausforderungen in der Branche. So sind Fahrzeughalter von Old- und Youngtimern im Durchschnitt bereits über 60 Jahre alt. Es kommen mittlerweile aber auch jüngere Fans mit Autos der 1990er und 2000er – Jahre nach. Dadurch wird die Szene jünger und digitaler. Aufmerksamkeit brauchen in Zukunft die Themen Fachkräftemangel und Teileversorgung.

Wie die Befragung von über 2.000 Fahrzeughaltern und mehr als 100 Werkstätten zeigt: Nur bei wenigen Marken gibt es eine wirklich gute Teileversorgung, wie etwa VW, BMW, Porsche opder Mercdes, im Gegensatz zu Opel oder Ford, bei deutlichen Unterschieden im Markt. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, muss vor allem der Wissenstransfer neu organisiert werden, ältere Betriebsinhaber müssen Unternehmensnachfolge und Know How-Erhalt frühzeitig organisieren.

„Der Markt bleibt in den nächsten fünf bis sieben Jahren stabil und verändert sich weiter hin zu preiswerteren Volumenfahrzeugen. Die weitere Entwicklung ist auch abhängig von der politischen Debatte und der Teileversorgung. Die teilweise extrem schlechte Teileversorgung könnte im schlimmsten Fall zu Stilllegungen verschiedener Modelle führen. Hier braucht es neue Lösungen zum Beispiel durch mehr Kooperationen in der Ersatzteilbranche“, fordert Wolk & Nikolic Geschäftsführer Zoran Nikolic.