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Amperfied Dynamic DC: Starke Ansage im DC-Geschäft

Amperfied präsentierte auf der Smarter E die neue modulare DC-Schnellladelösung Amperfied Dynamic DC – die vor allem über den Service punkten soll.

Auf der Smarter E konnte sich Heidelberg-Amperfied über einen vollen Stand freuen. | Foto: G. Soller
Auf der Smarter E konnte sich Heidelberg-Amperfied über einen vollen Stand freuen. | Foto: G. Soller

Die Neuheit war inhaltlich viel größer, der Stand viel kleiner: Die Ladeinfrastruktur-Tochter der Heidelberger Druckmaschinen AG steigt ins DC-Ladegeschäft ein. Und hat dafür auch schon Interessenten vor allem aus dem gewerblichen Bereich. Denn bei en Heidelbergern steht seit je der Service im Fokus, mit dem man auch hier punkten möchte. Bei der Dynamic DC sollen hohe Verfügbarkeit, Effizienz und die dynamische Leistungsverteilung im Fokus des Angebotes stehen. Was uns am Stand auffiel: Für eine DC-Ladesäule baut der Dispenser der Heidelberger sehr schlank und zeitlos, womit der schmale Stand den Hauptvorteil der neuen DC-Lösung indirekt unterstützt.

Amperfied fokussiert sich verstärkt auf Großflotten und Full-Service

Schon auf einer Veranstaltung 2024 äußerte man sich zum Thema Service, der immer wichtiger wird. Und da man einen steigenden Bedarf von Ladeparks, Logistikdepots und Speditionsflotten feststellten, von denen vor allem Letztere für die Lkw DC benötigen, ging man den großen Schritt: Denn eine DC-Säule ist technisch gesehen deutlich komplexer als AC. Auch hier geht es in Richtung Großflotten: Erst jüngst holte Amperfied einen Auftrag vom „Nachbarn“ SAP in Walldorf.

Auch bei der DC-Lösung denken die Heidelberger in mehreren Einheiten, sprich eine Anwendung mit einer zentralen Leistungseinheit, an die bis zu sechs schlanke Dispenser mit je zwei Ladepunkten angeschlossen werden können. Die zentrale Leistungseinheit soll die verfügbare Ladeleistung so steuern, dass die Auslastung des Gesamtsystems optimiert wird – je nach Anzahl und Art der ladenden Fahrzeuge. So will man ungenutzte Kapazitäten vermeiden und preist das Vorteil gegenüber starren Standalone-Lösungen an.

Aktuell bietet man maximal bis zu zwölf Ladepunkte an sechs Dispensern mit je zwei DC-Ladekabeln an. Man könnte theoretisch aber auch mit einem Dispenser starten und dann später erweitern. Schöpft man die sechs Dispenser voll aus, kann an jedem CCS-Anschluss mit bis zu 300 Ampere und 240 kW geladen werden. Geht es um die höchste Einzelleistung, können bis zu acht Ladepunkte mit 500 Ampere und 480 kW versorgt werden – oder eine bedarfsgerechte Mischung aus beidem.

Platzbedarf ist immer ein Thema – hier trennt Ampefried Dispneser und zentrale Leistungseinheit

Ein wichtiger Vorteil: Die Dispenser können mit Abstand von der zentralen Leistungseinheit aufgebaut werden können und sollen dank des oben erwähnten schlanken Designs eine Installation ohne Stellplatzverlust ermöglichen. Die Bedienung erfolgt über ein 15,6 Zoll großes Touch-Display.

 

Beim Betrieb setzt Amperfied auf die eigene Software Pionix BaseCamp. Dieses basiert wiederum auf dem Open-Source-Framework EVerest, das eine breite Kompatibilität und eine kontinuierliche Weiterentwicklung gewährleistet. Darauf baut dann auch das User Interface und weitere anwendungsspezifische Softwarekomponenten auf. Was den Heidelbergern auch bei AC schon wichtig war: Mit Funktionen wie Predictive Maintenance und einem Monitoring sollen Ausfälle frühzeitig erkannt werden, wodurch Ausfälle vermieden und die Uptime-Zeit so hoch wie möglich gehalten werden soll.

Dazu hat man in Heidelberg auch bei den professionellen AC-Lösungen bereits ein Service- und Logistiknetz geschnürt, um sofort reagieren zu können. Unsere Kollegen von Electrive.net konnten mit Amperfied-Geschäftsführer Robin Karpp sprechen, der erklärt hat:

„Am Anfang ging es darum, überhaupt Ladepunkte zu haben. In nächster Konsequenz ging es darum, schneller laden zu können. Und jetzt geht es darum, zuverlässiger laden zu können. Und hier können wir tatsächlich eine Stärke des Heidelberg-Konzerns ausspüren, nämlich industriellen Service, industrielle Verfügbarkeit darstellen zu können. Dass wir Ladeelektronik herstellen können, das ist schon länger der Fall.“

 

Bei der Ersatzteilversorgung profitiert man von den Druckmaschinen

Ein Punkt, den man auch bei der AC-Präsentation 2024 schon betonte. Hier profitiert man wie bei der Herstellung der Platinen nämlich vom Druckmaschinengeschäft: Denen der dafür bereits bestehende Heidelberg-Service kann Ersatzteillogistik, das man laut Krapp bei Bedarf binnen 24 Stunden „an jeden Flecken dieser Erde“ Ersatzteile liefern könne.

Ebenfalls bereits bekannt ist der Vertrieb, der auch Miet- statt Kaufmodelle anbietet: Statt die DC-Systeme zu kaufen, zahlen die Kunden nur, wenn sie tatsächlich Energie verkaufen können – wobei eine DC-Säule im Full-Service dann im Idealfall schon ordentlich Geld erwirtschaften muss, um sich auch für Amperfied zu lohnen. Laut Karpp schaffe man so „gleichgerichtete Interessen“: Heidelberg kümmert sich um die funktionierende Ladeinfrastruktur, die Betreiber um die Auslastung des Ladeparks kümmern. Klar ist: Das senkt das finanzielle Risiko für die Betreiber und, noch wichtiger: Es reduziert die Anfangsinvestitionen. Auch hier denkt man übrigens von der Druckmaschine her: Auch dort verkaufe man laut Karpp „Verfügbarkeiten“. Damit nehme man sich auch selbst den Druck: Wichtiger als reine Stückzahlen seien für Amperfied Kunden für Ladepunkte, die man dann servicen könne. Man braucht für den Return of invest zwar einen längeren Zeitraum, bleibt als Geschäftspartner über Jahre im Boot.

Ein Modell, das laut Karpp wohl auch Logistiker sehr schätzen, da für sie in erster Linie zählt, dass in einem bestimmten Zeitfenster der Akku des Fahrzeugs zuverlässig geladen ist. Denn im B2B-Business der Logistiker rechnet man ausschließlich in Kosten pro Kilometer und pro Minute – weshalb hier jeder Ausfall, auch der der Ladeinfrastruktur überproportional ins Kontor schlägt. Um hier schnell Erfahrungen zu sammeln, baut Amperfied einen eigenen E-Lkw-Charging-Hub auf, mit dem man eigene Erfahrungen sammeln wolle. Electrive.net erklärte Karpp:

 „Ehrlicherweise sind wir reingegangen, um erst einmal Pkw zu versorgen. Dass es jetzt aktuell so eine starke Nachfrage von den Lkw gibt, ist eigentlich ein glücklicher Umstand. Ich würde Stand jetzt sagen, dass wir die ersten Ladeparks mit Serviceversorgungsverträgen im E-Lkw-Bereich umsetzen werden.“

Was bedeutet das?

Die Branche der Ladeinfrastruktur differenziert sich immer stärker aus und braucht dazu eigene USPs: Bei Amperfied ist das der Service samt Vertriebsmodell – wo man tatsächlich vom Know-How als Druckmaschinenhersteller profitiert und gerade im B2B-Segment offene Türen einrennt.

Quellen: Amperfied-Pressemitteilung, Electrive.net, Messebesuch am Stand von Amperfied