AvD unterstützt Mittelstädte bei Forderung nach eigenem Kfz-Kennzeichen
Mehr als 70 deutsche Mittelstädte mit über 20.000 Einwohnern haben sich in einem gemeinsamen Brief an die Landesverkehrsministerien in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen gewandt. Ihr Ziel: ein eigenes Kfz-Kennzeichen als Ausdruck regionaler Identität und als Instrument für das Stadtmarketing.
Unter den Unterzeichnern sind die Bürgermeister von Rheine (80.000 Einwohner), Sindelfingen (65.000), Bad Vilbel (36.000) und Herzogenaurach (26.000).
Bürgerbefragungen mit deutlichen Ergebnissen
Dass die Idee auf Zustimmung stößt, zeigen Umfragen in mehreren Städten:
-
Königsbrunn (28.000 Einwohner): rund 60 % für ein eigenes Kennzeichen
-
Baunatal (29.000 Einwohner): rund 72 % Zustimmung
-
Vreden (24.000 Einwohner): rund 82 % Zustimmung
Umsetzung über Bundesrat erforderlich
Rechtlich führt der Weg über einen Antrag auf Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung. Dieser muss zunächst von den Landesministerien eingebracht und dann im Bundesrat beschlossen werden. Der organisatorische Aufwand gilt als überschaubar. Für die kommunalen Zulassungsstellen wäre lediglich ein Softwareupdate notwendig.
AvD unterstützt die Initiative
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) stellt sich hinter die Forderung der Mittelstädte. Gleichzeitig spricht er sich für klare Grenzen aus: Fantasiebezeichnungen wie in den USA, Dubai oder Neuseeland sollen weiterhin ausgeschlossen bleiben. Auch künftig müsse ein Kennzeichen eine Ortskennung enthalten.
Ursprung der Initiative
Die aktuelle Initiative geht auf einen Vorschlag aus dem Jahr 2023 zurück. Ralf Bochert, Professor für Volkswirtschaftslehre und Destinationsmanagement an der Hochschule Heilbronn, hatte angeregt, dass insgesamt 320 deutsche Mittelstädte mit mehr als 20.000 Einwohnern ein eigenes Kfz-Kennzeichen erhalten könnten.
Was bedeutet das?
Ein eigenes Kennzeichen mag auf den ersten Blick eine emotionale Frage sein, doch es steckt auch praktische Symbolik darin. Städte gewinnen Sichtbarkeit, Bürger ein Stück Identität. Politisch dürfte die Umsetzung machbar sein – technisch ohnehin. Ob der Bundesrat das Anliegen ebenso positiv bewertet wie die Bürgerbefragungen, bleibt jedoch abzuwarten. Klar ist: Nummernschilder sind mehr als Buchstaben und Zahlen – sie transportieren regionale Zugehörigkeit, und genau das wollen die Städte künftig stärker nutzen. (Alina Venediktova)