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VM-Test Tesla Model Y Long Range: Ihr habt die Wahl!

Im Test punktete das Model Y mit bekannten Stärken, merzte teils Schwächen aus – und polarisiert mehr denn je.

Das Model Y blieb raum- und stromeffizient - und polarisiert noch immer. | Foto: G. Soller

Wir haben lange überlegt, ob wir das Model Y überhaupt noch testen sollten: Zu sehr hat Elon Musk unserer Meinung nach mittlerweile den Kurs vom gutmenschlichen „Weltenretter“ mit einer grünen Zukunft, der er vielleicht nie war, geändert, um da einfach noch drüber wegsehen zu können. Und ja, er ist nicht allein Tesla. Und klar, auch die meisten anderen Autohersteller haben mehr oder weniger „Dreck am Stecken“ – wo anfangen, wo aufhören – da kommt man schnell in den Wald… in den bei Grünheide zum Beispiel, wo viele aufrechte und aufrichtige Mitarbeiter das Model Y montieren. Einst ein revolutionäres Produkt, das es nach einem großen Facelift neu zu bewerten gilt, was wir jetzt mal ganz sachlich tun.

Innen nach wie vor ein kleines Raumwunder

Unsere Erwartungshaltung ist ungefähr so: Das Model Y sollte zu den raumeffizientesten und sparsamsten Midsize-CUV zählen und deutlich leiser und komfortabler fahren als das Urmodell. Check! Yes! Tatsächlich kriegt man in den 116-Liter-Frunk und das gigantische Unterfach im Heck wahnsinnig viel Zeug rein, dass der Kofferraum mit 822 bis 2.138 Litern weitere Koffer und Reisetaschen schluckt. Wobei diese Angaben unserer Erfahrung nach „nass ausgelitert“ sind – das heißt, jeder Kubikmilliliter wird hier ins Auto „gepresst“ und gemessen. Aber auch fünf Fahrgäste finden, so nicht alle 1,9 Meter groß und „breit“ sind, gut Platz.

Auf leider unkomfortablen Sitzen mit harten, teils etwas kurzen Kopfstützen. Da hätte Tesla gern mal bei Kia und Co. schauen dürfen, wie man sowas trotzdem preissensitiv machen kann. Auch im Kofferraum: keine Taschenhaken, Steckdosen – irgendwas „Cleveres“, was dem cleveren Gesamtpackage ohne große Mehrkosten gutgetan hätte – schade. Immerhin gibt es fürs Umlegen und Aufstellen der Rücksitzlehnen zwei Taster ganz im Heck und seitlich unten an der Sitzfläche – und ja, das ist clever. Zumal die Lehnen beim Wiederaufrichten die Gurte nicht mitnehmen, sodass man sie anschließend zwischen Rückenlehne und C-Säule wieder rauspfriemeln muss. Es sind Kleinigkeiten wie diese, die wir sehr schätzen! Ebenso wie die Innenraumlänge von bis zu 2,10 Metern, wenn man die Vordersitze ganz nach vorn fährt. Dann kann man im Heck toll schlafen oder beifahrerseitig auch mal was Längeres laden.

Ein ungewöhnlicher Vorteil: Das Model Y lässt sich innen leicht reinigen!

Wir haben das Model Y gleich noch für mehrere Säcke Laub und Äste abfahren „missbraucht“ und beim anschließenden Reinigen/Saugen festgestellt: Das klappt super! Man kann die beiden Kofferraumbodenplatten mit weichem Teppich und die dreifach faltbare Hutablage einfach rausschmeißen und das Model Y perfekt durchsaugen! Es gibt kaum versteckte Ecken oder Überlappungen oder enge Winkel – womit es sich eigentlich auch perfekt als Familienkutsche und Taxi eignet.

Im Fond blickt man durch ein durchgängig verglastes Dach gen Himmel, aber auch hier könnten die Sitze gemütlicher sein, und der kleine Infotainmentschirm fiel bei den Kids durch: „Zu klein, zu weit unten, hat doch jeder ein Handy dabei, da ist der Screen genauso groß“, war das Urteil. Dafür gibt es unter dem Screen einen kleinen Extra-Fußraum für die mittig Sitzenden im Fond – mit dem ebenen Boden gehört das Model Y so zu den besseren Fünfsitzern.

Zudem sollte es auch leiser werden, was die Messwerte bestätigen. Es gehört noch immer nicht zu den absoluten Leisetretern, aber es rasseln keine Steine mehr in den Radhäusern und auch die Wind- und Fahrgeräusche halten sich in Grenzen. Hier hört man ganz klar den Fortschritt, indem man eben nicht mehr so viel hört! Auch die Verarbeitung wurde verfeinert, tatsächlich machten wir mal die Fugenkontrolle: alles sauber, auch innen. Gerade der Übergang von der Tür- zur Spritzwandverkleidung, die hier einen LED-beleuchteten Bogen beschreibt (dessen Farbe man frei und geschmacklich gekonnt einstellen kann), passt perfekt. Auch die sonstigen Innenraumverkleidungen sind beim Testwagen teils simpel, aber sauber gefügt.

Leichtgewicht mit hartem Fahrwerk

Nicht ganz so sauber gelang die Abstimmung des Fahrwerks leider: Das versucht, das ohnehin geringe Leergewicht von 1.988 Kilogramm durch Härte bei Federung UND Dämpfung zu kaschieren, während er im Grenzbereich trotz Heckantrieb einfach über die Conti Contact Sport, in dem Fall eher „Not“-Contact, stumpf geradeaus über die Vorderräder schiebt. Auch sonst greift das ESP sehr plump ein: Wer in einer engen 90-Grad-Kurve aufs Fahrpedal latscht, erntet keinen freudig-kalkulierten Heckschwenk, sondern ein dramatisches Einbremsen via Leistungsentzug. Hier stellen wir nach wie vor fest, dass Fahrwerke in den USA grundsätzlich anders entwickelt werden als in Europa, auch wenn man sie für die Modelle built at Brandenburg nochmal straffer adaptiert.

Es ist ergonomischer Unsinn, alles auf einen Screen zu packen

Kommen wir zur Bedienung im Infotainment: Auch hier zeigt das Auto wieder zwei Gesichter. Grundsätzlich findet man sich in Menüs und Untermenüs schnell zurecht, trotzdem ist es einfach Krampf, wenn man für das Öffnen des Handschuhfachs zweimal tippen muss, wenn die Sprachsteuerung ganz viele Adressen nicht versteht, die Handykopplung mal top und dann wieder allenfalls lala klappt. Und abstrakte Befehle wie „Ich habe Hunger“ werden eher nicht verstanden. Und: Viele Symbole sind fitzelig und reagieren nicht beim ersten „Touch“. Und den Tacho und das Navi hätte man einfach gern vor sich – mittig lenkt das immer ab. Und natürlich bimmelt der Aufmerksamkeits-Assi, wenn man sich mal wieder zu lang mit dem Screen beschäftigen muss.

Nervig ist der Verzicht auf Lenkstockhebel und physische Schalter und Taster, zumal der Blinkerhebel keinen wirklichen „Rast- und Rückstellpunkt“ hat. Gerade auf der Autobahn mit sanften Spurwechseln blinkt man so oft (zu) lang, will man dann zurückstellen, blinkt man in die andere Richtung. Doof, wenn man gerade rechts eingeschert ist, um dann sofort wieder links zu blinken…

Toll: Die kindischen Einstellmöglichkeiten und die automatische Fahrtrichtungswahl

Positiv dagegen die Spiele, nette Gags wie verschiedene Absperrgeräusche und die kindisch vielfach variierbare „Furzerei“ oder dass das Model Y die Gänge automatisch wählt: Stellt man es vor einem Hindernis ab und will ausparken, genügt ein Tipp aufs Bremspedal und es legt den Rückwärtsgang ein. Hält man dann, wechselt es in den Vorwärtsgang und so weiter. Das macht Rangieren extrem angenehm. Außer, die Kameras sind nicht so ganz sicher, wo man als Nächstes hinwill. Auch den Waschstraßen- und Wächtermodus findet man sofort. Ein bisschen zu viel der Überwachung ist jedoch die Innenraumkamera und dass er – bei uns Gott sei Dank nur einmal – einen dezenten Notbremser reinhaute, wo es nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Die Fahrassistenz sonst ist so lala: Hat man starke Rekuperation eingestellt, klappt das auch auf der Autobahn sehr smooth, hat man die Rekuperation „schwach“, muss man viel beibremsen. Grundsätzlich gilt: Wer mit starker Reku fährt, kann auf Landstraßen, die ihm bekannt sind, und in der Stadt eigentlich ohne Bremspedal super entspannt fahren – fast wie im BMW i5 oder i7, die immer die Karten „hinterlegt“ haben und wie von Geisterhand respektive in dem Fall -fuß immer korrekt verzögern, wo nötig. Auf Autobahnen nimmt das Model Y die Rekuperation dann ohnehin deutlich zurück, aber auch hier fährt es sich fein. Wenngleich die Fahrassistenz in Europa noch einen großen Respektabstand zu den deutschen Premiums hält und ein „autonomes Ausliefern“ wie in Texas noch völlig undenkbar erscheint. Dort fuhr schon mal ein Model Y vom Werk mehrere zig Meilen autonom direkt zum Kunden!

Man wird im leiseren Model Y deutlich störgeräuschempfindlicher

Auch die Klimatisierung via Screen ist immer fummeliger und im heißen Sommer eher schwächer als nötig. Zumal das Gebläse schon ab Stufe zwei laut ist und ab Stufe drei nervt – es gibt aber neun Stufen! Und weil wir schon bei Störgeräuschen sind: Wenn man weitere Strecken mit Ladeplanung fährt, hört man auch am leisen Sirren, wann der Brandenburger die Vorkonditionierung seines Akkus startet.

Ladeplanung samt Plug-and-Charge: Klappt (fast) immer perfekt!

Die Ladeplanung selbst und vor allem die Ladezeiten sind fein, wenngleich auch das Model Y einmal einen Ladestart am Supercharger verweigerte – warum auch immer. Aber wenn es lädt, dann zügig: Selbst bei 75 % SOC zieht es an den „alten Chargern“ noch mit 61 kW. Den Hub von 48 auf 80 % schafften wir in 24 Minuten… wenn statt der Prozentzahl immer die exakte Restreichweite angezeigt würde, wäre es noch netter. So oder so: Das Laden am Supercharger, hat man das Auto einmal registriert, klappt in der Regel immer sehr gut: Einstecken, kurz warten, bis Charger und Model Y gepairt sind, und es geht los! Und: Man findet diese an vielen brauchbaren Standorten immer in ausreichender Zahl mit meist fairen Ladetarifen. Wie viel man für welches Geld geladen hat, wird einem ganz komfortabel im Auto angezeigt.

Am Ende bleibt ein durchwachsenes Bild: Ja, das Model Y gehört nach wie vor zu den energie- und raumeffizientesten Midsize-SUV auf dem Markt. Mit jeder Menge Punch ist die Long-Range-Version mit 77-kWh-NMC-Akku und 255 kW (das sind 347 PS) für nicht so günstige 499 Euro (bei 2.100 Euro Anzahlung) im Monat oder vergleichsweise günstige 50.970 Euro zu haben, womit er dezent über dem Basis-Škoda Enyaq 85 mit 210 kW startet, der im VM-Test im Sommer 2024 auch nur 16,91 kWh/100 km brauchte. Womit neben dem VW ID.4/5 gleich der härteste Konkurrent genannt wäre. Dass der Tesla pro Kilometer deutlich teurer kommt als der Tscheche, liegt vor allem an den höheren Leasing- und Versicherungsraten.

Auch hier gibt es zweigeteilte Aussagen: Die einen freuen sich, dass ihr Model Y seit Jahren problemlos und sparsam zu fairen Tarifen läuft, andere beklagen sich über ständige Ausfälle, einen unterirdischen Tesla-Service und vergleichsweise hohe Tarife für Flotten. Aber: Das Ganze haben wir auch schon genau umgekehrt gehört – hängt in der Praxis tatsächlich viel vom Auto und dem jeweiligen Betrieb ab.

Was bedeutet das?

Am Ende ist klar: Der ganz große Vorsprung ist dahin, aber das Model Y ist durchaus up-to-date! So, dass es jedem selbst überlassen ist, alle Vor- und Nachteile selbst abzuwägen und in Ruhe mit dem Händler vor Ort zu diskutieren. Dass der Tesla-Absatz weltweit derart einbricht, hat also ganz klar NICHTS mit dem Produkt zu tun!

 

Tesla Model Y Long Range (2025) in Daten und Zahlen:

Abmessungen:

L x B x H: 4.790 x 2.129 (m. Spiegeln) x 1.624 mm

Radstand: 2.890 mm

Kofferraumvolumen: ab 822 – 2.138 l + 116-l-Frunk

perm. err. Synchronmotor hinten

Fahrwerk: McPherson-Vorderachse, Multilink-Hinterachse

Max. Leistung kW (PS): bis zu 255 kW (347 PS)

Max. Drehmoment: 350 Nm

Messwerte:

0-60/80/100 km/h: 3,4/4,6/5,8 sek.

50-80/80-120 km/h: 2,1/3,3 sek.

Geräusch 30/50/60/80/100/120 km/h: 49,3/51,2/52,3/54,4/57,8/59,6 db(A)

Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h (Tachoanzeige: 206 km/h)

Verbrauch nach WLTP: 14,2 kWh/100 km

Testverbrauch:

Stadt: 14,72 kWh/100 km (7,8 g CO2)

Land: 13,42 kWh/100 km (7,1 g CO2)

BAB: 17,99 kWh/100 km (9,5 g CO2)

Gesamt: 16,33 kWh/100 km (8,6 g CO2)

Kosten: 0,57 Euro/km

Reale Reichweite im Test: 471 km

Ladezeiten 77-kWh-Akku:

2,3 kW AC: ca. 33 h 30 min.

11 kW AC: ca. 7 h

250 kW DC 10 - 80%: ca. 30 min.

Leergewicht (m. 80-kg-Fahrer): 1.988 kg

Zuladung: 433 kg

Anhängelast ungebr./gebr.: 750 / 1.600 kg

Wendekreisdurchmesser: 12,1 m

Grundpreis: ab 50.970 Euro brutto (42.831,93 Euro netto)