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VM-Fahrbericht Volvo XC60 T8: Ab in die Verlängerung!

Sein Spiel ist noch lange nicht aus: Der XC60 ist Volvos absoluter Topspieler: Nach dem XC90 durfte auch er zum Schönheitsdoc und erhielt ein dezentes Facelift. Wir konnten in Schweden erste Testrunden drehen und entdeckten nachts neue XC-60-Talente als Camper!

Immer noch ein schöner Rücken: Der XC60 erhielt für den 2026er Jahrgang ein Facelift. | Foto: D. Loof/Volvo

Er spielte ganz groß auf: Mit bisher 2,7 Millionen Einheiten in zwei Generationen ist der XC60 der absolute Topspieler der Marke Volvo: Keine Baureihe verkaufte sich je besser! Eigentlich hätte er jetzt aus dem Kader zugunsten des elektrischen EX60 verabschiedet werden sollen, aber da viele ihn nach wie vor toll finden, darf er in die Verlängerung – muss bei seiner „Gage“ allerdings dezente Abstriche machen.

Am Grill erkennt man den Neuen sofort

Auch den „neuen“ XC60 erkennt man auf den ersten Blick am besten von vorn am „schräggegitterten“ Grill. Auch er erhielt als Plug-in einen größeren, jetzt 14,7 kWh bietenden Akku und einen größeren Zentralscreen fürs Infotainment – aber leider keine größere Ladeleistung in Form einer HPC-Buchse. „Brauchen die Kunden, die meist zu Hause laden nicht wirklich“ erklärte man uns auf Nachfrage, die Realität geht eher so: Schon der neue Akku kostete massiv Budget, das ganz ursprünglich so gar nicht eingeplant war. Ein HPC-Ladeanschluss hätte das extra frei gemachte Lifting-Budget beim Schönheitschirurgen dann doch massiv überspannt! Noch schlimmer: Er nuckelt AC maximal mit müden 6,4 kW. Zumal er leistungsseitig stark aufspielt im Falle des T8 mit verbrennerseitigen 228 kW (310 PS) und elektrischen 107 kW (145 PS).

Ganz theoretisch wären vierstellige Reichweiten drin

Schade, denn immer mehr öffentliche Stellen bauen HPC aus und für Trainingseinheit auf dem Sportplatz oder einen Einkauf im Puma-Outlet wären 40 bis 50 kW DC-Ladeleistung perfekt, um wieder weiter elektrisch aufzuspielen…und auf Langstrecken könnte man seine CO2-Bilanz so erheblich schönen…denn immerhin sind jetzt nach WLTP zwischen 65 und 80 km rein elektrisch drin. Und wer wie wir in Schweden rumtrödelt, kann da sogar noch ein paar Kilometer draufpacken. Und wenn man nur von See zu See bummelt, kriegt man so auch den Verbrenner auf über 1.000 km Reichweite, sofern man immer brav lädt. Real muss man auf Langstrecken je nach Ladelust allerdings eher mit rund acht bis neun Litern plus irgendwas zwischen fünf und zehn kWh/100km Verbrauch rechnen, wenn wir vom XC90 ausgehen, mit dem wir eine lange Strecke mit hohem Autobahnanteil fuhren.

Die alte digitale Plattform bietet handfeste Vorteile

Ansonsten freuen wir uns über das „altmodische digitale Spielweise“: Der XC60 wurde noch von der Vorgänger-Digitalplattform des EX30/60/90 „trainiert“, die nochmal geupdatet und so weit wie möglich an EX30 und EX90 heranprogrammiert wurde. Denen gegenüber hat der XC60 den Vorteil, dass man die Spiegel noch per Tastern in der Türe einstellen kann und nicht ins Menü muss und dass er noch über reguläre vier Fensterheberschalter für alle vier Scheiben verfügt.

Bowers & Wilkins holt die Abbey-Road-Studios ins Auto

Google gibt sich nochmal dezent verständiger und das Bowers & Wilkins-Soundsystem bietet in der High-End-Stufe jetzt auch die „Abbey-Road“-Atmosphäre und ohnehin klaren, tendenziell frontlastigen Klang – denn die Musiker sitzen in der Regel ja auch nicht überall im Studio verteilt, sondern vorn auf einer Bühne.

Sonst kennt man das Spiel des XC60, das wir mit entspannt und ehrlich beschreiben würden, gern mit Echtholz, jetzt auch beigen Bezügen und neuen Farben. Und es gibt nach wie vor die perfekten Sitze vorn mit laaanger Oberschenkelauflage und auch zwei ausklappbare Kindersitzerhöhungen im Fond. Dahinter 468 bis 1.528 l Kofferraum, samt dezenter Stufe, da der Akku unter dem Boden etwas Platz braucht…kennt man von den älteren Mercdes-Benz-Modellen oder dem Landy Defender noch extremer, stört aber kaum. Ordentlich: Die 2.250 Kilogramm Anhängelast, sowie die je 100 Kilogramm Stütz- und Dachlast.

Das Fahrverhalten blieb komfortabel – auch fiese Querrillen und Fugen filtert er gekonnt weg – die Lenkung findet eine gute Synthese aus „noch direkt genug“ und „entspannt“. Auch da blieb sich der XC60 treu. Und wir stellen erstaunt fest, wie wenig er eigentlich gealtert ist in den mittlerweile auch schon wieder acht Jahren, die er auf dem Markt ist.  

Gute Spieler kosten Geld – auch am Ende ihrer Karriere

Empfindlich gestiegen sind in dieser Zeitspanne allerdings die Budgets, denn der XC60 spielt als altgedienter Profi in der Premier-League nicht für kleines Geld: Die Mildhybrid-Basis startet ab gut 57.000 Euro, der Plug-in bei gut 67.000 Euro und unser vollausgestatteter Testwagen in Forrest-Lake-metallic (sehr stimmiger Name) näherte sich dann schon der 80.000-Euro-Marke.

Da würde dann das 2990 Euro teure Thule-Dachzelt mit 2,40 x 1,30 Meter Liegefläche, in dem wir die Nacht nach der Testfahrt fein schliefen, kaum noch ins Gewicht fallen. „Glamping“ kommt ohnehin groß in Mode und wenn der XC60 mit Dachzelt daherfährt, reduziert das auch das mögliche Topspeed in Deutschland von ohnehin „nur“ 180 auf 110 km/h. Was wiederum dem Sprit- und Stromkonsum gut tut.

Am Ende dürfen wir beruhigt feststellen: Der XC60 der zweiten Generation legte das „seifig-rundliche“ seines Vorgängers ab und ist ein starker und vor allem sehr konstanter Spieler  – der wie so viele langsam alternde Volvos wahrscheinlich eher zehn als nur sieben Jahre spielen wird. Und auf seine alten Tage noch eine zweite - eher statische Karriere - als „Glamper“ startet.

Was bedeutet das?

Der Volvo XC60 bleibt ein kompetentes Business-SUV, das gezielt und gekonnt geliftet wurde. Zum größeren Akku hätten wir uns aber dringendst eine DC-Lademöglichkeit gefordert, die mittlerweile auch deutlich günstigere Plug-ins an Bord haben. Die Diesel entfielen schon lange wegen extrem aufwändig erfüllbarer Abgasnormen. An Details wie diesen merkt man, das Volvo den XC60 eigentlich als Auslaufmodell geplant hatte – jetzt geht er in die Verlängerung – und entdeckt nicht nur auf den Sport- sondern auch auf den Campingplätzen neue Talente.