LKW

Autonomes Fahren: MODI-Projekt testet automatisierte Lkw in Hamburg

Im Hamburger Stadt- und Autobahnverkehr haben Partner des EU-Projekts MODI wie unter anderem Gruber Logistics, DAF Trucks und Volvo Trucks im Mai 2025 erstmals automatisierte Lkw unter Realbedingungen getestet. Dabei wurde beispielsweise das sichere Einfädeln im Autobahnverkehr.

 

 

MODI-Projekt in Hamburg: Getestet wurde das sichere, automatisierte Einfädeln von Lkw im Autobahnverkehr sowie die zuverlässige Erkennung gefährdeter Verkehrsteilnehmer im urbanen Umfeld. | Bild Gruber Logistics

Das europäische Mobilitätsprojekt MODI hat im Mai 2025 zwei entscheidende Anwendungsszenarien für automatisiertes Fahren im realen Straßenumfeld Hamburgs erfolgreich erprobt. Im Fokus standen dabei die sichere Integration von Lkw in den fließenden Autobahnverkehr sowie die Erkennung von gefährdeten Verkehrsteilnehmern im innerstädtischen Bereich. Die Tests wurden von Gruber Logistics, DAF Trucks, Volvo Trucks, der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und weiteren Partnern in enger Zusammenarbeit mit der Freien und Hansestadt Hamburg durchgeführt.

„Der zunehmend kritische Fahrermangel zwingt die Branche zum Umdenken. Wir müssen diese Fachkräfte künftig dort einsetzen, wo ihre Erfahrung strategisch notwendig ist – für einfache, monotone Aufgaben existiert die Technologie bereits. Die automatisierten Fahrfunktionen und Infrastrukturtechnologie erhöhen nicht allein die Sicherheit für unsere Fahrer, sondern die aller Verkehrsteilnehmer, nicht zuletzt auch von Fußgängern“, erklärt Martin Gruber, Geschäftsführer von Gruber Logistics, die Perspektive des Logistikprojektpartners.

Autonomes Einfädeln von Lkw auf der Autobahn

Auf der Autobahn testeten die Projektpartner ein kooperatives Einfädeln von Lkw in bestehende Fahrspuren. Dabei kam die von Volvo entwickelte „Cooperative Merging“-Technologie zum Einsatz, bei der Fahrzeuge in Echtzeit Informationen über Baustellen und Hindernisse austauschen und ihre Fahrmanöver entsprechend abstimmen. Der Test demonstrierte, wie automatisierte Lkw sich sicher und effizient in komplexe Verkehrssituationen integrieren können.

Kooperation mit intelligenter Infrastruktur

Im städtischen Umfeld wurde die Zusammenarbeit von Fahrzeugen mit sogenannter „intelligenter Infrastruktur“ erprobt. An einem zentralen Verkehrsknotenpunkt in Hamburg wurde ein neuartiges Detektionssystem eingesetzt, das schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer auf bis zu 300 Meter Entfernung erkennt.

Das System analysiert Bewegungsmuster und überträgt relevante Daten in Echtzeit an herannahende Lkw, die selbst einen begrenzten Erfassungsbereich besitzen. Zur realitätsnahen Simulation kritischer Situationen wurden auch Kinder-Crashtest-Dummys genutzt, um etwa tote Winkel gezielt zu testen.

Integration von Ampeldaten

Zudem testeten die Projektpartner die Integration von kooperativen Ampeldaten. Durch sogenannte „Time-to-Green“-Informationen konnten die Lkw ihre Geschwindigkeit dynamisch anpassen, um Ampelphasen möglichst ohne Halt zu durchfahren. Gleichzeitig reagierte die städtische Verkehrssteuerung flexibel auf das erwartete Verkehrsaufkommen. Ziel war es, den Verkehrsfluss zu verbessern, Bremsvorgänge zu minimieren und den Kraftstoffverbrauch sowie die Emissionen messbar zu senken.

Hintergrund: MODI

MODI ist eine europäische Innovationsinitiative mit 34 Partnern aus acht Ländern und einem Gesamtbudget von rund 28 Millionen Euro. Ziel ist es, vernetzte, kooperative und automatisierte Mobilitätslösungen (Connected, Cooperative and Automated Mobility – CCAM) entlang eines internationalen Verkehrskorridors zu testen und Hürden für die Markteinführung automatisierter Logistiksysteme zu überwinden.

Der Schwerpunkt liegt auf der Integration automatisierter Fahrzeuge in reale Logistikprozesse, auf Verkehrssicherheit, effizienter Infrastrukturnutzung und Umweltverträglichkeit.

Zuletzt präsentierte sich MODI auch auf dem ITS European Congress 2025 in Sevilla. Dort diskutierten die Projektpartner grenzüberschreitende Herausforderungen, digitale Infrastruktur und erste Ergebnisse aus den Testumgebungen. MODI verfolgt damit konsequent das Ziel, automatisierte Frachttransporte europaweit praxisnah voranzubringen.