BUS

Autonom unterwegs: „upBUS“ verknüpft E-Bus mit Seilbahn

Ein neuartiges Verkehrssystem soll Seilbahn und Elektrobus erstmals kombinieren. Der Fokus liegt auf automatischer Übergabe der Fahrgastzelle – ohne Umsteigen. Der erste Test startet 2025, zwei Prototypen befinden sich bereits in der Planung.

Hochgefahren: Der „upBUS“ aus dem gleichnamigen Forschungsprojekt soll nahtlos vom Seilbahn- in den Elektrokleinbus-Betrieb wechseln können. | Bild: Grafik: RWTH Aachen

Am Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen wird im Rahmen des Forschungsprojekts „upBUS“ ein neuartiges Verkehrskonzept erprobt. Ziel ist es, die Vorteile eines autonom fahrenden Elektro-Busses mit denen eines Seilbahnsystems zu kombinieren. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Neben dem PEM sind zwei weitere RWTH-Institute sowie die Gemeinde Simmerath beteiligt.

Intermodales Konzept für den ÖPNV

Der „upBUS“ soll auf einer automatisch kuppelbaren Fahrgastzelle basieren, die sowohl auf einem autonom fahrenden Busmodul unterwegs sein als auch in ein Seilbahnsystem integriert werden kann. Die Seilbahnstationen dienen dabei als Verteilzentren, an denen die Transportzelle von der Seilbahn auf das Straßenfahrzeug übergeht. Damit sollen Fahrgäste ohne Umstieg zwischen den beiden Verkehrssystemen wechseln können.

Technisch basiert das System auf drei Hauptkomponenten: einem autonomen Fahrmodul für den Straßenbetrieb, einer modularen Fahrgastzelle sowie der Kopplungsschnittstelle „iTSI“ (intelligent Terrestrial System Interface). Letztere ermöglicht die automatische Übergabe der Kabine zwischen den beiden Transportsystemen.

Testbetrieb startet im August 2025

Ein erster Prototyp – bezeichnet als „Primotyp“ – wurde fertiggestellt und soll ab August 2025 im Versuchsbetrieb getestet werden. Das eingesetzte Fahrzeug arbeitet mit einem 48-Volt-Niederspannungssystem, nutzt Stereo-Kameras und LiDAR-Sensoren zur Navigation und verfügt über einen Hebemechanismus sowie eine weiterentwickelte iTSI-Schnittstelle.

Zum Projektabschluss ist die Entwicklung zweier weiterer Prototypen vorgesehen: Ein Vorserienmodell für den Gütertransport soll im Feld getestet werden, ein digitales Modell zur Personenbeförderung befindet sich in der Planung. Die entsprechende Fahrgastkabine ist für bis zu zehn Personen ausgelegt und soll typische Ausstattungsmerkmale des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wie barrierefreien Einstieg, Sitzplätze, Infotainmentsystem und automatische Türen aufweisen.

Reaktion auf überlastete Verkehrsnetze

Hintergrund des Projekts ist die zunehmende Belastung städtischer Verkehrsnetze. Laut aktuellen Zahlen standen Pendler in Deutschland im Jahr 2023 im Schnitt 40 Stunden im Stau, was volkswirtschaftliche Kosten von rund 3,2 Milliarden Euro verursachte. Zudem entfallen laut EU-Angaben rund 60 Prozent der CO₂-Emissionen des Straßenverkehrs auf den motorisierten Individualverkehr. Das „upBUS“-System soll hier eine potenzielle Alternative für eine effizientere und emissionsärmere Verkehrsabwicklung im ÖPNV bieten.