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Erste Sitzprobe DS N°4: Ein neues Kapitel

DS hat den DS4 geliftet und als N°4 an den neuen DS N°8 angeglichen – er startet mit drei Antrieben und Ausstattungen – wir haben nicht nur dahintergestanden, sondern sind auch schon mal Probe gesessen.

Auf der Suche nach neuen und weiteren Kunden: Der DS4 wurde zum N°4 geliftet und kommt jetzt auch  als "Collection Jules Verne". Mit dem elektrischen "E-Tense" (hier im Bild) schlägt die Modellreihe ein neues Kapitel auf. | Foto: Dani Heyne

Seine Sonderserien respektive „Collections“ benennt DS gern nach Autoren: Antoine de Saint-Exupéry folgt nun Jules Verne. Aber nicht in Rüsselsheim, wo DS den gelifteten DS N°4 in der „Basisversion“ vorstellt, wobei die beim DS N°4 eh schon „Pallas“, also „Palast“ heißt. Was einst beim DS 23 und CX schon die beste respektive bessere Ausstattung war. Entsprechend relativ ist diese „Basis“ zu sehen, denn die kommt im Falle des elektrischen weißen DS N°4 E-Tense schon ziemlich vollausgestattet und wohnlich rüber.

Das bessere Niveau Étoile oder Leder gewünscht? Das kostet empfindlich mehr

Das höhere Niveau Étoile ist dann leider gleich 5.200 Euro teurer, weshalb wir tatsächlich zur Sonderserie „Jules Verne“ für „nur“ 3.000 Euro Aufpreis greifen würden. Tatsächlich greifen die Deutschen bisher zu 93% zum teuren Étoile, der einen mit echtem Alcantara umschmeichelt und tatsächlich eine Idee, aber nicht über 5.200 Euro teurer wirkt als die „Basis“. Und wer Nappaleder im Uhrenarmbanddesign will, zahlt nochmal üppige 3.800 Euro extra. Womit zwischen dem Basis-Mildhybrid für 38.640 Euro und dem Top-Plug-in (den E-Tense-Elektro gibt es nicht mit Nappaleder!) Étoile satte 16.260 Euro liegen! Weshalb wir als Ultraindividualisten das Kollektionsmodell DS N°4 Jules Verne nehmen, das blaue Sitze und eine beige Armaturentafel sowie spezifische Details aufweist, die vom Abenteuerroman „Reise um die Erde in 80 Tagen“ inspiriert sind. Der kostet elektrisch 48.900 Euro und liegt ziemlich „mittig“.

Was schreibt respektive bietet DS dafür? Zuerst mal ganz viel Individualität: Denn der DS  N°4 gehört zu den seltensten Kompakten und er wird noch dazu nie günstig angeboten: Mehrere Bekannte liebäugelten schon mit ihm und nahmen dann für den gleichen Preis, aber die trotzdem viel günstigere Rate je einen vollausgestatteten Peugeot…

Beim Plug-in und beim neuen Elektriker hat DS gegenüber der „Verwandtschaft“ nachgesteuert

Immerhin stockte man bei Akku und E-Reichweite auf; der E-Tense, der übrigens exakt so viel kostet wie der Plug-in, kommt mit 156 kW respektive 213 PS und einem 58,2-kWh-Akku. Der reicht nach WLTP für bis zu 449 Kilometer, real eher um die 300 und lässt sich mit bis zu 120 kW DC laden. Dann dauert der Hub von 10 auf 80% gut eine halbe Stunde oder man tankt binnen zehn Minuten je 100 km nach…nun ja, da können andere schon mehr.

Das gilt auch für den erstarkten Plug-in-Hybrid: Bei ihm kombiniert man jetzt den 133 kW starken 1,6-Liter-Turbo-Vierzylinder mit einer 92-kW E-Maschine, woraus sich weiter 165 kW Gesamtleistung ergeben. Der Akku hat jetzt 14,6 kWh (+18%) und soll den Plug-in bis zu 77 Kilometer weit elektrisch fahren lassen. Real rechnen wir eher mit 50 plus/minus x. Da er unter 50 Gramm CO2 ausstößt, fällt er unter die günstige Firmenwagenbesteuerung. Wichtig, denn 70% seines Geschäftes macht DS Automobiles im B2B-Bereich – eher nicht mit Flotten, sondern eher mit individualistischen frankophilen User-Choosern. Und die sehen dann auch eher über die laschen 3,7 kW Ladeleistung des Plug-in hinweg, die sich optional auf 7,4 kW steigern lassen. Zum Vergleich: Der Audi A3 lädt hier schon mit bis zu 50 kW DC und käme nach WLTP bis zu 143 Kilometer weit und er startet „nackt“ bei 44.200 Euro…

Die Gewichte? Alle auf der leichten Seite!

Ein starkes Argument für die DS N°4 sind ihre Gewichte, die allesamt im günstigen Bereich liegen: Der Hybrid startet bei 1.483 Kilogramm, der Plug-in wiegt 1.693 Kilogramm und der E-Tense 1.792 Kilogramm. Da würde dann Milan Kunderas Roman „Die unglaubliche Leichtigkeit des Seins“ passen – blöd nur, dass der französische Staatsbürger in Brünn geboren wurde und sein Name deshalb besser zu einem Škoda-Sondermodell passen würde…

Gute Ideen fürs Abschalten der gar nicht so nervigen Warnsysteme

Innen hat man neben der Optik das Infotainment dezent nachgesteuert. Mittig gibt es jetzt einen 10- statt 7-Zoll-Screen, der lässt sich besser bedienen, ladeplant mit Ankunftszeit und Ladezeit- und Chargertyp (der grob mit einem, zwei oder drei Blitzen klassifiziert wird) und, am wichtigsten: Man kann jetzt das Gebimmel von Tempowarnung, Spurhalter und Aufmerksamkeitsassi im Menü einmal zusammenfassen und wegklicken. Diese Funktion kann man sich dann auf eine Favoritentaste legen und wenn man die dann nach dem nächsten Start laaange (2 bis 3 Sekunden) drückt, dann bimmelt einen der DS N°4 nicht voll, wobei er das eh nicht tut, sondern ähnlich wie Alfa Romeo mit einer Art Herzschlag dezent „bumpert“….ach ja, dieses Update erhielt übrigens auch der Vorgänger „over the air“.

Außen am auffälligsten: Die neue Front mit beleuchtetem Logo

Womit wir gleich bei der neuen Front sind, die Tagfahr-LEDs wie einen Herzschlag hat, allerdings nach unten in Säbel-oder Vampirzahnoptik. Steht dem DS N°4 gut – weniger gut steht ihm unserer subjektiven Meinung nach der beleuchtete Grill mit dem Logo, der irgendwie ziemlich plastiklastig rüberkommt. Ebenso wie der ewige Schriftzug am Heck: DS Automobiles eher chinesisch als wertig aussieht. Aber viele kennen wohl das Logo immer noch nicht, weshalb man es halt mal über die volle Breite anschreibt…in einem rundlich-modernen Schriftsatz, der mit dem rautenförmig-eckigen DS-Logo nichts zu tun hat.

Und frankophile Individualästheten die wir sind, stört uns das fast mehr als die eher durchschnittlichen Akku- und Ladeleistungen. Aber vielleicht kann man die geklebten Buchstaben ja runterknibbeln – die edlen Rückleuchten hätten es verdient!

Und sonst? Gefällt uns das optionale tolle Focal-Soundsystem, stören wir uns am eher knappen Platz für vier große Passagiere und genießen wir das „Schwert“ aus Tastern und Lüftungsausströmern in der Mitte. Die beim „Jules Verne“ von einem beigen Kompass eingerahmt werden, beim Étoile von Alcantara und beim Basis-Pallas von interessant gemachten Kunststoffnoppen. Der nicht sichtbare Träger darunter bestand übrigens schon beim Vorgänger zu 20% aus immer gut nachwachsenden Hanffasern. Die Individualität kennt auch im unsichtbaren Bereich keine Grenzen.

Ach ja – und falls einem die elektrifizierten Versionen nicht gefallen – ab 2026 erweitert DS die Romane der DS-N°-4-Reihe wieder um einen dezent nagelnden Diesel, der die Individualisierung auf die Spitze treiben könnte: Einen französischen Kompaktdiesel der Premiumklasse made in Germany – wie speziell ist das denn? Da muss man wahrscheinlich länger als 80 Tage durch die Welt des Internets reisen, um ähnlich Individuelles zu finden!

Was bedeutet das?

Der DS N°4 hat das Update gut vertragen. Sein größtes Problem ist, dass er weder beim Antrieb noch bei Ladeleistung und Co. Maßstäbe setzen kann. Und auch nicht beim Raumangebot und beim Infotainment, aber dafür bei Liebe zum Detail, beim Design und bei der Individualität. Gerade die zeitlich begrenzt angebotenen gar nicht soo teuren „Collectionen“ werden die gesuchten Klassiker von Übermorgen sein.