PKW

Microlino: Neues Modell aus China

Neues von Microlino: Ein konventionelleres Modell mit seitlichen Türen und gleicher Spur an Vorder- und Hinterachse made in China soll höhere Stückzahlen und Profitabilität bringen.

In einem Interview gab sich Gründer Wim Ouboter (links am Auto stehend) sehr offen - und erklärte seine Pläne für ein weiteres Auto. | Foto: Microlino

Microlino-Gründer Wim Ouboter gab jüngst ein Interview in der Schweizer Handelszeitung, bei dem er sich wie immer wild und witzig gab: Gefragt, wie er sich auf einer Skala von 0 (ängstlich) bis 100 (tollkühn) einschätzen würde, gab er sich 80 Punkte. Und schob gleich nach, dass das aber auch beinhalte, dass er „manchmal zur falschen Zeit zu mutig“ sei.

Das Auto wird von den Kickscootern quersubventioniert

Fakt ist: Der Microlino als Auto schreibt immer noch rote Zahlen und wird vom erfolgreichen Scooter-Business über Jahre querfinanziert. Auch hier ist Ouboter offen und ehrlich wie man ihn kennt:

„Seit sechs Jahren habe ich auf die Micro-Scooter-Dividende verzichtet – und so den Microlino über Wasser gehalten.“

Er sieht das isettaähnliche Modell kein klassisches Fahrzeug, sondern eine urbane Mobilitätslösung. Der 2,5 Meter kurze Zweisitzer und soll auch als offener Spider kommen und zielt auf den US-Markt, en man seitlich entern kann. Dabei zielt man unter anderem auf Golfplätze und vor allem die Neighbourhood Electric Vehicles – Mikro-E-Autos für kurze Fahrten in urbanen Räumen. Ouboter erklärte hier mit dem ihm typischen Witz:

„Unsere Zielmärkte sind auch Ortschaften wie Peachtree im Bundesstaat Georgia – 13.000 Einwohnerinnen und Einwohner und 9.000 Golf-Carts.“ 

Neue Pläne fürs US-Geschäft

Schon 2026 soll das US-Geschäft mit den Europa-Umsätzen gleichziehen und bis 2030 will man 100.000 Einheiten pro Jahr montieren und mehr als eine Milliarde Franken Umsatz machen. Das Geschäft soll laut Ouboter relativ risikoarm sein, trotz Zöllen und Handelschranken. Selbst wenn die Rechnung in den USA nicht aufginge, würde man keine „Unsummen“ verlieren.

Ein zweites Modell mit Seitentüren und breiterer hinterer Spur ist in Planung

Denn Microlino plant eine Autosparte ziemlich neu auf: Man hat neben der Kleinsereinmonatge in Turin schon lange ein zweites Werk im Auge, das jetzt aber nicht in Indien, sondern in China entstehen soll. Man kann dort Überkapazitäten nutzen und ha gerinmgere Kosten, zumal ohnehin schon viele Teile des aktuellen Microlino aus China kämen, denn:

„Die Produktion in Europa ist grundsätzlich immer noch zu teuer.“

Das neue China-Modell soll mit Seitentüren und einer breiten Spur am Heck kommen

Der „neue Microlino“ soll sich ein gutes Stück Richtung konventionelles Fahrzeug entwickeln. Ouboter sagt dazu:

„Könnten wir noch einmal neu beginnen, würden wir zwei Dinge ändern: Die Fronttür ist zwar cool, aber auch sehr kostspielig. Dass wir hinten eine andere Spur als vorne haben, ist schlicht dumm.“ 

Die Produktionskosten sollen dramatisch sinken: Man sei immer noch rund 5.000 Franken zu teuer. Grundsätzlich müsste die Basis eigentlich vierstellig erwerbbar sein, das Long-Range-Topmodell dürfe eigentlich nicht mehr als 12.000 bis 15.000 Euro kosten.

Und wie will Ouboter das stemmen? Indem man Microlino in zwei Holdings aufteilt: Die profitable Trottinett-Sparte wie die Kickscooter in der Schweiz heißen, bleibt im Familienbesitz. Für die "Auto-„Sparte“ suche man mit der Rothschild-Bank aktuell nach neuen Teilhabern. Die sollen Industrieerfahrung bei Produktion und Weiterentwicklung mitbringen. Parallel verhandele Micro Mobility Systems mit möglichen Investoren in China.

Leichtfahrzeugen fehlt die Anerkennung für CO2-Programme

Ouboter wandte sich auch an die Schweizer Bundesregierung, um in das CO2-Ausgleichsprogramm der Pkw aufgenommen zu werden so wie Tesla und Co, aber: Der Microlino sei gemäß EU „kein Personenwagen“. Gleichzeitig werde das Modell aber beim Import als Elektroauto besteuert – ein Widerspruch, der Ouboter ärgert:

„Der Bundesrat richtet es sich, wie er es braucht.“ 

Was ihn umso mehr stört, als er als Schweizer Marke auch an die Stärke seines Produkts glaubt Microlino-Kunden waren die CEOs von Gucci und der Chef von Rolex. Ouboter dazu:

„Wir sind nicht ein gesichtsloser chinesischer Kleinstwagen, sondern wir positionieren uns als ‚Next Bella Figura‘.“

Nach wie vor sieht er den aktuellen Microlino als optische Ikone, die er tatsächlich auch sei. Der „Neue“ sei dann trotzdem deutlich massentauglicher, behalte aber dennoch den Charakter – für Leute, denen „sogar der Mini Cooper noch zu groß“ sei. Bei Langstrecken oder größeren Transportbedarfen setzt er selbst auf einen Mix mit ÖPNV oder Sharing-Fahrzeugen. Und die Konkurrenz sieht er eher in Vespa als bei Tesla, nur eben „wettergeschützt.“

Was bedeutet das?

Mittlerweile ist klar, warum BMW Microlino einfach gewähren ließ: Das Auto in Isetta-Optik fährt und bleibt in einer sehr schmalen Nische und ist dort (viel zu) teuer zu produzieren. Aber irgendwie Aufgeben gilt für Ouboter nicht. Weshalb er ein zweites, deutlich konventionelleres Modell plant, das in China viel günstiger gefertigt werden soll. Man darf darauf ehr gespannt sein. So oder so schrieb er jetzt schon Geschichte – was er seinem Mut zu verdanken hat. Nein, Hasenfuß ist Ouboter keiner!

Quellen: Elektroauto-News.net, Microlino-Presseseite