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Fahrbericht Peugeot E-3008 und E-5008 Dual Motor: Grrroar!

Peugeot spendiert den vollelektrischen E-3008 und E-5008 einen zweiten Motor an der Hinterachse. Die Vitaminspritze tut den Elektrolöwen gut – jetzt können sie richtig laut brüllen und deutlich dynamischer versuchen, Beute machen.

Mit dem zusätzlichen Antrieb an der Hinterachse fährt sich der E-3008 deutlich dynamischer. | Foto: Dani Heyne/Peugeot

E-3008 und E-5008 sollen im Segment der Midsize SUVs für Peugeot Marktanteile erjagen. Optisch präsent stehen die Löwen vor dem ehrwürdigen Werk in Mulhouse, von dem aus wir gen Schwarzwald wedeln dürfen. Die bisherigen Elektro-Versionen mit 157 respektive 170 kW (das sind nach alter Währung 213 respektive 231 PS) fuhren sich zwar gut, aber nicht überdynamisch. Für die Jagd auf der deutschen Autobahn und nach Marktanteilen darf es bisweilen gern etwas mehr sein. Das ist auch in Frankreich angekommen. Deshalb machen die Techniker ihren Elektrolöwen mit einem zweiten Elektromotor an der Hinterachse mit 83 kW / 112 PS Beine: Das Resultat ist eine Systemleistung von 239 KW / 325 PS. Wir sind nun gespannt, wie viel von dem gallischen Extra-Zaubertrank auf dem Asphalt ankommt.

Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick auf die Technik: Peugeot E-3008 und E-5008 stehen auf der STLA-Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns, die als Frontantriebsarchitektur konzipiert ist. Während der E-3008 sie eher als kompakteste Ausbaustufe nutzt, fährt der E-5008 die maximale Größe auf. Damit passen zwischen die beiden Löwen Opel Grandland und Citroën C5 Aircross.

Das dreifache „P“: Peugeot setzt auf zwei PSM-Maschinen

Bei beiden Elektromotoren handelt es sich um PSM-Maschinen (permanent erregte Synchronmaschinen). Damit geht Peugeot einen anderen Weg als etwa Audi, die beim Q4 e-tron eine Achse mit einem Asynchronmotor (ASM) bestücken und die Hinterachse mit einem PSM-Triebwerk. Der ASM kann sich schnell vom Antriebsstrang abkoppeln und unbestromt ohne wesentliche Schleppverluste mitlaufen. Ein Vorteil der PSM-Triebwerke ist die größere Leistungsdichte. Somit können diese kompakter gestaltet sein, um die gleiche Leistung zu erbringen. Ein weiterer Vorteil ist die Effizienz. Darauf kommen wir später zurück.

Ein Blick auf die Leistungen der beiden Maschinen verdeutlicht die unterschiedliche Gewichtung. Der E-Motor vorne bleibt unverändert. Also leistet dieser auch bei Dual-Motor-Version 157 kW / 213 PS (bei 104 bis 6.000 U/min). Hinten schieben die eingangs erwähnten 83 kW / 112 PS (bei 14.000 U/min) mit an. Interessant ist der Blick auf die Drehmomentkurve, da es hier Unterschiede gibt. Während der vordere Motor zwischen 250 und 4.370 U/min genau 343 Newtonmeter bereitstellt, sind es beim hinteren 166 Newtonmeter, die ab 1.000 bis 4.375 U/min anliegen. Das zeigt schon, dass die Vorderachse der Chef im Ring ist. Das ist vor allem beim Fahrmodus Eco der Fall, bei dem sich der hintere Motor nur dann einschaltet, wenn es die Traktion oder die Fahrsituation erfordert, oder wenn der Fahrer den spürbaren Druckpunkt im Gaspedal „überfährt". Insgesamt stehen vier Fahrmodi zur Verfügung, die sich spürbar voneinander unterscheiden. Normal ist ausgewogen und bei 4WD ist die Kraftverteilung paritätisch.

 

Im Sport-Modus straffen die Löwen ihre Muskeln merklich!

Wählt man Sport, verschiebt sich das Verhältnis auf 60 Prozent an der Vorderachse und 40 Prozent an der Hinterachse. Dann liegt die volle Leistung an und man spürt, dass den beiden Löwen diese Vitaminspritze gut tut. Die Dual-Motor-Version ist deutlich ambitionierter unterwegs als die Modelle mit Frontantrieb. Auch auf kurvigen Serpentinen hat man Spaß. Auch das Bremsgefühl ist definierter nicht so weich und der Pedalweg kürzer, als das bei den anderen Fahrprogrammen der Fall ist. Auch die Lenkung ist etwas direkter als sonst. In den Kurven verhält sich der 2.262 Kilogramm schwere Peugeot 3008 neutral und gutmütig. Wir waren zumeist im Normal-Modus unterwegs und fühlten uns nie untermotorisiert.

Wenn man alles aus dem Antriebsstrang herausholt, sprintet der Peugeot 3008 in sechs Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo und ist bis zu 180 km/h schnell. Alles keine Hyper-Sportwagen-Werte, aber geschmeidig genug, um entspannt unterwegs zu sein. Der größere E-5008 gibt sich hier kaum träger, ihm verleihen die zusätzlichen Pferde den Trab, den er braucht, um auch voll besetzt zum wirklich souveränen Gleiter zu werden.

Bleibt noch das versprochene Thema Effizienz. Nach unserer Testfahrt, die uns sowohl über Autobahnen als auch kurvenreiche Bergaufpassagen führte, benötigten wir, freudig gefahren laut Anzeige 19,8 kWh/100 km. Das sind rund 22 kWh/100 km brutto oder, auf die Anzeige bezogen 1,9 kWh/100 km mehr als Peugeot veranschlagt. Die WLTP-Reichweite beträgt 490 Kilometer. Das ist ok, aber nicht rekordverdächtig. Dieser Wert wird klarer, wenn man weiß, dass der Peugeot 3008 Electric 325 Dual Motor mit der kleineren Batterie bestückt ist. Das bedeutet mit einer Netto-Kapazität von 73 Kilowattstunden anstelle von 96,9 kWh beim großen Energiespeicher. Die Plattform würde trotz des Allradantriebs hergeben. Weshalb man real besser eher mit 350 Kilometern Reichweite plus-minus X rechnet.

Schade, dass die Ladeleistung mit maximal 160 kW eher dezent bemessen bleibt: So dauert der Hub von 10 auf 80% SOC eher eine gute halbe Stunde. 

Man verbaut hier leider nur den „kleinen“ Akku

Produktchef Emmanuel Varene erklärt den freiwilligen Verzicht mit dem Preis und der Positionierung der Marke Peugeot und des 3008. „Mit der 96,9-Kilowattstunden-Batterie wäre das Auto schlichtweg zu teuer“, erklärt er. Kleiner Zusatznutzen: Man spart so auch Gewicht.  Die Preise starten bei Mit 59.900 Euro muss man für den Peugeot 3008 Electric 325 Dual Motor die Portokasse schon gehörig plündern. Dafür erhält man aber auch „volle Hütte“, lediglich die Lederbezüge kosten extra. Der Innenraum unterscheidet sich nicht von dem der anderen Versionen.

Also blickt man auf das i-Cockpit mit dem gebogenen 21-Zoll-Bildschirm und einem kleinen Bedienungs-Display darunter – mit der typischen Raumschiffatmosphäre. An das kleine oben und unten abgeflachte Lenkrad gewöhnt man sich und es unterstützt gut das knackige Fahrverhalten im Sport-Modus. Allerdings ist die Bedienung des Infotainments nicht auf Anhieb eingängig, selbst wenn man erst vor kurzem Peugeot gefahren ist und die Displays sind mit zu vielen Anzeigen überfrachtet. Auf das Head-up-Display verzichtet Peugeot wegen dieser Anordnung, die sich so ähnlich auch bei Toyota findet, wo man die Displays so weit wie möglich nach vorn in die Scheibe rückt. Hier gönnt man sich weiter eine gewisse Extravaganz. Die jetzt mit entsprechendem Antritt unterlegt ist – mit zwei Motoren jagt der Löwe deutlich dynamischer!

Was bedeutet das?

Der zweite Motor an der Hinterachse macht den E-3008 deutlich dynamischer und den E-5008 deutlich souveräner. Trotzdem gönnen sich beide weiter eine gehörige Portion französische Extravaganz - ganz ehrlich: Gut 300 PS sind bei gerade bei chinesischen Elektromodellen mittlerweile eher die Einstiegsmotorisierung, während das in Frankreich schon fast als obszön stark gilt. Dafür gönnt man sich ein exaltiertes Raumschiff-Interieur mit teils immer noch wilder Bedienung - wozu die neuen Antriebe dann ganz gut passen.

Durch das Elsass und den Scharzwald kurvte für uns Wolfgang Gomoll; press-inform

Datenblatt Peugeot E-3008 325 Dual Motor

Motor: Zwei PSM-Motoren

Leistung in kW (PS)  (kW) bei U/min-1: 239 (325)

Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: vorne 343, hinten 166

Höchstgeschwindigkeit (km/h): 180

Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 6,0

Getriebe: Automatik

Antrieb: Allrad

Akkukapazität: 73 kWh

Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 17,9

CO2-Ausstoß (g/km): 0

Gewicht, Herstellerangabe (kg): ab 2.262

max. Zuladung (kg): 458

Abmessungen (L/B/H): 4.542 / 1.895 / 1.641 (L/B/H)

max. Ladevolumen (L): 544 bis 1.480

Preis (Euro): ab 59.900