VNL-Ausblick: Engpässe und Chancen im Güterverkehr
Die Logistikbranche steht weiterhin unter Druck: Lieferengpässe und ein chronischer Fahrermangel belasten den Straßengüterverkehr. Gleichzeitig eröffnen sich neue Chancen für den Schienengüterverkehr und die Luftfracht. Zu diesem Ergebnis kommt die 3-Monats-Vorschau des Vereins Netzwerk Logistik (VNL).
Lieferengpässe nehmen zu
Die Prognose, die einen Überblick über die aktuelle Lage und für die Zukunft erwarteten Entwicklungen im Güterverkehr gibt, basiert auf dem Austrian Supply Chain Pressure Index (ASCPI) sowie Einschätzungen von Branchenexperten.
Dieser signalisiert eine Zunahme von Versorgungsengpässen. Im Vergleich zu den Vormonaten stieg der Index um 30 Prozent, was auf ein erhöhtes Risiko für Lieferverzögerungen und Kapazitätsengpässe hindeutet.
Straßengüterverkehr: Zollregeln und Fahrermangel belasten
Im Straßengütertransport würden neue Zollregelungen, insbesondere im Handel mit dem Vereinigten Königreich, für Unsicherheiten sorgen, so der VNL. Zusätzlich bleibt der chronische Fahrermangel ein Problem. Trotz EU-Maßnahmen wie der Senkung des Mindestalters für Lkw-Fahrer auf 17 Jahre erwartet der Verband kurzfristig keine Entlastung.
Bahntransport: Rückgang auf der Kasachstan-Route, Ausbau in Richtung Türkei
Die intermodale Schiene wiederum zeigt gegensätzliche Entwicklungen: Während die Kasachstan-Route unter Staus im kaspischen Fährhafen Aqtau leidet, verstärkt die ÖBB Rail Cargo Group ihre Verbindungen in die Türkei. Die Frequenzsteigerung mache diese Achse, so die Einschätzung, zu einer relevanten Alternative für den Schienengütertransport zwischen Asien und Zentraleuropa.
Seefracht: Engpässe zur Hochsaison erwartet
Gleichzeitig zwingt die angespannte Sicherheitslage im Suezkanal Reedereien und Importeure zur frühen Planung. Besonders für das Weihnachtsgeschäft werden Frachträume bereits jetzt gebucht. Die Kapazitäten sind stark ausgelastet, was zu Engpässen im Sommer führen könnte.
Luftfracht: Neue Zollregeln beeinflussen den Markt
Auf der Luftfrachtachse zwischen Europa und den USA sorgen erweiterte Frachtkapazitäten für stabilere Preise. Gleichzeitig könnten strengere Zollvorgaben den transkontinentalen E-Commerce drosseln. Die USA haben die 800-Dollar-Freigrenze für Importe aus China abgeschafft, ähnliche Schritte erwägt die EU. Dies könnte das Volumen asiatischer E-Commerce-Sendungen nach Europa reduzieren.
VNL will Orientierung bieten
Franz Staberhofer, VNL-Obmann, betont:
„Wer heute liefern will, muss gestern verstehen – und morgen handeln.“
Mit der neuen Vorschau möchte der VNL der österreichischen Wirtschaft Orientierung bieten und Entscheidungsträgern fundierte Analysen an die Hand geben.
Der Verein Netzwerk Logistik ist mit über 5.500 Mitgliedern das größte Wirtschaftsnetzwerk für Logistik in Österreich. Er unterstützt Unternehmen durch Veranstaltungen, Forschungsprojekte und Beratungsleistungen und arbeitet eng mit Institutionen zusammen. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Logistikbranche nachhaltig zu stärken.