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Kia EV4: Die erste Kompakt-Luxuslimo der Welt!

Er ist kaum teurer und nicht stärker als der EV3, der eigentlich schon alles kann – und mit 4,43 Metern nur ein bisschen länger. Aber der Fond hat es dank 2,82 Meter Radstand in sich!

In Dreieich bei Frankfurt stand der EV4 zu ersten Sitzproben bereit. | Foto: Thorsten Weigl/Kia

Beim EV4 bleibt Kia „bescheiden“ – heißt: 400-Volt-Plattform, 150 kW, Startpreis ab 37.590 Euro in der Basis „Earth“, gerade mal 1.600 Euro mehr als beim EV3. Und trotzdem hat man die Qual der Wahl, denn der EV4 bietet mit 490 Litern dezent mehr Kofferraumvolumen aber im Fond viel mehr Platz als der EV3, womit er zur ausgewachsenen Familienkutsche wird. Wer noch mehr Kofferraumvolumen braucht und auf die Variabilität der großen Heckklappe verzichten kann, kann auch zur Limousine greifen, die 4,73 Meter misst – und in Korea gebaut wird, während der „Hatch“ aus der Slowakei kommt.

Der EV4 könnte auch "Vehicle2Grid"

So oder so bleibt Kia mit dem EV4 am Boden – die Akkus bieten 58,3 respektive 81,4 kWh Kapazität, womit real im worst case knapp 300 respektive knapp 400 Kilometer Reichweite bleiben – Laderekorde werden aber keine gebrochen: DC klappt nur mit 105 respektive 128 kW, womit der Akku von zehn auf achtzig Prozent binnen 31 respektive 29 Minuten geladen ist – keine Rekordzeit, aber dafür braucht es schon eine flache Ladekurve, die im Schnitt lange nördlich der 70 kW lädt. AC klappen mit 11 kW und klar, V2L und perspektivisch V2G – was nicht an Kia liegt.

Start mit 150 kW und Frontantrieb

Auch die Leistung und Fahrwerte bleiben „vernünftig“ - 150 kW (204 PS) ziehen der Vorderachse und brauchen unter der stark abfallenden Haube so viel Platz, dass sich hier kein Frunk mehr ausging. Damit geht es binnen 7,8 Sekunden auf 100 km/h, bei 170 km/h Topspeed wird abgeregelt.

Doch steigen wir endlich ein und freuen uns, dass vorn Infotainment und Klima getrennt sind. Man findet sofort eine passende Sitzposition und findet sich zurecht. Das Infotainment wurde wieder mal verständiger und die Koppelung des Handys gelingt auch ohne Kabel sofort. Dazu kommt die eine praktische ausziehbare Armlehne. Passt. Einmal mehr fallen uns die super angenehmen Kopfstützen auf, dahinter „integrierte“ Kleiderbügel und Reihe zwei freut sich auch über eigene USB-Buchsen.

Umstieg eben dorthin und ja, hier tut sich für 4,43 Meter Länge tatsächlich eine Welt auf! Man sitzt hier wie in der oberen Mittelklasse und hat gefühlt fast noch eine Idee mehr Platz als im ebenfalls raumgreifenden EV5, der mit weniger Radstand auskommen muss. Eine Handytasche in den Vordersitzen wäre vielleicht noch nett gewesen, aber stattdessen gibt es Taschenhaken. Was könnte die nochmals 1.600 Euro teurere Limousine noch besser? Es gäbe noch eine Idee mehr Beinfreiheit auf der Rückbank und im Standard 490 Liter Kofferraum, aber durch ein unflexibles Deckelchen verdeckt.

Assistenz: Volle Hütte bis zum Mittelairbag

Und gegenüber dem EV3 wurden Fahrwerk und Lenkung nochmal nachjustiert, wobei wir hier eine eher verzeihend-indirekte Lenkung erwarten und leise Fahrgeräusche. Bei den  Assistenzsystemen hat man alles, was man ohne Lidar erreichen kann, hinzugepackt und ein  KI-Chat kann ein bisschen Smalltalk – oder nerven. Soundseitig blieb der EV4 ebenfalls bodenständig: Das optionale Harman/Kardon-Soundsystem „bescheidet“ sich mit acht Speakern, die aber grundsätzlich genug satten Sound in die Hütte zaubern.

Womit wir noch den Kofferraum begutachten und ja, man hätte hier natürlich mit einer flexibel verschieb- und neigungsverstellbaren Rückbank samt einigen Extra-Fächern noch mehr Variabilität und Cleverness hineinpacken können, aber das überlässt man den Kollegen aus Tschechien. Die fürs Kabel, da sie auch keinen Frunk haben, eine extra Tasche anbieten, die man links in einer Kofferraumausbuchtung „versenken“ kann. Da muss ja nicht Yves Saint Laurent oder Gucci draufstehen, „Kia“ reicht schon – wir wollen ja bescheiden bleiben!

Was bedeutet das?

Der EV4 ist sehr präzise zwischen EV3 und EV5 konstruiert und eingepreist worden. Als immerhin 1,48 Meter hoher „Hatch“ eignet er sich vor allem für Familien mit größeren Mitfahrenden im Fond, denen der ansonsten schon alles bietende EV3 einfach zu „klein“ ist. Jetzt muss man nur entscheiden, ob einem der Extra-Platz im Fond die 1.600 Euro Aufpreis wert sind. Wir müssen ganz ehrlich sagen: Schwierige Entscheidung, was für Kias konstruktive Kompetenz und Preisbildung spricht!