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VM-Fahrbericht Volvo EX30 Cross Country: Allrad-Pizza mit allem!

Zuletzt wurde es etwas ruhiger um die Cross Country-Modelle von Volvo – mit dem EX30 möchte man diese Tradition wiederbeleben – nach altem Rezept: Allrad, höhergelegt – und ausstattungsseitig – volle Hütte, oder: Pizza mit allem!

Ein Auto made in China respektive Belgium vor einer griechischen Pizzeria in Schweden - das ist international! Und im Falle der EX-30-Baureihe wäre der EX30 Cross Country die berühmte "Pizza mit Allem". | Foto: G. Soller

Ein bisschen ist es wie in der Pizzeria: Schon eine Margherita kann lecker schmecken, aber man kann die auch noch weiter belegen! Man nehme also einen Standard-Volvo, verpasse ihm Allrad und lege ihn etwas höher: Nach diesem Rezept entstand einst der V70 „Cross Country“, ein höhergelegter Kombi mit mehr Allradkompetenz als die Basis, aber noch weit entfernt vom echten Offroader.

Die „Cross Countrys“ ebneten den Weg zu den XC-SUV

Als Volvo denn mit den „echten“ XC-SUV kam, verlor das „CC“ etwas an Strahlkraft. Doch (noch) ist nicht jeder Volvo ein XC und so wandte man das alte Rezept auf den jungen EX30 an, heißt: Man nahm die Performance-Variante mit Allrad, deren zwei E-Maschinen bis zu 315 kW (428 PS) und 543 Nm Drehmoment in den Asphalt oder Schotter brennen. Dazu gibt es 19 Millimeter mehr Bodenfreiheit, mattschwarze robuste Radläufe, modifizierte Schürzen, eine mattschwarze Heckblende sowie und einen Kühlergrilleinsatz mit einer topografischen Gravur des Kebnekaise, dem mit 2.097 Meter höchsten Berg Schwedens. Damit kommt man noch nicht wirklich viel weiter als mit dem Standard-Allrad, weshalb es für 2.,990 Euro on top das Experience Paket EX30 Cross Country gibt: Dieses besteht aus einem Satz 18" Kompletträdern mit Volvo Leichtmetallfelgen und Bereifung „Cooper Discoverer ATT“, 235/55 R18 104 H, Schmutzfängern für vorn und hinten einem Lastenträger sowie einem Dachkorb – nicht unbedingt für Ersatzkanister oder Sandbleche, aber für ein Ersatzrad oder eine dezente Hardcore-Campingausrüstung.

Klar ist: Zum Hardcore-Allradler wird der EX30 damit auch noch nicht, dazu fehlen ihm einfach trotzdem Bodenfreiheit und Eingriffsmöglichkeiten ins Getriebe, aber optisch kann man damit die, die sich nicht so auskennen, beeindrucken – das Rezept haben ja auch Porsche und Lamborghini schon erfolgreich angewendet. Passend dazu gibt es weiteres Zubehör wie Schmutzfänger oder eine elektrische Anhängerkupplung – denn: Der EX30 darf gebremst bis zu 1,6 Tonnen an den Haken nehmen! Viel für einen 4,2-Meter Kompaktstromer.

Bei Bedarf ginge es auch hier in unter vier Sekunden auf 100 km/h

Die Fahrleistungen sind von 911 Safari und Co nicht so weit weg: Bei Bedarf sprintet der EX30 CC in 3,7 s auf 100 km/h, vernachlässigbare 0,1 s langsamer als beim regulären EX30 Twin Motor. Nutzt man das immer aus, schafft man aber nie die bis zu 425 km Reichweite nach WLTP. Aber: Auf unserer eher sehr bummelig gefahrenen Sommerrunde zeigte der EX 30 CC 17,2 kWh/100 km an, womit wir tatsächlich gut 400 km geschafft hätten. Mit Ladeverlusten werden daraus gut 18,9 kWh/100 km – was für die Leistung noch okay geht, aber eben für einen 4,2-Meter-Elektriker nicht wirklich sparsam ist. Aber wehe man ordert die All-Terrain-Stollenreifen: Dann sinkt dieser Wert auf 370 km nach WLTP, real eher auf 350 minus x – nur mal, um anzumerken, was Reifen beim Elektroauto ausmachen können!

Der Akku ist mit 66 kWh nutzbarer Kapazität eher „rightsized“, lässt sich aber im Idealfall mit bis zu 175 kW laden, was den Boost von zehn auf 80 Prozent in etwa 26 min erlauben soll. Wechselstrom-Laden mit 11 kW (AC) gelingt in rund acht Stunden. Dazu kommt die Möglichkeit mit 22 kW AC zu laden und was Offroad natürlich nett wäre: Vehicle to load – also das anhängen von elektrischen Verbrauchern. Und man kann davon ausgehen, dass die maximale Ladeleistung eines Tages auf über 200 kW steigen dürfte und man einen späteren Akku bei gleicher Größe auf 70 kWh Nettokapazität bringen kann.

Knackiges Fahrverhalten – eine Idee softer als die Basis

Und wie fährt sich der „Cross“ jetzt? Mit den 19-Zöllern fast wie das Basismodell: Der EX30 bleibt trotz etwas weicherer Dämpfer straff – die 19 mm Extrahöhe spüren nur Kenner. Die minimale „Verweichlichung“ bringt aber einen besseren Abrollkomfort mit sich und auch fiese Querrillen und Fugen nimmt er etwas „verzeihender“ als die Basis. Wir reden hier aber immer von Nuancen!

Die Lenkung blieb direkt und so synthetisch wie sie immer war und die starke Rekuperation nimmt den kräftigen Hydraulikstoppern viel Arbeit ab. Was unsere Kollegen, die den EX30 CC schon im Winter erproben konnten, leichter herausfuhren: Das Stabilitätsprogramm greift (viel) zu früh ein und erlaubt im Grenzbereich kaum Querdynamik – dezentes Driften, wie es der EX90 zulässt, klappt hier also nicht. Zumal es für die Mitfahrenden auch keine Dachgriffe gäbe, an denen sie sich festhalten könnten…die hat Volvo ebenso wegrationalisiert wie die Parkticketklammer und anständige Fensterheberschalter und eine Außenspiegelverstellung. Letztere muss man umständlich übers Menü justieren.

Das Platzangebot im Fond geht gerade noch in Ordnung, dahinter bietet auch der EX30 Cross Country 318 bis 1.000 l Kofferraumvolumen. Auch hier entspricht der EX 30 Cross Country dem bekannten EX30: Das reduzierte, offensichtlich aus viel Recyclingmaterial bestehende Interieur tendiert hier eher ins beige-bräunliche wenn man den Mix aus Wolle und Kunstleder "Pine" nimmt, oder ins Blaue beim recycelten Jeansstoff "Indigo".

Es bleibt bei der touchlastigen Bedienung

Alles, was man ablesen und einstellen will muss man über das 12,3-Zoll-Zentraldisplay tun. Das ist immer noch weit weg von „ergonomisch perfekt“, aber diverse Updates haben die Verständigkeit verbessert – das Navi plant dann auch gleich die Route samt Restreichweite und Zwischenladen und: Fragt, ob man hier Alternativen haben möchte – z.B. mehr Kapazität am Reiseende oder eine sparsamere Route. Wobei die Frage hier eher lauten müsste, ob es auch eine dezent wildere Route abseits befestigter Straßen sein dürfte…

Das einzige Hindernis für die Kunden könnte der eher gesalzene Einstiegspreis des EX30 Cross Country sein, der bei 57.290 Euro exakt 2.000 Euro über dem Standard-Ultra startet. Denn „Cross Country“ bedeutete auch immer schon: „Complet complet“ ausgestattet…oder eben: Pizza mit ALLEM!

Was bedeutet das?

Der EX30 lässt das Cross Country Label wieder aufleben. Und ja, es passt zum Auto – bietet aber eher auf Optik denn echtes Offroadtalent. Weshalb wir vielleicht die 19-Zöller mit dem massiven Dachgarten kombinieren würden. Oder gleich bei der auch noch 200 kW starken Basis „Extended Range Core“ bleiben würden, die „nur“ 44.990 Euro kostet…