VM-Fahrbericht Smart #5 Brabus: Der Kraft-Quader
Der 4,70 Meter lange Smart #5 tritt schamlos gegen Mercedes-Benz EQB oder den kommenden BMW iX3 an. Die Insassen werden von einer digitalen Instrumentierung umgeben, die aus einem oder zwei 13-Zoll-Bildschirmen besteht, welche wiederum durch ein 25-Zoll-Head-Up-Display ergänzt werden können.
Grooarrrr: Der Fuchs-Avatar weicht im #5 einem Löwen
Und so ganz kann Smart sich seine tierischen Späße nicht verkneifen: Statt einem Fuchs begleitet die Insassen hier ein Löwen-Avatar, mit denen sie Funktionen wie Telefonanrufe, Nachrichten, Audiosystem oder die Klimasteuerung per Stimme steuern können. Bei Bedarf hilft der Löwe auf unterhaltsame (oder nervige) Weise bei der Navigation durch die Bedienebenen und wer nostalgisch den Klang von Verbrennern vermisst, kann diese akustische Leere mit einem 2.000-Watt-Sennheiser-Soundsystem mit 20 Lautsprechern füllen.
Typisch Geely-Gruppe: Saubere Verarbeitung – und hier: Viel Platz
Die Kunststofftaster fühlen sich angenehm an, Verkleidungen wirken solide und es gibt wahlweise Sitzbezüge aus Stoff, Kunst- oder Naturleder. Das Platzangebot im Innenraum ist dabei so groß wie in keinem anderen Auto, das jemals das Smart-Logo trug. Das liegt nicht allein an großzügigen Proportionen, sondern auch einem Radstand von 2,90 Metern. Es gibt direkte Belüftungsöffnungen im Fond, aber keine Möglichkeit, den Luftstrom oder die Temperatur einzustellen und in den Luxusversionen kann die Neigung der Rücksitzlehnen elektrisch verstellt werden.
Alle Smart #5 verfügen über einen mächtigen Kofferraum mit einem Volumen von 630 Litern, der bei umgeklappten Rücksitzlehnen auf 1.530 Liter erweitert werden kann. Die Version mit Hinterradantrieb verfügt zudem über einen 72 Liter großen Frunk, während die Allradler mit 47 Litern auskommen müssen.
Der Basis-Smart #5 Pro wird von einem 250 kW / 340 PS starken Heckmotor angetrieben. Das 74-kWh-Akkupaket sorgt für 460 Kilometer Reichweite, während der 267 kW / 363 PS starke Pro Plus Dank seines 94 kWh großen Batteriepakets knapp 600 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp schaffen soll. Was real im worst case rund 300 respektive gut 400 sein soll.
250 kW der Basis reichen nicht? Das Topmodell bietet 475 kW – das sind 646 PS!
Der stärkere #5 Pulse verfügt über einen zweiten Elektromotor an der Vorderachse mit 165 kW / 224 PS und bietet somit einen Allradantrieb mit insgesamt 587 PS. Leider wird bei 200 km/h abgeriegelt, der Imagespurt auf Tempo 100 klappt in unter fünf Sekunden. Als ob das nicht ohnehin reichen würde, katapultiert einen die 60.900 Euro teure Brabus-Topversion mit spektakulären 475 kW / 646 PS / 710 Nm in andere Dimensionen. Doch trotz aller Kraft ist bei 210 km/h Schluss – sonst würde die reichweite wohl schneller als Butter in der Sonne schmelzen….
Das Batteriepaket des #5 Pro besteht aus Lithium-Eisen-Phosphat mit 400-Volt-Technik, während die anderen Versionen von der höheren Energiedichte der Nickel-Mangan-Kobalt-Batterien und einem 800-Volt-Bordnetz profitieren.
Noch stärker als die Leistung der E-Maschinen ist die Ladeleistung – hier unterbietet er auch mal die Werksangabe!
Diese 800-Volt-Plattform ist der Schlüssel zum Erreichen der spektakulären Ladeleistung von 400 kW - während das Basismodell mit 150 kW auskommen muss. In unserem ersten Praxistest lud der Brabus in gerade einmal 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent – schneller als die Werksangabe mit 18 Minuten!
Die maximale Leistung, die während des Ladevorgangs erreicht wurde, betrug 407 kW, und bei 73 Prozent der Ladung lag die Leistung immer noch bei über 200 kW, was die meisten Konkurrenten nicht einmal bei Volllast erreichen. In zehn Minuten können weitere 318 Kilometer Reichweite geladen werden. So ist es zu verschmerzen, dass sich der Realverbrauch bei schneller Gangart auf bis zu 30 kWh / 100 km erhöht.
Das Fahrwerk? Straff und hart – in bester Brabus-Manier
Zudem ist der Smart #5 Brabus mit ihren 21-Zöllern betont straff abgestimmt – auch viel härter als die bereits verfügbare China-Version. Dabei sind die Querbewegungen der Karosserie in schnellen Kurven sehr gut kontrollierbar. Wer im aggressivsten Brabus-Fahrmodus stark beschleunigt, wird mit brutaler Leistung in die Sportsitze gepresst. In den anderen Fahrmodi werden nur 51 (Eco), 65 (Comfort) oder 86 Prozent (Sport) der Leistung an beide Achsen verteilt. Entwicklungs-Chef Tilo Schweers warnt dann auch:
„Das ist kein Auto, das man einem Kind ohne Fahrpraxis oder einem unerfahrenen Fahrer schenken sollte, denn mit dem sofort zur Verfügung stehenden Drehmoment von über 700 Nm ist nicht zu spaßen.“
Zudem verfügt der 2,4 Tonnen schwere Brabus-Fünfer über ein Offroad-Programm für Geländefahrten mit den zusätzlichen Modi Snow/Sand/Mud/Adaptive und Stones. In jedem der Fahrmodi kann man das Ansprechen von Lenkung, Bremsen und Stabilitätskontrolle variieren.
Das Blending der Bremsen funktioniert fein
Die Dämpfer bleiben jedoch passiv und so gibt es keine Unterschiede in der Federung – schade für die Brabus-Version. Ebenso bissig wie das Triebwerk sprechen glücklicherweise auch die Bremsen an, die insbesondere gefühlvoll zwischen regenerativer und mechanischer Verzögerung wechseln.
Zum Schluss wollten wir dann doch noch wissen, ob man vielleicht nochmal mit einem Fortwo-Nachfolger rechnen kann, der sich für Smart monetär natürlich viel schwieriger rechnet als der große Kraftkubus #5. „Ich kann Ihnen nur versichern, dass es bis Ende 2025 eine Entscheidung über ein mögliches zukünftiges zweisitziges Stadtauto, den geistigen Nachfolger des ursprünglichen smart, geben wird“, antwortet uns Dirk Adelmann, CEO von Smart in Europa und ergänzt:
„Es gibt mehr als 2,2 Millionen Fortwo- und Forfour-Besitzer, die nachdrücklich die Einführung neuer Generationen des Modells fordern, aber wir müssen sicherstellen, dass der Geschäftsplan eine positive Rendite für das Unternehmen abwirft, was in diesem Marktsegment nie einfach ist, weshalb es auch mehr und mehr verschwindet.“
Dann hoffen wir mal, das Smart hier noch eine Rechnung findet und aus dem Segment nicht für immer verschwindet. Gern so überraschend, wie man den #5 auf die Räder gestellt hat. Aber einfach stark und groß kann elektrisch jeder….
Den #5 fuhr für uns Joaquim Oliveira; press-inform
Technische Daten: Smart #5 Brabus
Motor: Elektro; vorn / hinten
Leistung: 475 kW 646 PS
Max. Drehmoment: 710 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 3,8 Sekunden
Akkukapazität: 94 kWh
Normverbrauch: 19,9 kW / 100 km
Reichweite: 540 km
Antrieb: Allrad
Leergewicht: ab 2.348 kg
Ladevolumen: 630 - 1.546 Liter
Preis: ab 60.900 Euro