Hafen Rotterdam: Bunkern von Ammoniak getestet
Im Rotterdamer Hafen wurde am vergangenen Samstag ein Pilotprojekt zum Bunkern von Ammoniak zwischen zwei Schiffen an einem Terminal durchgeführt. Mitwirkende waren Trammo, OCI als Eigentümer und Betreiber des Ammoniak-Terminals im Hafen und James Fisher Fendercare.
Der Vorgang sei ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung des Hafens auf Schiffe, die sauberes Ammoniak bunkerten, heißt es. Ammoniak ist ein kohlenstofffreier Brennstoff, bei dem bei der Verbrennung kein CO2 freigesetzt wird. Die ersten Schiffe, die Ammoniak als Bunkertreibstoff verwenden könnten, würden für 2026 oder 2027 erwartet, heißt es weiter.
Minus 33 Grad Celsius kaltes Ammoniak
Bei dem Pilotprojekt wurden 800 Kubikmeter flüssiges, kaltes Ammoniak bei minus 33 Grad Celsius zwischen zwei Schiffen umgeladen. Der eigentliche Umschlag dauerte etwa 2,5 Stunden und wurde entlang eines neuen Kais am APM-Terminal Maasvlakte 2 durchgeführt. Die Demonstration habe den Sicherheitsrahmen des Rotterdamer Hafens für das Bunkern von Ammoniak bestätigt und gezeigt, dass es möglich sei, dies sicher und ohne Freisetzung von Ammoniak im Hafen durchzuführen.
An dem Pilotprojekt, das vom Hafenbetrieb Rotterdam unterstützt wurde, haben verschiedene Parteien mitgewirkt. OCI, Eigentümer und Betreiber des Ammoniak-Terminals im Hafen, arbeitete mit Trammo zusammen, der die beiden Tankschiffe mit dem Ammoniak von OCI lieferte. James Fisher Fendercare stellte Ausrüstung und Fachwissen zur Verfügung, um die sichere Durchführung des Umschlags von Schiff zu Schiff an dem von APM Terminal bereitgestellten Liegeplatz zu gewährleisten. Der Bunkerschifffahrtsbetreiber Victrol stellte bei der Vorbereitung des Pilotprojekts sein Fachwissen über Bunkerung zur Verfügung. Und die DCMR-Umweltschutzbehörde, die Rijnmond Safety Region (VRR) und der Joint Fire Service (GB) waren beteiligt, um einen sicheren und reibungslosen Ablauf des Pilotprojekts zu gewährleisten.
Zukunft mit mehreren Kraftstoffen
Rotterdam ist der zweitgrößte Bunkerhafen der Welt, in dem jährlich rund zehn Millionen Tonnen Treibstoff gebunkert werden. Gemeinsam mit allen Beteiligten im Hafen will der Hafenbetrieb künftig das Bunkern aller alternativen kohlenstoffarmen Kraftstoffe ermöglichen und damit eine größere Nachhaltigkeit in der internationalen Schifffahrt fördern.
Ammoniak habe den Vorteil, dass es kohlenstofffrei sei und damit bei seiner Verbrennung kein CO2 ausgestoßen werde. Bei dem Pilotprojekt sei graues Ammoniak verwendet worden, das die gleichen chemischen Eigenschaften wie sauberes Ammoniak aufweise. Es wird erwartet, dass sauberes Ammoniak mit geringem Kohlenstoffgehalt in Zukunft eine Schlüsselrolle bei der groß angelegten Dekarbonisierung der Schifffahrt spielen wird, so die Hafenbehörde. Die Einführung und der Ausbau von Ammoniak als Schiffskraftstoff sei auch deshalb möglich, weil die Industrie bereits Ammoniak produziere, lagere, transportiere und an die Endverbraucher vertreibe.
Der Hafen von Rotterdam verwendet nach eigenen Angaben das internationale Port Readiness Level Assessment Tool, um sich auf alle neuen Schiffskraftstoffe vorzubereiten. Um den Hafen ordnungsgemäß auf die Aufnahme und das Bunkern von Schiffen mit neuen Kraftstoffen vorzubereiten, würden verschiedene Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass alle regulatorischen, sicherheitstechnischen, infrastrukturellen und versorgungstechnischen Faktoren in Ordnung seien.
Der Hafen habe diese Methode für LNG und zum großen Teil auch für Methanol bereits vollständig umgesetzt, heißt es. Für Ammoniak schließe das Pilotprojekt die Stufe 6 ab und hebe die Bereitschaft des Hafens auf Stufe 7 an, wobei alle Sicherheitsverfahren bereit seien um das Bunkern auf Projektbasis zu ermöglichen.
Mit dieser erhöhten Bereitschaft stelle man sicher, dass der Seehafen auf das Bunkern der ersten mit Ammoniak betriebenen Schiffe vorbereitet sei. Die aus dem Pilotprojekt gewonnenen Erkenntnisse und die eingeführten Verfahren würden an die EU, andere Häfen und relevante Parteien weitergegeben.
Europäische Subventionen
Das europäische MAGPIE-Programm bringt verschiedene Häfen, Forschungsinstitute, Universitäten und Unternehmen zusammen, um gemeinsam an Innovation und Nachhaltigkeit zu arbeiten. Das Konsortium will die Bereitstellung und Nutzung von grüner Energie in den Häfen kombinieren und Innovationen nutzen, um die Effizienz der Logistik zu steigern. Das Programm umfasst mehrere Pilotprojekte, darunter das Ammoniakbunker-Pilotprojekt. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum Mærsk Mc-Kinney Møller Center for Zero Carbon Shipping ist an dem Pilotprojekt beteiligt und will die weitere Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen in der internationalen Gemeinschaft vorantreiben. MAGPIE hat Mittel aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union erhalten.