PKW

VM-Test Mini Aceman SE: Ass sticht nicht

Klar, mehr Platz, aber eben auch weniger "Mini", mit dem viertürigen und kantigen Bruder. Und noch höherer Verbrauch. So bleibt das Konzept, das zwischen Original Mini und dem quobbeligen Countryman E geparkt ist, eingeschränkt reisetauglich, obwohl genau das ein echter USP am Markt wäre.

Hier geht's bunt, aber leider nicht allzu weit: Der Aceman überführt das Effizienzproblem des Mini Cooper eine Klasse darüber. | Foto: G. Soller

Wann ist ein Mini (noch) ein Mini? Das ist die Frage, die sich mit der Neuauflage und der "Zweiteilung der Geschäftsbereiche" in Verbrenner und Elektro erneut stellt. Denn dem Mini Cooper steht unterhalb des ziemlich dicklich gewordenen iX1-Bruders Countryman auch noch der Aceman zur Seite. Der bietet, klar, vier Türen und mehr, aber keineswegs üppig Platz, der aus acht Zentimetern mehr Radstand kommt. Aber: Ist er noch Mini? Schließlich wächst das Außenmaß auf 4,08 Meter, bei immerhin identischer Breite von 1,75 Meter und noch erträglichen 1,51 Meter Höhe. Auch der Wendekreis wächst: 11,1 Meter sind für einen Kleinwagen jetzt nicht mehr so berauschend, aber es handelt sich eben um einen Fronttriebler. Mit 300 Liter zu 210 Liter Kofferraum steht dann zwar deutlich mehr Volumen zur Verfügung, bei umgeklappten Sitzen aber auch nur maximal 1.000 Liter zu gar nicht mal üblen 800 beim "Original"-Mini, der sich mit 3,85 Meter noch stadttauglich kurz ausnimmt. 75 Kilo mehr Zuladung dürfen im Aceman mit, auch nicht die Welt.

Eines schafft der Aceman ganz knapp, der Mini Cooper nicht: Das Tern-Faltrad passt haarscharf in den Kofferraum. Mehr dann aber auch nicht. Sicher, auf den Rücksitzen, zumal über eigene Türen gut zugänglich, ist man im Aceman deutlich besser untergebracht. Aber mal ehrlich, für Kurzstrecken klappt man eben den Sitz nach vorn, Kinder sitzen dann sogar recht bequem im erstaunlich "volumigen" Cooper, selbst Erwachsene kommen heil unter. Und für Langstrecken ist eben auch der Aceman nicht gemacht, obwohl die Räumlichkeiten es hergäben. Leider aber der Antrieb nicht. Oder: Noch weniger als der des Cooper. 

Die China-Plattform lässt beim Laden grüßen

Auf der GWM-Plattform, die der Aceman mit dem Mini und dem Ora 01 teilt, sind kaum mehr als 300 Kilometer drin, die man aus dem identischen 49 kWh-Akku ziehen kann, im Winter wird sogar das ein ziemlicher Eiertanz. Über unsere VM-Testrunde zog der 1,85-Tonner (+100 kg zum Mini SE) dann 21,3 kWh/100 km nach Ladeverlusten, 18,6 kWh/100 km waren es im Betrieb. Was nochmal 2 kWh netto und 2,6 kWh brutto mehr zum Cooper SE bedeutet, der auch schon kein Asket ist für einen "Mini". Den kleineren Speicher mit 38 kWh der Basisversion wollen wir da lieber gar nicht erwähnen ... Das ist umso bedauerlicher, als der Acemen wie der Mini Cooper SE ziemlich langsam lädt: Maximal 95 kW in DC sind drin, 11 kW in AC - und manche gar chinesisch anmutende "Ladehemmung" an unserer AC-Säule inklusive. Über eine Distanz von meist kühlen, aber nicht kalten, winterbereiften 601 Kilometern, die eher ökonomisch gefahren wurden, genehmigte sich der bayrisch-chinesische Elektro-Kleinwagen dann 22 kWh/100 km Brutto, was für dieses Format definitiv zu viel ist und die sonstigen Qualitäten verblassen lässt.

 

Auch der Aceman macht Spaß, aber nicht ganz so viel

Denn die hätte der Aceman durchaus, wenn man mal von der gewollt kantigen, aber eher nicht "Mini-liken"-Optik absieht, die Geschmackssache ist. Auch der Aceman beschleunigt lustvoll und druckvoll in gut sieben Sekunden auf 100 km/h, zieht zackig durch (80-120 km/h 4,4 s), lässt sich recht präzise, wenngleich nicht mehr so messerscharf und knackig durch die Kurven zirkeln und verfügt dabei über eine knarzfrei und bocksteif verarbeitete Karosserie, die hier freilich mit mehr Aufbaubewegungen ob der vergrößerten Hülle aufwartet. Leise summt und surrt der (nach Messwerten eher noch besser als der Cooper) isolierte Kleinwagen auch dahin, es sei denn man aktiviert einen der verspielten "Sound Experiences", auch das Geschmackssache. Dazu kommt ein freudvoll und modisch gestalteter Innenraum mit netten Details wie dem Strickmuster übers Armaturenbrett, bis auf das wenig atmungsaktive Kunstleder bequeme Sitze vorn und hinten, ein üppiges Glasdach (leider nicht Schiebedach), hier mal BMW-mäßig gut eingestellte Fahrerassistenz, die tolle HarmanKardon-Anlage und eine gute Übersicht, die speziell von der kleiner gewachsenen Kollegin in den höchsten Tönen gelobt wird.

Preisfrage: Immerhin steigt man recht günstig ein - in der Basis

Eines aber muss man den Mini-Machern lassen: Die Nutzung der GWM-Plattform übersetzen sie in relativ günstige (Basis)Preise. Und mit sehr fairen 1.000 Euro Viertürerzuschlag und ab 28.200 Euro Brutto inklusive dem etwas stutzig machenden aktuellem Elektrorabatt von 1.500 Euro für den (nicht empfehlenswerten) Aceman E geht es auch ungewohnt günstig los in die bunte Mini-Welt. 3.500 Euro mehr werden dann für den 49er-Akku fällig, die man aber ausgeben sollte, um nicht auf reine Stadtanwendungen zurückgeworfen zu werden. Wer dann aber die freudvolleren "Trims" und das "Package L" auswählt, Harman-Anlage und Glasdach will, der marschiert schnell Richtung 40.000er-Marke. Es bleibt unser Fazit: Wenn schon Mini, dann Cooper, weil er alle Vorteile eines Kleinstwagens in sich vereint und doch erstaunlich viel Platz bietet, der Aceman nicht so viel mehr, bei diversen Nachteilen. In einem sind sich Mini Cooper und Aceman dann aber wieder gleich: Sie heißen Mini, echte BMW sind sie nicht. Dafür fehlt es an Effizienz und Ladetechnik. 

Mini Aceman SE:

Abmessungen:

LxBxH: 4.079 x 1.754 (m. Spiegel 1.991) x 1.514 mm

Radstand: 2.606 mm

Wendekreis: 11,1

Kofferraumvolumen: 300 - 1.005 l

Anhängelast gebr. (bis 8%Steig.) /ungebr.: -- kg / -- kg

Fahrwerk: McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, Reifen: Pirelli Snow Control 195/55 R17

Motor: Permanent erregter Synchronmotor (PSM) GWM

Max. Systemleistung kW (PS): 160 (218)/0 min

Max. Drehmoment: 330 Nm/0 min.

Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h

Batterie: Lithium-Ionen NMC 49,2/54,2 kWh (netto/brutto)

Ladetechnik: 11 kW AC, 95 kW DC

Ladezeit: 0-100 % AC 5:15 h; 10-80 % DC 0:30 min

Messwerte:

Leergewicht Testwagen (inkl. 80-kg-Fahrer): 1.850 kg

Zuladung Testwagen: 385 kg

zul. GG: 2.235 kg

Elastizität 50-80/80-120 km/h (Kickdown Sport-Modus): 2,2/4,4 s.

0-60/80/100 km/h: 4,5/5,8/7,6 s

Geräusch 30/50/60/80/100/120 km/h:

49/51/52/56/57/59 dB(A)

Verbrauch (inkl. Ladeverlust):

City:      20,6 kWh/100 km (0 g CO2)

Land:    18,2 kWh/100 km (0 g CO2)

BAB:     23,2 kWh/100 km (0 g CO2)

Gesamt:  21,3 kWh/100 km (0 g CO2)

Gesamt Bordcomputer: 18,6 kWh/100 km

Preis Mini Aceman SE (Stand 27.3.2025):

ab 32.650 Euro brutto (Essential Trim), 39.630 Euro (Classic Trim, Package L, inkl. Glasdach & HarmanKardon etc.)