Peugeot E-Lion Day: Wir müssen das europäische Auto neu erfinden!
Alain Favey, der neue CEO von Peugeot, gehört zu den angenehmen Zeitgenossen: Arroganz oder Alphatiergehabe liegt ihm komplett fern und er nimmt sich Zeit für alle Fragen, die man in der digitalen Session stellen kann. Aber er erklärt glasklar: Die Zukunft gehört der Elektromobilität und mit den jetzt zwölf Stromern im Peugeot-Programm, von denen drei Vans sind, erklärt er selbstbewusst:
„Wir sind bereit, mit voller Kraft durchzustarten!“
Aber er legt auch Wert auf Kundenerlebnis, Bildung und Umwelt. Die Zahlen stimmen (halbwegs): 2024 führte die Marke das europäische B-Segment und den Markt für leichte Elektro-Nutzfahrzeuge nach eigenen Angaben an: Mit fast 1,1 Millionen verkauften Fahrzeugen und einer Verdoppelung der Elektro-Bestellungen weltweit ist Peugeot auf Erfolgskurs. Doch der Renault 5 setzt dem E-208 zu, weshalb Peugeot die Preise und Raten massiv senkte: Er kostet in Frankreich jetzt ab 24.000 Euro oder ab 99 Euro. Und der 208 war im Januar 2025 wieder Bestseller im Heimatmarkt, was auch daran liegt, da Erzrivale Renault in dem Segment mit Clio und R5 mit zwei Modellen antritt.
Am, anderen Ende der Palette steht die neue 5-Sitzer-Version des E-5008: Mit einem Kofferraumvolumen von 994 Litern (bei hochgeklappter Rückbank) und 2.310 Litern bei umgeklappter Rückbank übertrifft dieser SUV die meisten Wettbewerber in seinem Segment.
Aber auch Details hat man im Blick, zumal sich Favey als klassischer B2B-Kunde seiner Marke sieht. Neben der Modellvielfalt legt er großen Wert auf Effizienz und Nachhaltigkeit. Die vollelektrischen Fahrzeuge E-208 und E-308 wurden im ADAC Ecotest 2024 als sehr effiziente Modelle ausgezeichnet. Ein neues Batterievorwärmsystem reduziert die Ladezeiten bei niedrigen Temperaturen und erleichtert längere Fahrten auch bei widrigen Bedingungen. Über den Trip Planner können Fahrer künftig die Batterie optimal vorheizen und Ladepausen effizienter gestalten.
Für Kunden, die ihren ersten Schritt in Richtung Elektrifizierung machen möchten, hat Peugeot ein umfangreiches Hybridangebot entwickelt. Der 48V-Hybridantrieb bietet 136 PS, senkt den Kraftstoffverbrauch um bis zu 15 % und ermöglicht es, im Stadtverkehr bis zu 50 % der Zeit elektrisch zu fahren. Für noch mehr Flexibilität stehen auch Plug-In-Hybrid-Modelle mit einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 85 km zur Verfügung, darunter der 3008, 508 und 408.
Man legt großen Wert auf sorgenfreie Erfahrungen der Kunden
Eine große Baustelle vor allem in Deutschland ist die Kunden-Erfahrung. Hier stellen unmotivierte Händler der Marke immer mal wieder ein Bein: Sei es, das Autos nach Serviceterminen, obwohl man erklärte, dass sie abgeholt werden können, dann DOCH nicht fertig sind, sei es, dass Peugeot eine von vielen Marken auf einem eher lustlos zusammengepuzzelten Markensammelsurium ist oder dass es kaum gute Angebote für konkrete B2B-Anfragen gibt.
Da ist man in Frankreich dezent stärker und aufmerksamer: Man gibt eine 8-jährige Garantie auf die Batterie und das Fahrzeug (sofern man es die ersten zwei Jahre immer zur Vetragswerkstatt bringt) auch eine kostenlose Wallbox für das Laden zu Hause sowie den Free2Move Charge Pass umfasst. Dieser ermöglicht den Zugriff auf eine Million Ladestationen in Europa und macht die Nutzung der Elektromobilität noch einfacher und sorgenfreier.
Nachhaltigkeit und Bildung sind ebenfalls zentrale Themen der Strategie. Gemeinsam mit Partnerorganisationen wie Born Free und Under the Pole setzt sich Peugeot für den Schutz von Wildtieren und die Erforschung der Ozeane ein. Die Kampagne „Powered by Lions“ verwandelte im Jahr 2024 Pariser Ladestationen in Löwenskulpturen und kombinierte so Umweltbewusstsein mit Kunst. Im kommenden Jahr wird Peugeot mit dem Verein Born Free im Kenya Feline Sanctuary zusammenarbeiten und dessen Arbeit mit Fahrzeugen und logistischer Unterstützung fördern.
Auch die Produktion wird nachhaltiger
Die Produktion wird zunehmend nachhaltiger: Bereits 85 % der Materialien des E-3008 sind recycelbar. 40 % der Kunststoffteile wie Armaturenbrett und Bodenbeläge bestehen aus recycelten Materialien. Zudem nutzt Peugeot an seinen Standorten bereits zu 60 % dekarbonisierten Strom – mit dem Ziel, bis 2030 vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen.
Spannend war dann die folgende Q+A-Session, bei der es auch Fragen zur Zukunft der Marke gab: etwa, ob man auch an eine Retroversion des 205 denke, das Label GTI wiederbelebe oder unsere Frage, ob man außerhalb der aktuellen Baureihen wieder ganz neue Peugeot-Modelle plane.
Ersteres wurde klar verneint, da der 208 stark für sich selbst steht. Ein neuer E-208- oder E-308 GTI, nun ja, darüber könne man schon laut nachdenken und ganz neue Modelle, kleiner als der E-208 oder auch ein sportliches Modell? Oh ja, darüber denke man ganz sicher nach, denn laut Favey gehe um nichts weniger, als die europäische Autoindustrie neu zu erfinden! Und ein Stück weit auch darum, Peugeot wieder neu zu erfinden. Konkreter wollte er nicht werden, außer dass man noch den idealen Zeitpunkt abwarte, hier Neues zu kommunizieren.
Immerhin konnte man den Marktanteil im Januar 2025 in Frankreich wieder um 0,6 Prozentpunkte auf 17,4 % erhöhen, während man sich in Deutschland mit 2,4% zufriedengeben muss, und damit klar hinter Dacia mit 2,8% liegt, aber vor Renault mit 2,0%. Allerdings blieb man hier gegenüber dem Gesamtjahr 2024 unverändert.
Faveys Hoffnung ist jedoch- auch für seine Enkel:
„Wir haben alle Voraussetzungen, um Peugeots Erfolg zu sichern und zur führenden Marke der Elektromobilität zu werden. Gleichzeitig übernehmen wir Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft – für die kommende Generation.“
Wichtig ist ihm dabei auch immer der „Peace of mind“ – den man in Deutschland sicher eher hätte, wenn manche Händler sich mit der Marke eine Idee mehr Mühe geben würden.
Was bedeutet das?
Aktuell stellt Peugeot eher die kleinen Schräubchen nach. Muss sich aber, so viel ist klar, trotzdem auch ein Stück weit neu erfinden. Man darf gespannt sein, auf welche Weise das geschehen wird.
Quellen: Peugeot Live-PR-Konferenz