Cupra Terramar: Der siebte im Bunde
Sharknose, drei dreieckige aufglimmende Tagfahrleuchten: Der Terramar folgt voll der durchaus individuellen Cupra-Design-DANN, die er innen fortsetzt: Kupferfarbige Akzente und Kunststoffe mit „parametrischer Struktur“, die, da Hartplastik leider etwas aussehen, als hätte man einem Playmobildrachen seinen Schuppenpanzer geraubt – immerhin ging das Interieurdesign hier etwas sparsamer damit um als im Terramar. Zusammen mit feinen Ziernähten und ebenfalls parametrischen Einlegern in den alcantara-artigen Bezügen sorgt das für die Cupra-typische Individualität innen, gern an der Grenze zum Kitsch, aber: Man will nicht jedem Gefallen und baut dann eben doch auch Großserie, die den VW-Konzernbaukasten nutzt.
Fein fahrwerken kann auch der Terramar
Der dafür sorgt, dass man sich sofort zurechtfindet im Terramar, dass er seinen Raum gut nutzt und dass er herrlich fahrwerkt. Die präzise Lenkung geht eine feine Symbiose mit dem komfortabel federnden und dämpfenden Fahrwerk ein, das trotzdem immer straff genug ist, um als „präzise“ zu gelten. Und wir wundern uns immer wieder, warum kein anderer Großserienkonzern so auf den Punkt „fahrwerken“ kann.
Gut, für einen Cupra dürfte es unserer Meinung nach gern noch etwas straffer sein, das ändert sich auch in „Sport“ oder „Cupra“ nicht, muss aber auch nicht zwingend sein. Bis wir auf die „Ice Tracks“ abbiegen, wo wir den Terramar auch mal driften und „fliegen“ lassen dürfen, um mal schnell an die Grenzbereiche zu kommen: Auch da bleibt er mustergültig brav und man muss das Heck schon mit einem abrupten Gaspedallupfer zum Heraustanzen überreden. Interessanterweise legt ihm das ESP in „Cupra“ strengere Zügel an als im „Sport“-Mode, in dem man die elektronischen Helfer durch sechssekundiges Drücken auch komplett schlafen legen kann.
Spielt im Alltag alles eher keine Rolle – was theoretisch ginge, wenn man demonstriert uns kurz darauf Racer Jordi Gené, der einen Formentor VZ ausschließlich quer über die präparierten Eiswiesen treibt und sich dabei am Torquesplitter freut, der die Kraft an der Hinterachse auch noch zwischen den beiden Rädern aufteilt.
Zeit, wieder geradeaus zu fahren und zwar weiter Richtung Zell am See. Unser Ziel: Am Schüttgut 15 – für Auto- und vor allem Porsche-Enthusiasten sowas wie Mekka – das Familiengut der Familie Porsche. Mit der Cupra ja indirekt verwandt ist. Und so trödeln wir durch Saalfelden nach Zell am See, immer an der Leine gehalten von Staus in den größeren Orten und Starenkästen, die akribisch über die Geschwindigkeit wachen. Weshalb wir das Tempolimitgebimmel nicht wegklicken (ginge mit drei Touchern). Das Navi leitet präzise, der Sennheiser-Sound klingt fein, aber nicht aufdringlich oder basslastig und wir freuen uns an der stillen konzerntypischen Perfektion, die auch dem „wilden“ Terramar innewohnt, der im Grunde genommen nur ein VW Tiguan im punkigeren Outfit ist. Am Schüttgut steht zwar „privat“ und „Porsche parking only“, aber da wir im Konzernauftrag unterwegs sind, müssen trotzdem ein paar Fotos sein.
Mut liegt in der Familie
Mutig von Porsche: Die Skulptur des „Fat convertible“ des Künstlers Erwin Wurm, der vor dieser einen ebenso verfetten 911 schuf und damit die Verfettung der Autos im Allgemeinen und des Porsche 911 im Besonderen anprangerte. Unser 272 PS starke Terramar bleibt hier mit gut 1,9 Tonnen gerade noch im Rahmen…
Nach exakt 75 Kilometern ist der Akku leer und der Verbrenner springt leise an. Interessant: Wann immer es geht, also in Bergab- oder gar nur Rollphasen lädt der Terramar seine Akkus wieder und versucht weiter, so viel wir möglich elektrisch zu fahren! Well done – auch hier: Stille Perfektion.
Am Ende unserer 110 Kilometer langen Tour haben wir 2,2 Liter und 26,2 kWh/100 km verbraucht. Auch das bleibt im Rahmen. Weniger im Rahmen bleibt der Preis, denn unser All-in-Terramar kostet als Plug-in eben dann auch 66.565 Euro netto. Perfektion hat eben ihren Preis. Trotzdem ist der Brückenschlag zum Tavascan gut gelungen.
Was bedeutet das?
Wer sich also noch nicht ganz an den Vollstromer rantraut und wem der Ateca zu klein und altbacken ist, der könnte in dem Neuzugang made in Györ eine interessante Alternative finden.