Halbleiterproduktion in der EU: Fujifilm baut belgisches Werk aus.
Fujifilm baut den Standort in Belgien aus. Mit neuen Produktionsanlagen für CMP-Schleifmittel. Zudem werden bestehende Anlagen für Fotolithografie-Materialien erweitert. Das ist deshalb so erfreulich, weil e smit der Produktion von Halbleitern zusammenhängt – in Europa!
Halbleiter sind das Herzstück fast aller Technologien, von Autos über Smartphones bis hin zu Fabrikrobotern. Mit dieser Investition in Höhe von rund 25 Millionen Euro (4 Milliarden Yen) reagiert Fujifilm auf die wachsende Nachfrage nach leistungsstarken Halbleitern, insbesondere in Europa, wo die Digitalisierung der Industrie rasant voranschreitet. Wir erklären die wichtigsten Punkte zu den Investitionen.
Was sind CMP-Schleifmittel?
CMP-Schleifmittel sind ein Hightech-Produkt, das für die präzise Oberflächenbearbeitung von Halbleitern verwendet wird. Bei Halbleitern treffen Schichten aus Leitungsdrähten und Isolationsmaterialien mit unterschiedlicher Härte aufeinander. Hier kommen CMP-Schleifmittel ins Spiel: Sie tragen das Material ganz gleichmäßig ab und sorgen so für eine perfekt glatte Oberfläche, die für die Funktionalität des Chips entscheidend ist. Fujifilm hat hierfür eine eigene Technologie entwickelt, die weltweit gefragt ist.
Warum tätigt Fujifilm diese Investition jetzt?
Die Nachfrage nach Halbleitern boomt: 5G und 6G ermöglichen ultraschnelle Kommunikation, KI (Künstliche Intelligenz) und das Metaverse eröffnen neue digitale Welten, und autonomes Fahren wird bald Realität. All diese Entwicklungen benötigen modernste Halbleitertechnologie. Um dieser steigenden Nachfrage gerecht zu werden, investiert Fujifilm weltweit kräftig in Forschung, Entwicklung und Produktionskapazitäten – insgesamt 170 Milliarden Yen über die nächsten drei Jahre (2024–2026).
In Europa konzentriert sich Fujifilm auf die Erweiterung seines Standorts in Zwijndrecht (Belgien). Das Ziel ist klar: noch mehr CMP-Schleifmittel und Fotolithografie-Materialien produzieren, um den Bedarf europäischer Unternehmen besser bedienen zu können.
Ein globales Produktionsnetzwerk. Das neue Werk in Belgien ergänzt die bereits bestehenden CMP-Schleifmittel-Produktionsstätten in den USA (Arizona), Taiwan (Hsinchu und Tainan), Südkorea (Cheonan) und Japan (Kumamoto). Mit dieser Erweiterung hat Fujifilm künftig sechs Produktionsstandorte für CMP-Schleifmittel weltweit. Das bedeutet nicht nur mehr Kapazität, sondern auch eine deutlich stabilere Versorgung für Kunden.
Worauf muss man bei Fotolithografie-Materialien achten und wozu braucht man diese?
Neben CMP-Schleifmitteln wird Fujifilm in Belgien auch die Produktion von Entwicklerlösungen ausbauen, die im Fotolithografieprozess eine Schlüsselrolle spielen. In dieser Phase der Halbleiterherstellung werden Schaltkreise mit hoher Präzision auf die Waferoberfläche aufgetragen. Entwicklerlösungen sorgen dafür, dass nur die gewünschten Bereiche des Wafers bearbeitet werden, während der Rest geschützt bleibt – ein entscheidender Schritt für die Genauigkeit und Leistungsfähigkeit moderner Chips.
Fujifilm: Vom Film- zum Hightec-Anbieter
Fujifilm bietet ein komplettes Portfolio an Materialien für nahezu jeden Schritt in der Halbleiterfertigung – von der Waferbearbeitung bis zur Endveredelung - hier sind die Wichtigsten erklärt:
Fotoresists: Eine Art lichtempfindlicher Lack, der beim Zeichnen von Schaltkreismustern auf dem Wafer verwendet wird.
Dünnfilm-Chemikalien: Materialien für die Bildung von Isolationsschichten mit niedriger Dielektrizitätskonstante, die elektrische Verluste minimieren.
Polyimide: Ein hitzebeständiges und stark isolierendes Material, das als Schutzschicht oder Verdrahtungsebene dient.
Hochreine Prozesschemikalien: Diese Chemikalien entfernen mikroskopisch kleine Verunreinigungen und Rückstände während der Reinigung und Trocknung, damit der Halbleiter makellos bleibt.
Besonders spannend ist Wave Control Mosaic, eine Technologie zur Steuerung elektromagnetischer Lichtwellen über ein breites Wellenlängenspektrum. Diese Materialien werden für Farbfilter in Bildsensoren (wie CMOS-Sensoren in Kameras und Smartphones) eingesetzt und ermöglichen gestochen scharfe Bilder.
Mit diesen Investitionen und der erweiterten Produktion in Belgien will Fujifilm seine Position als führender Anbieter von Halbleitermaterialien weiter stärken. Das Unternehmen ist nicht nur Lieferant, sondern auch ein strategischer Partner für seine Kunden.
Was bedeutet das?
Neben Kodak kannte man Fujifilm vor allem für die Herstellung von Filmen für Kameras. Seit der Digitalfotografie ist die marke wie Kodak eigentlich aus allen Regalen und damit auch aus der Wahrnehmung der Endverbraucher verschwunden. Aber sie lebt! Aktiver den je: Während man Kodak vor allem noch von Schnellentwickelautomaten in Drogeriemärkten kennt, hat sich Fujifilm auf Halbleitermaterialien gestürzt – prozesstechnisch nicht so weit weg vom Film. Mit der jüngsten Investition bereitet der Konzern den Weg für die nächste Generation der Halbleiter und unterstützt damit die Digitalisierung und technologische Zukunft Europas.