Round Table in Coventry: Jaguar hält Kurs!
Der Noch-Finanzvorstand von Tata Motors übernimmt im November das Steuer bei JLR – und plant, Jaguar komplett in eine rein elektrische Luxusmarke zu verwandeln. Der Plan ist seit Jahren beschlossen, und Balaji ist der Letzte, der ihn in die Garage schiebt. Kritische Stimmen? Die perlen offenbar ab wie Regen auf einem frisch polierten F-Type. Erste Präsentationen wurden laut ihm begeistert aufgenommen – oder zumindest so verkauft.
Der Generationswechsel verläuft so radikal, dass Ende 2024 fast die gesamte Produktion angehalten wurde. Nur der SUV F-Pace darf als tapferer Platzhalter weiterrollen, bis die neue Modellgeneration aufschlägt. Eine Lücke im Modellprogramm? Absicht! Schließlich soll der Neustart nicht schleichend, sondern mit einem Paukenschlag kommen.
Es bleibt bei zwei Plattformen: Auf der JEA werden nur Jaguar stehen
Den Auftakt gibt der GT, der Ende 2024 mit einer auffälligen Kampagne und dem Konzept „Type 00“ vorgestellt wurde – das erste neue Modell seit dem I-Pace von 2018. Zwei Elektromotoren mit zusammen etwa 600 kW, rund 777 Kilometer Reichweite und ein minimalistisches Hightech-Interieur – ganz so, als hätte James Bond einen Designauftrag erteilt. Der Preis? Ab etwa 150.000 Euro.
Technische Basis ist die brandneue JEA-Plattform, exklusiv für Jaguar, damit kein Range Rover ungefragt mitfährt. Neben dem GT sind ein großes Crossover-SUV mit drei Sitzreihen (Marktstart wohl 2027/28) und eine Luxuslimousine im Duell mit Rolls-Royce und Bentley (Start um 2029) geplant. Vor allem Letztere erzeugt Stirnrunzeln, denn Jaguar kommt eigentlich von Sportwagen, doch die befinden sich bis auf immer teurere Hypercars weltweit im Rückwärtsgang…trotzdem: Ob man von Jaguar einen Anti-Ghost erwartet? Sollte dann zumindest viel schlanker und dynamischer rüberkommen.
Es bleibt bei Britishness mit einem Hauch Exzentrik
Beim exklusiven Roundtable im Hauptquartier in Coventry Ende 2024 zeigten Designerinnen und Materialexperten, wohin die Reise geht: britisch, kreativ, disruptiv – und mit dem berühmten „besonderen Twist“. Messing aus einer Gießerei in Birmingham, Handwerkskunst aus ganz Großbritannien und ein Hauch Exzentrik sollen auch im Elektrozeitalter den Union Jack hochhalten.
Rawdon Glover, Managing Director von Jaguar, sprach offen darüber, dass die Jahre 2025 und 2026 wirtschaftlich eher Diätjahre werden. Doch Land Rover mit seinen Defender- und Range-Rover-Verkäufen sorgt für den nötigen finanziellen Spielraum. Insgesamt fließen 16 Milliarden Pfund in neue Plattformen, Technologien und Produktionsprozesse – der Jaguar-Anteil ist so kalkuliert, dass der Neustart nicht nur möglich, sondern unvermeidlich wirkt.
Für Jaguar rechnet man mit 80 Prozent weniger Kunden
Glover rechnet mit einem Kundenverlust von bis zu 80 Prozent – klingt dramatisch, ist aber Teil des Plans. Jetzt rechnen wir schnell nach: Nimmt man die starken Zahlen von Jaguar aus dem Jahr 2018 von gut 180.000 Einheiten, würden wir bei gut 36.000 Verkäufen liegen. Nimmt man die gut 61.000 Einheiten von 2022, würden wir bei gut 12.000 Raubkatzen landen. Also gehen wir mal vorsichtig von 7.000 bis 10.000 projektierten Einheiten aus.
Die wichtigsten Märkte bleiben Nordamerika, China, Deutschland und Großbritannien – zusammen mit ein paar anderen Luxus-Hotspots rund zehn Länder, die für 85 Prozent des Absatzes stehen. Ziel: neue Käufer anlocken, vor allem wohlhabende Mehrwagenbesitzer, für die ein elektrischer Jaguar nicht nur ein Auto, sondern ein Statement ist.
Was bedeutet das?
Mit dem GT will Jaguar zeigen: Wir sind zurück – moderner, luxuriöser, eigenständiger. Und wenn es nach Balaji geht, ist dieser Kurs kein kurzfristiges Projekt, sondern das Herzstück der Zukunft. Oder, um es im typischen britischen Understatement zu sagen: „Quite a bold move.“
Quelle: Automobilwoche, Elektroauto-News.net