PKW

Polestar: Chinesischer Markt bricht weg

Laut Car News China soll Polestar im ersten Halbjahr 2025 nur noch 69 Fahrzeuge in China verkauft haben. Womit die China-Aktivitäten der Geely-Tochter auf der Kippe stehen könnten. In Europa startet man dagegen weiter durch.

In China sieht man rot: Die Verkäufe brachen dort im ersten Halbjahr 2025 regelrecht zusammen. | Foto: Polestar

Die Verkaufsaktivitäten von Polestar in China machen gerade eine – sagen wir „kreative Pause“. Laut verschiedenen Medienberichten hat die Elektromarke den Online-Vertrieb in der Volksrepublik ganz eingestellt und betreibt dort aktuell nur noch eine einzige Direktverkaufsfiliale. Im April und Mai soll Polestar laut Insidern genau null Fahrzeuge verkauft haben. Dazu passt die Aussage von CarNewsChina berichtet, das Polestar im gesamten ersten Halbjahr 2025 gerade einmal 69 Fahrzeuge in China an Kundinnen und Kunden brachte  – eine Bilanz, die selbst mit sehr viel Wohlwollen kaum als Erfolg durchgeht.

Polestar ist in China kaum noch aktiv

Gründe dafür? Fehlende Nachfrage auf der einen, stark zurückgefahrene Aktivitäten auf der anderen Seite. In Shanghai existiert laut Medienberichten immerhin noch eine Verkaufspräsenz – eine Art letzter Leuchtturm in stürmischer See. Probefahrten gibt’s nur noch nach vorheriger telefonischer Anmeldung. Online kann man zwar nicht mehr bestellen, dafür aber noch die Hoffnung nicht verlieren.

Einige Beobachter – wie CarNewsChina unter Berufung auf NBD Auto – werten die Lage bereits als Vorboten eines kompletten Rückzugs aus dem Reich der Mitte. Andere, wie die Nachrichtenagentur Yicai, sehen darin lediglich eine strategische Neuausrichtung – Polestar wolle sich neu aufstellen und in China „wieder Fahrt aufnehmen“. Klingt ambitioniert, wenn auch etwas aus dem Stand.

Zum chinesischen Markt gibt es unterschiedliche Aussagen

Interessanterweise klang das im April, zur Auflösung des Joint Ventures mit Star Meizu, noch ganz anders. Damals hieß es noch selbstbewusst: „Die Parteien beenden das Joint Venture aufgrund einer Änderung des Marktfokus und der Strategie. Polestar wird sich weiterhin voll und ganz dem chinesischen Markt widmen und seine langfristige Strategie für Wachstum und Innovation weiterverfolgen und gleichzeitig seine Position als Premiummarke in China schützen.“ Klingt fast so, als hätte man vergessen, den Vertrieb mitzunehmen.

Klar ist: Polestar muss in China dringend etwas tun – oder es lassen. Die Zahlen sprechen Bände. Bereits im April wurde das erst 2023 gegründete Gemeinschaftsunternehmen „Polestar Times Technology China Co.“ wieder eingestampft. Es war eigentlich für alles zuständig – von Design über Softwareentwicklung bis Vertrieb. Die Führungsriege wird ebenfalls durchgewirbelt: CEO Wu Huijing ist weg, ersetzt durch Hu Shiwen – als Rechtsvertreter zumindest.

International nimmt die Marke wieder Fahrt auf

Während es in China also eher nach Rückzug als nach Expansion aussieht, zeigt sich Polestar auf internationalem Parkett deutlich dynamischer. Weltweit wurden im ersten Halbjahr 2025 immerhin 30.300 Fahrzeuge verkauft – ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr! Neue Modelle, neue Märkte (z. B. Frankreich) und ein neuer Vertriebskanal über das Volvo-Händlernetz haben offenbar gewirkt.

Dabei ist China für Polestar nicht nur irgendein Markt. Es ist gleichzeitig Produktionsstandort, Absatzmarkt und – dank der Muttergesellschaft Geely – auch das wirtschaftliche Zuhause. Zwar residiert Polestar offiziell im schwedischen Göteborg, doch gefertigt wird überwiegend in China. Und auch der Einfluss aus dem Reich der Mitte wächst: Erst im Juni gab es von PSD Investment Limited – einem Investor der Geely Holding Group – eine Finanzspritze in Höhe von 200 Millionen US-Dollar. Damit stockte Geely-Boss Li Shufu seinen direkten Anteil an Polestar auf satte 66 Prozent auf.

Parallel dazu reduzierte die Volvo Cars Group – früher Mitbegründer von Polestar – ihren Anteil erneut: von 18 auf nur noch 16 Prozent. Zur Erinnerung: Bereits 2024 hatte Volvo seine Beteiligung von 48 auf 18 Prozent reduziert und die Anteile an die eigenen Aktionäre abgegeben – sprich: vor allem an Geely. Ergebnis: Polestar wurde – zumindest formell – ein eigenständiges Mitglied im Geely-Imperium. Auch eine Art Befreiungsschlag, wenn auch mit goldenen Handschellen.

Polestar hat weitere (starke) neue Modelle im Köcher

Apropos Geld: Die 200 Millionen Dollar kamen nicht gerade zur Unzeit. Polestar ist finanziell stark unter Druck, investiert aber weiterhin kräftig in neue Modelle. Der sportliche Polestar 5 (viertüriges GT-Modell), der elegante Roadster Polestar 6 und – ab 2026 – das kompakte SUV Polestar 7 (aus europäischer Produktion in der Slowakei) sollen frischen Wind bringen. Und hoffentlich auch frische Einnahmen.

Was bedeutet das?

Ob Polestar in China wieder durchstartet oder dort bald nur noch die Bürolichter flackern – das bleibt abzuwarten. Derzeit wirkt die Lage jedenfalls so, als würde man auf einem wichtigen Heimatmarkt lieber die Bremslichter zeigen.

Quellen: CarNewsChina, electrive.net