LKW

Autonome Terminalfahrzeuge: HHLA TK Estonia setzt auf Fernride-Technologie

Der Terminal in Muuga setzt als einer der ersten in Europa auf autonome Zugmaschinen ohne Sicherheitsfahrer. Genehmigung und Zertifizierung liegen vor.

Fahrerloses Fahrzeug von Fernride am Containerterminal HHLA TK Estonia – Teil des Pilotbetriebs für automatisierten Umschlag. (Foto: HHLA/Fernride)

Fernride hat auf dem Gelände des Multifunktionsterminals HHLA TK Estonia im Hafen von Muuga bei Tallinn mit der operativen Umstellung auf den fahrerlosen Betrieb von Terminal-Zugmaschinen begonnen. Die Umstellung erfolgt schrittweise und ohne Sicherheitsfahrer. Aktuell sind drei autonome Fahrzeuge des Unternehmens im Terminal im Einsatz.

TÜV-Zertifizierung und behördliche Freigabe

Die Betriebsaufnahme folge auf die Zertifizierung des Sicherheitskonzepts und des Systemdesigns durch TÜV SÜD sowie die Genehmigung durch die estnische Verkehrsbehörde (ETA), heißt es dazu in einer gemeinsamen Pressemeldung vom 10. Juli 2025. Den Angaben zufolge handelt es sich um die erste TÜV-SÜD-Zertifizierung für eine autonome Terminal-Zugmaschine gemäß der EU-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Die Zertifizierung umfasst das gesamte Fahrzeugsystem einschließlich Sensoren, Rechentechnik und Software und bestätigt die Einhaltung von Anforderungen an Sicherheit, Cybersicherheit und Systemzuverlässigkeit.

Benedikt Pulver, Leiter der Abteilung Maschinensicherheit bei TÜV SÜD, erklärte:

„Fernride ist das erste Unternehmen, das die TÜV SÜD-Zertifizierung für eine spezifische Hafenanwendung mit autonomen Trucks erhalten hat.“

Umsetzung im Terminalbetrieb

Seit Januar 2023 arbeiten Fernride und HHLA TK Estonia im Rahmen eines gemeinsamen Projekts daran, die fahrerlosen Systeme in den regulären Terminalbetrieb zu integrieren. Laut Mitteilung wurden strukturierte Rollout-Szenarien und standardisierte Verfahren eingeführt, um das Terminalpersonal für den Einsatz autonomer Zugmaschinen zu qualifizieren.

Riia Sillave, Geschäftsführerin von HHLA TK Estonia, erklärte dazu:

„Der Eintritt in die Phase des fahrerlosen Terminalverkehrs ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, digitaler Vorreiter und Testfeld zu sein – nicht nur für unsere Zusammenarbeit mit Fernride, sondern für die Zukunft des Terminalbetriebs weltweit. Als einer der ersten Terminals, die diesen Schritt gehen, gestalten wir den Weg zu einer intelligenteren Logistik. Wir sind davon überzeugt, dass Innovation nur mit dem Know-how unserer Mitarbeiter gelingt – das Engagement unseres Teams ist dabei die Grundlage für die Integration dieser Technologie in den täglichen Betrieb.“

Hendrik Kramer, CEO und Mitgründer von Fernride, äußerte sich wie folgt:

„Dies ist ein entscheidender Moment nicht nur für Fernride, sondern für die gesamte autonome Logistikbranche in Europa. Von Anfang an haben wir Sicherheit zur Grundlage all unserer Entwicklungen gemacht. Die Erfüllung der strengsten europäischen Vorschriften erforderte enorme Anstrengungen, und ich bin unglaublich stolz auf das Engagement und die Präzision unseres Teams während dieses gesamten Prozesses. Diese Zertifizierung beweist, dass unsere Technologie nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis die höchsten Sicherheitsstandards erfüllt, und bringt uns einen Schritt näher an die kommerzielle Realisierung der autonomen Logistik in der gesamten EU.“

Unternehmenshintergrund

HHLA TK Estonia betreibt im Hafen von Muuga nahe Tallinn ein Multifunktionsterminal für Container, Stückgut, Schüttgut und Ro-Ro-Verkehre. Der Standort ist an das estnische Schienennetz angebunden und über die Straße gut erreichbar.

Fernride entwickelt Automatisierungslösungen für Lkw in der Hof- und Hafenlogistik. Grundlage ist das Konzept der „human-assisted autonomy“, bei dem autonome, elektrisch betriebene Lkw bei Bedarf fernüberwacht und ferngesteuert werden können. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben mit Partnern wie Volkswagen, HHLA und DB Schenker zusammen und beschäftigt mehr als 150 Mitarbeitende.