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Urlaub bleibt Luxus: Millionen Deutsche können sich keine Auszeit leisten

Die finanziellen Hürden für eine einwöchige Reise bleiben für viele hoch. Vor allem bestimmte Haushaltstypen sind überdurchschnittlich oft betroffen. Die Unterschiede zwischen einzelnen EU-Ländern sind teils drastisch.

Für viele beginnt der Urlaub am Gate, für andere bleibt er Wunschdenken: Besonders Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern kämpfen mit Reiseverzicht aus Kostengründen. | Bild: Joshua Woroniecki via Pixabay

Im Jahr 2024 konnte sich laut Destatis rund ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland keine einwöchige Urlaubsreise leisten. Wie das Statistische Bundesamt auf Basis der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) mitteilt, waren 21 Prozent der Bevölkerung betroffen – das entspricht etwa 17,4 Millionen Menschen. Gegenüber dem Vorjahr (2023: 23 Prozent) ist dieser Anteil leicht zurückgegangen.

Alleinerziehende besonders häufig betroffen

Am stärksten betroffen waren Haushalte mit Alleinerziehenden: 38 Prozent von ihnen gaben an, sich keine einwöchige Reise außerhalb des eigenen Zuhauses leisten zu können. Auch Alleinlebende waren überdurchschnittlich häufig betroffen (29 Prozent).

In Haushalten mit zwei Erwachsenen lag die Quote deutlich niedriger: Ohne Kinder waren 15 Prozent betroffen, mit Kindern 19 Prozent. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang mit der Kinderzahl: In Haushalten mit zwei Erwachsenen und ein bis zwei Kindern konnten sich 16 Prozent keine Reise leisten, bei drei oder mehr Kindern stieg der Anteil auf 29 Prozent.

Bild: Statistisches Bundesamt

Alleinerziehende und kinderreiche Familien sind am stärksten betroffen: Laut EU-SILC-Erhebung 2024 kann sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung in bestimmten Haushaltstypen keine einwöchige Urlaubsreise leisten. | Foto: Statistisches Bundesamt

Deutschland unter EU-Durchschnitt

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland unter dem Durchschnitt: EU-weit konnten sich 2024 laut Eurostat 27 Prozent der Bevölkerung keine einwöchige Urlaubsreise leisten. Die geringsten Anteile betroffener Personen verzeichneten Luxemburg (9 Prozent), Schweden (12 Prozent) und die Niederlande (13 Prozent). Am häufigsten war die Situation in Rumänien (59 Prozent), gefolgt von Griechenland (46 Prozent) und Bulgarien (41 Prozent).

Datenbasis und Erhebungsmethodik

Die Angaben beruhen auf der europäischen Gemeinschaftsstatistik EU-SILC, die in Deutschland seit 2020 als Unterstichprobe im Mikrozensus erhoben wird. Die Befragung erfasst unter anderem, ob ein Haushalt finanziell in der Lage ist, mindestens einmal pro Jahr für eine Woche außerhalb des eigenen Zuhauses Urlaub zu machen. Dazu zählen auch Aufenthalte bei Freunden oder Verwandten sowie Reisen in eigene Ferienunterkünfte. Die Ergebnisse dienen als Indikator für materielle und soziale Entbehrung (Deprivation). Ein Vergleich mit den Jahren vor 2020 ist aufgrund methodischer Änderungen nicht möglich.

Weitere Informationen

Diese und weitere Ergebnisse der Erhebung EU-SILC 2024 sind im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes auf der Themenseite "Einkommen und Lebensbedingungen, Armutsgefährdung“ sowie in der Datenbank GENESIS-Online (Tabellen 12241) veröffentlicht. Die Ergebnisse im EU-Vergleich können aus der Eurostat-Datenbank abgerufen werden.