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VM-Vorstellung Nissan Leaf: Der Pionier ist zurück - mit 600 Kilometern Reichweite

Einst der volkstümliche Vorreiter der E-Mobilität hat der Leaf zwischenzeitlich den Anschluss verpasst. Jetzt will er die Lücke wieder zufahren. Mit komplett neuem Setup, 436 und 604 Kilometer Reichweite dank guter Effizienz sowie Aerodynamik und noch immer großem Kofferraum und geräumigem Interieur. 

Kompakte Größe: Mit 4,35 Meter Länge hält der Leaf Maß. | Foto: Nissan

Unglaublich, wie die Zeit vergeht - und wie sie leider auch am Nissan Leaf vorrübergeht, zwischenzeitlich: 2010 feierte die Generation 1 Premiere und diente als Eisbrecher für die elektrische Volks-Wagen-Klasse, als Marken wie Volkswagen von solchen Fahrzeugen nicht mal träumen konnten - oder wollten, denn man hatte ja die "guten alten Verbrenner". Er war das erste, rein als BEV konzipierte Großserienauto. Sieben Jahre lief die glattgeschliffene erste Generation, bevor sie von der zweiten Generation abgelöst wurde, die aber nicht mehr an die frühen Erfolge anknüpfen konnte.

Trotzdem: 2019 war der Leaf noch das meistverkaufte E-Auto der Welt. Insgesamt 700.000 mal rollte er von den Händlerhöfen. Dann ist irgendwie der Faden gerissen respektive starke Konkurrenz kam auf. Seit 2020 sinkt das "Blatt" langsam zu Boden, 2022 wurden in Deutschland nur noch 3.600 Exemplare abgesetzt, danach war Schluss. Das Package war bis zum Schluss eigentlich nicht schlecht, viel Platz für fünf Personen, großer Kofferraum, gute Performance, aber die Reichweite und Effizienz ziemlich mau, speziell im Winter und bei Kälte schrumpfe der Radius arg, der Lader dagegen arg lahm - oder mit japanischem Chademo erst gar nicht kompatibel. 

Zeit wird es, für eine Neuauflage

Höchste Zeit also wurde es für eine Neuauflage, mit der man jetzt an die frühen Erfolge anknüpfen will. „Der neue LEAF vereint Eleganz, Zuversicht und bahnbrechende Reichweite – verpackt in ein Design, das ebenso intelligent wie emotional ist“, wirbt Arnaud Charpentier, Region Vice President, Marketing & Mobility, Nissan AMIEO. Und Entwicklungschef David Moss verspricht ein komplettes Package aus Praktikabilität, Design und Effizienz. Das neuaufgelegte, aber keineswegs unbeschriebene "Blatt im BEV-Markt" greift auf die CMF-EV-Plattform des größeren Ariya zurück, bietet ein Fahrwerkslayout mit Mc-Pherson-Vorderradaufhängung und Mehrlenkerhinterachse, das eine gute Balance aus Komfort und Agilität bringen soll.

Praktisch ist er immer noch veranlagt, der Leaf: Sogar 14 Zentimeter kürzer misst er jetzt in der Länge, bietet aber das gleiche üppige Kofferraumvolumen von 437 Liter, bei fast identischer Höhe und etwas mehr Breite. Dank einer windschnittigen Karosserie mit glattem Unterboden oder aktivem Grillverschluss (cW-Wert 0,25) und einem deutlich effizienteren Antrieb soll die Reichweite jetzt auf zeitgemäßes Niveau klettern, in zwei Versionen zu 52 und 75 kWh Kapazität der Lithium-Ionen-Speicher (statt zuletzt 62 kWh) will man bis zu 436 und 604 Kilometer Radius realisiert haben, wo der alte Leaf im allerbesten Falle und bei gutem Zureden 385 Kilometer packte.

Günstiger Verbrauch als Basis

Aufhorchen lässt der WLTP-Verbrauch von 14 kWh/100 km, vier weniger als beim Vorgänger im WLTP. Na, mal sehen, wie sich das umsetzen lässt. Fairerweise gibt Nissan gleich noch den Autobahnverbrauch mit an: Dann sind es bei 130 km/h konstant 224 und 330 Kilometer. Endlich wird mit CCS geladen, nun mit bis zu 105 respektive 150 kW, nicht bahnbrechend, aber in Anbetracht der moderat dimensionierten Akkus akzeptabel. Der Hub von 20 auf 80 Prozent soll jedenfalls in 30 Minuten absolviert sein, was nachgeladenen 277 und 417 Kilometern entspräche. In AC sind dann 11 kW Pflicht. Dann dauert es 6 respektive 7 Stunden von 10 auf 100 Prozent. Ebenso obligatorisch für einen V2G-Pionier ist der VL2-Anschluss, der 3,6 kW nach Außen abgibt. Für netzdienliches Laden ist der Leaf III natürlich auch bereit. Diese Features kommen allerdings etwas später. 

Auch dringend geboten bei dem vormals so wetterfühligen Stromer: Ein intelligentes Batterietemperaturmanagement sorgt für schnelles, gleichmäßiges Laden in einem breiten Temperaturbereich, verspricht der Hersteller. Und durch die Verbindung mit dem Routenplaner von Google Maps wird die Batterie bei Annäherung an eine Schnellladestation automatisch auf die optimale Temperatur eingestellt, was sowohl die Ladegeschwindigkeit als auch die Effizienz optimieren soll. Das integrierte Google System hilft auch bei der Planung langer Fahrten, und ermittelt wie gewohnt automatisch die optimalen Ladestationen entlang der Strecke. Für Vortrieb sorgen eine 130 und 160 kW starke und vollintegriert in ein Gehäuse mit Konverter und Untersetzung deutlich kompakter bauende Synchronmaschine (PSM) jeweils über die Vorderräder. Dank 345 und 355 Nm Drehmoment hakt man den Standardspurt des 1,8 und 1,9 Tonnen schweren Kompaktstromers von 0-100 km/h in 7,6 und 8,6 Sekunden ab. 

Klare Linien, ruhiges Design innen

Innen erwartet Fahrerinnen und Fahrer ein geräumiges, ergonomisches Interieur mit klaren Linien, verbesserter Sicht und einer Ambientebeleuchtung für ein noch angenehmeres Fahrerlebnis. Statt eines Rollos für das Glasdach lässt sich selbiges verdunkeln, sodass man Bauhöhe spart und mehr Raum bieten kann. Wie in der Renault Group üblich greift man auf die Google-Dienste wie Maps, Assistant und Play Store zurück, die direkt über die beiden 14,3-Zoll-Bildschirme im Fahrzeug angesteuert werden. Navigation, Klimaanlage und Medien können per Sprachsteuerung aktiviert werden, persönliche Apps und Dienste lassen sich synchronisieren. Die eigene Telematik-App ermöglicht den Fernzugriff auf Ladevorgänge, eine Vorklimatisierung des Innenraums und die Routenplanung. Für den guten Ton sorgt wahlweise das Audiosystem BOSE Personal Plus, mit in die Kopfstütze des Fahrersitzes integriertem Lautsprecher für Navigations- und Telefonansagen, sodass man weite rungestört Musik hören kann. Obligatorisch sind Over-the-Air-Updates und eine einheitliche Nissan ID für Infotainment und mobile Plattformen.

Zur Fahrsicherheit beitragen sollen Features wie: 

  • ProPILOT Assistent mit Navi-Link, der passt die Geschwindigkeit an Kurven und wechselnde Geschwindigkeitsbegrenzungen an und sorgt so für entspanntes Fahren auf der Autobahn.
  • e-Pedal Step und einstellbare regenerative Bremsen ermöglichen komfortables Ein-Pedal-Fahren im urbanen Umfeld. Die Regenerationsstufen sind über Schaltwippen einstellbar oder passen sich über die intelligente Abstandsregelung automatisch an die Verkehrsbedingungen an.
  • Der 3D-8-Punkt-Around-View-Monitor und die Echtzeit-Straßenvisualisierung helfen bei Fahrmanövern auf engem Raum.
  • Die Funktion „Durchsicht durch die Motorhaube“ ermöglicht einen praktisch unverstellten Blick auf den Bereich vor dem Fahrzeug. Eine Weitwinkelkamera an der Fahrzeugfront hilft beim sicheren Verlassen von Ausfahrten mit eingeschränkter Sicht.
  • Zur serienmäßigen Sicherheitsausstattung gehören der intelligente adaptive Geschwindigkeits- und Abstands-Assistent, der Spurhalte-Assistent und eine Fahrerüberwachung.

Der neue Leaf wird im Nissan Werk in Sunderland in Großbritannien gebaut, dem Vernehmen nach eines der modernsten Werke für Elektrofahrzeuge in Europa und eine wichtige Säule der EV36Zero-Initiative des Unternehmens für emissionsfreie Mobilität und die lokale Produktion von Elektrofahrzeugen. Als erstes Modell wird der Leaf im Rahmen von EV36Zero produziert und soll so helfen, ein vollständig integriertes EV-Ökosystem zu schaffen: mit einer von erneuerbarer Energie betriebenen Fertigung und einer lokalisierten Batterie-Lieferkette, wie es heißt. Dann wäre der Leaf doch wieder ein Pionier.