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HUK Coburg E-Barometer: Die große Mehrheit meidet E-Autos

(dpa/jr) Viele Firmen schaffen E-Autos an - doch wie steht es um die privaten Autobesitzer? Nach Daten des Versicherers HUK Coburg dominieren nach wie vor Skepsis und Misstrauen. Privat wächst der E-Anteil kaum und dümpelt bei drei Prozent. Da nützt auch der Anstieg bei E-Neuwagenverkäufen kaum.

Eher die Ausnahme: Positive Haltung gegenüber E-Mobilität ist selten, die Skepsis überwiegt deutlich. | Foto: EWE Go

Die ganz große Mehrheit der privaten Autobesitzer in Deutschland macht beim Kauf eines neuen Wagens nach wie vor einen großen Bogen um Elektrofahrzeuge: Im ersten Quartal lag der Anteil reiner Elektroautos im privaten Fahrzeugbestand nach einer Analyse der HUK Coburg bei nur drei Prozent, das Wachstum von Quartal zu Quartal lag bei lediglich 0,1 Prozent.

«Im entscheidenden Markt der Privatleute kommen E-Autos fast kaum an», sagte HUK-Vorstandschef Klaus-Jürgen Heitmann. 

Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf batteriebetriebene vollelektrische Autos, Hybridmotoren sind nicht mitgezählt. Quelle sind die unternehmenseigenen Daten: Die Versicherung ist mit gut 14 Millionen Fahrzeugen Marktführer bei der Autoversicherung in Deutschland, jährlich meldet eine sechsstellige Zahl privater Autobesitzer neue Fahrzeuge an. Regional gibt es erhebliche Unterschiede: In Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg - Bundesländern mit starker Autoindustrie - ist der E-Auto-Anteil demnach mehr als doppelt so hoch wie in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Das Unternehmen betrachtet in seinem «E-Barometer» ausschließlich diese privat versicherten Fahrzeuge. In den Zulassungsstatistiken des Kraftfahrzeug-Bundesamts sind dagegen auch Firmenfahrzeuge aller Art enthalten, vom Manager-Dienstwagen bis zum Mietauto.

"Der starke Anstieg privater Käufe gebrauchter E-Autos beim Wechsel weg vom Verbrennungsmotor hat sicher mit dem wachsenden Angebot an E-Gebrauchtwagen zu tun. Aber: Dass sich diese Quote verdoppelt hat, exakt nach Ende der Kaufprämie für Neufahrzeuge Ende 2023, lässt aufhorchen. Denn Gebraucht- und nicht Neuwagen dominieren den deutschen Kfz-Markt. Sie werden bei der Verbreitung von Elektromobilität daher die zentrale Rolle spielen. Dagegen wird heute viel zu sehr nur auf den Neuwagenmarkt geachtet - auch im politischen Raum", erklärt Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURG.

Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos wächst

Laut «E-Barometer» könnte ein Grund für das Schneckentempo bei der Verbreitung neuer Elektroautos der wachsende Gebrauchtmarkt sein: Bei einem Umstieg von Verbrennungs- auf Elektromotor entschieden sich demnach im ersten Quartal 61 Prozent der Käufer für ein gebrauchtes E-Auto, nur 39 Prozent für einen Neuwagen. 

Fast 90 Prozent des Bestands privat

Fast 90 Prozent des Autobestands in Deutschland entfallen auf Privatfahrzeuge. Bei der Zulassung neuer Pkw ist das Verhältnis aber ganz anders. Die Mehrheit aller Neuzulassungen entfällt hier auf gewerblich genutzte Autos wie etwa Flotten-, Dienst- oder Geschäftswagen. Obwohl die Gesamtzahl neu zugelassener Elektroautos in den ersten drei Monaten 2025 anwuchs, kommt daher der private E-Automarkt, den das HUK-E-Barometer misst, weiterhin kaum in Fahrt. So stiegen im ersten Quartal 2025, wie schon im Jahresverlauf 2024, in nur rund vier Prozent aller Fahrzeugwechsel private Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor auf einen rein elektrischen Antrieb (ohne Hybride) um. Der Anteil reiner E-Autos im privaten Bestand verharrt damit bei nur 3,0 Prozent. Und auch der ermittelte Dynamik-Faktor der Entwicklung ist ernüchternd: Die Steigerung des E-Auto-Anteils war im ersten Quartal 2025 fast genauso schwach wie in 2024 - sie liegt auf dem niedrigsten Niveau seit 2020, dem Beginn der HUK-Messreihe. 

Viele Autofahrer misstrauen gebrauchten E-Autos

Dahinter stecken offenbar auch Sympathieverluste. Neben der Analyse der Versicherungsdaten steht eine repräsentative Yougov-Umfrage unter 4.222 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über 18. Demnach sieht eine Mehrheit vollelektrische Autos nach wie vor skeptisch: 42 Prozent halten E-Autos für gute oder sehr gute Fahrzeuge, 51 Prozent dagegen für weniger oder gar nicht gut. Und nur 15 Prozent sagten, dass für sie grundsätzlich nur noch ein Elektroauto infrage kommt. Und 60 Prozent sagten, dass sie bei der Anschaffung eines gebrauchten E-Autos größere Bedenken hätten als bei einem Wagen mit Verbrennungsmotor. Technische Überprüfungen im In- und Ausland zeigen zwar keine grundsätzlich höhere Anfälligkeit von Elektro- gegenüber Verbrennungsmotoren. 

"Entscheidend ist aber das Bauchgefühl der Menschen", sagt Dr. Jörg Rheinländer, "alles, was hier Vorurteile abbaut, kann daher insbesondere dem Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos helfen, auf den es bei der Verbreitung der E-Mobilität in Deutschland entscheidend ankommen wird."