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VM-Test Volvo EX30 Pure Electric Single Extended Range Ultra: Klassenlos!

Volvo zündet beim EX30 die nächste Stufe: Er wird jetzt auch im belgischen Gent montiert und kommt als offroadiger „Cross Country“. Wir haben die „vernünftigste“ Long Range-Version in herrlichem gelb getestet – und waren erstaunt über seine Klassenlosigkeit in mehrerlei Hinsicht!

Schade - die gelbe Farbe hat Volvo schon wieder aus dem offiziellen Programm gestrichen. | Foto: G. Soller

Auch unser zweiter EX-30-Testwagen gab sich klassenlos: Optik, Verarbeitung und das cool-reduzierte Interieur machen einfach Laune und changieren zwischen freudiger Kompaktklasse und oberklassigen Details.

Er erfreute, da mittlerweile allerlei Updates das Infotainment und die Routenplanung merklich upgradeten respektive vereinfachten und präzisierten. Was dabei aber nervt: Geschwindigkeit, Tempolimit, Restreichweite oder Navigationspfeil – alles muss immer vom Mittendisplay abgelesen werden, wozu man den Blick kurz von der Straße wenden muss. Hier hat Volvo per Update immerhin die Ermahnungen durch die Aufmerksamkeits-Erkennung reduziert. Trotzdem bliebe ein Head-Up oder ein kleines Display vor dem Fahrer wünschenswert.

Viele Apps sind an Bord

Dafür bringt der Jungspund viele Apps wie Amazon Prime Video, Spotify oder Youtube samt erforderlicher Internetverbindung in Serie mit, samt Datenvolumen für vier Jahre. Das Telematikmodul mit SIM-Chip ist kann 4G und ist bereits auf die Datenübertragung mit 5G vorbereitet. Trotzdem klappt das mit dem abstrakten Einsprechen noch nicht immer, da die Google-Basis nicht komplett fahrzeugoptimiert ist. Aber auch hier erkennt man die Updates seit unserem ersten Testwagen am gesteigerten Verständnis des EX30.

Üppig für die Klasse: Leistung und Anhängelast

Immer üppig eingeschenkt sind die 200 kW Leistung und 343 Nm Drehmoment an der Hinterhand, die den „Kleinen“ zur wilden Biene machen, die bei Bedarf in unter sechs Sekunden auf 100 km/h sprintet und mit knackig-wendigem Fahrverhalten punktet. Womit sich der Volvo in der Nische der kräftigen Premium-CUV begibt, die er sich mit den Geely-Geschwistern Smart#1, dem Lynk&Co 02 oder Zeekr X – aber auch mit dem BMW X1 oder VW ID.3 GTX oder Cupra Born VZ teilt. Mit seinen Geely-Geschwistern teilt er sich übrigens die üppige Anhängelast: 1.600 kg sind in der Klasse eine Ansage!

Damit lassen sich flotte Landpartien machen: Von 50 auf 80 km/h katapultiert er sich am Ortsende in zwei Sekunden, von 80 auf 120 km/h sprintet er in 3,7 Sekunden auf die Autobahn. Wo er wie alle Volvo ab 180 km/h in den Begrenzer läuft, was manche stören mag – uns nicht, aber okay: Ein besser einsehbares Display und ein paar Taster mehr fänden auch wir ganz nett aber auch daran kann man sich gewöhnen.  Die Lenkung bleibt der Leichtigkeit des Seins verpflichtet, auch wenn man sie in den Stufen "leicht", "mittel" und "schwer" variieren kann – trotzdem bleibt sie immer etwas synthetisch. Das Fahrwerk dämpft grobe Unebenheiten sowie die Schwellen und Fugen unserer Testrunde für die Fahrzeugklasse sehr gekonnt weg und behält auch auf Kopfsteinpflaster die Ruhe.

Auch üppig für die Klasse: Der Verbrauch

Was uns eher störte, war der Verbrauch, der trotz Temperaturen um die zehn Grad am Testtag nicht wirklich gering ausfiel: Mit Ladeverlusten zog er sich exakt 22,7 kWh/100 km, was für Fahrspaß und Power noch in Ordnung geht, aber für die Fahrzeuggröße eher üppig ist. Wenn Freude und freiem Fahren seinen Lauf lässt, zieht er gern auch mal gut 28 kWh/100 km – unter den sparsam gefahrenen testverbrauch schafften wir es nie wieder. Wir machen hier die E-Maschine(n) verantwortlich, die sich auch bei der bärenstarken Allradversion und dem verwandten Smart#1 Brabus auch schon nicht durch Askese auszeichneten. Damit ergeben sich immer gerade so um die 300 km Reichweite – eher minus x, was dann wieder sehr klassenüblich ist.

Immerhin kann er AC auch mit 22 kW laden, was immer einen massiven Unterschied macht und er bringt die Wärmepumpe serienmäßig mit. Auch die Ladeplanung wurde durch die Updates im Detail weiter optimiert´, wobei der EX30 den Akku vorkonditioniert, sofern ein Naviziel zum Ladepunkt programmiert ist. Das Schnellladen klappt vergleichsweise gut: Von 10 bis 80% schafften wir HPC-Laden in einer halben Stunde, was sich mit den 29 Minuten des ADAC und der dort durchschnittlichen Ladeleistung von 110 kW deckt. Die 175 kW im Maximum erreichten wir nicht ganz – auch nicht die 26 Minuten, die Volvo für den Idealfall angibt – doch die Abweichung hält sich in Grenzen.

Somit stehen Leistung und Verbrauch ein bisschen im Gegensatz stehen zu den reduzierten Anzeige- und Bedienmöglichkeiten und dem etwas umständlichen Schlüsselklotz – falls man den EX30 nicht per App öffnen und schließen möchte. Womit der EX30 das alten Volvo-Dogma, dass man Alles notfalls auch mit Winterhandschuhen bedienen kann, am konsequentesten einreißt. Aber der Grat zwischen vollkommener Vernunft und Langeweile ist dann auch sehr schmal.

Auch „unvernünftig“ ist auch die Einstellung vieler Basics: das Einstellen der Außenspiegel versteckte Volvo im 12,3-Zoll-Zentralscreen in einem Untermenü. Hat man das gewählt, justiert man die Spiegel dann über die Lenkradtasten. Wer während der Fahrt nachjustieren will, muss dafür anhalten. Gleiches gilt für das „mittige“ Handschuhfach, das sich ebenfalls übers Menü im Display öffnen lässt…

Warum Volvo die Türen soweit wie möglich „leergeräumt“ hat

Die Außenspiegelverstellung verlegte man ins Menü, da man sich in den Türen jegliche Verkabelung sparen wollte – so möglich, heißt: Auch die Fensterheberschalter liegen mittig und umfassen nur zwei Taster mit Umschaltern wie beim VW ID.3 – nervig.  Und da man die Türen wirklich nicht verkabeln wollte, verlegte man auch die HiFi-Lautsprecher von den vorderen Türen in eine zentrale Soundbar von Harman/Kardon auf die Instrumententafel, was klanglich aber gut funktioniert. Wenngleich der EX30 hier nicht die Bowers & Wilkins-Klanggewalt der großen Geschwister bietet. Immerhin soll das konsequente Fast-Nicht-Verkabeln der Türen Vorteile beim CO2-Ausstoß in der Produktion bringen – und es reduziert natürlich die Kosten. Natürlich auch mittig liegt die zentrale Handyladeschale, dazu kommen vorne und hinten es je zwei USB-C-Anschlüsse, darüber hinaus eine 12 V-Steckdosen im Kofferraum.

Preislich bleibt man klar im Premium-Segment: Der Extended Range startet bei 44.490 Euro brutto, und kostet als topausgestatteter Ultra ab 51.980 Euro. Dazu addieren sich 400 Euro fürs Winterpaket und 650 Euro für die gelbe Farbe. Die 20-Zöller des Testwagens und die dunklen Scheiben kamen nochmal mit 675 und 400 Euro on top. Womit Leistung und Laune leider auch bezahlt sein wollen.

Was bedeutet das?

Der EX30 ist als Long-Range darf als „vernünftige Lösung“ in der EX30-Range gelten. Er punktet bei Design, Image und Power und eignet sich so auch mal für kürzere gern freudige Familienausfahrten zu viert. Wirklich nachteilig bleib trotz einiger Software-Updates das Bedienkonzept und der Verbrauch: Hier fährt er wie bei Leistung und Anhängelast zwei Klassen höher…

Volvo EX30 Pure Electric Single Extended Range Ultra Daten und Messwerte:

Abmessungen:

LxBxH: 4.233 x 2.037 (m. Spiegel) x 1.549 mm

Radstand: 2.650 mm

Wendekreis: 11,3 m

Kofferraumvolumen: 318 l +7 l Frunk

Anhängelast gebr. (bis 8%Steig.) /ungebr.: 1.600 kg / 750 kg

65-kW-Akku

Permanentmagnet-Synchronmotor

Fahrwerk: McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, Reifen: 245/40 R20

Max. Systemleistung kW (PS): 200 (272)/ 5.375 - 9.248/ min

Max. Drehmoment: 343 Nm/116 – 5.375 /min.

Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

Messwerte:

Leergewicht Testwagen (inkl. 80-kg-Fahrer): 1.888 kg

Zuladung Testwagen: 352 kg

Elastizität 50-80/80-120 km/h (Kickdown Sport-Modus): 2,0/3,7 s.

0-60/80/100 km/h: 3,1/4,4/5,4 s

Geräusch 30/50/60/80/100/120 km/h: 49,3/50,1/52,0/53,5/54,1/57,2 dB(A)

Verbrauch:

City:      18,70 kWh/100 km (9,9 g CO2)

Land:    18,80 kWh/100 km (9,9 g CO2)

BAB:      25,25 kWh/100 km (13,3 g CO2)

Gesamt: 22,70 kWh /100 km (12,0 g CO2)

Kosten: 0,54 Euro

Preis Volvo EX30 EX30 Pure Electric Single Extended Range Core (Stand 1.5.2025):

ab 44.990 Euro brutto, 37.806,72 Euro netto, Ultra ab 51.890 Euro brutto, 41.605,04 Euro netto