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Citroën Chefdesigner Pierre Leclerq: Autos zu bauen IST heute eine Raketenwissenschaft!

Als Citroën-Chefdesigner kann sich Pierre Leclerq eigentlich alles erlauben – nur keine Fehler! In einem Round Table traf er dann auch ein paar knackige Aussagen, die aufhorchen ließen.

Traf bei unserem Round Table einige bemerkenswerte Aussagen: Citroëns Head of Design Pierre Leclerq. | Foto: G. Soller

Nach Stationen bei BMW (er verantwortete das BMW M-Design) und Kia kennt der Franzose verschiedenste Designphilosophien. Bei Citroën scheint er irgendwie auch angekommen zu sein und beantwortet mit seiner tiefen Stimme ruhig alle (sich oft auch wiederholenden) Fragen, die auf ihn einprasseln. Von denen wir nur die Wichtigsten in Auszügen wiedergeben, die nicht nur den eben präsentierten C5 Aircross betreffen.

Klartext zum künftigen CEO…wer immer das sein wird

Sondern natürlich erstmal Stellantis allgemein, wegen Vakanz des CEO. Und da spricht er als Einziger Klartext: Ja, man habe im Design viele Autos im Vorlauf und noch mehr Ideen. Aber: es wird ein neuer CEO kommen, der dann glasklar entscheiden wird und muss, was konkret wie weitergeführt wird. Denn Flops könne man sich nicht mehr leisten.

Citroëns progressive Entwürfe: Man hätte ja den C4 und C5X – doch die sind in etlichen Märkten viel seltener als einst GS und CX..

Leclerq beantwortet hiermit auch gleich die Frage, ob Citroën nicht mal wieder was Wildes, Progressives machen kann – oder Fahrzeuge im Stile von DS, GS oder CX…was er dezent verneint. Zwar waren all diese Modelle erfolgreich - zu ihrer Zeit. Sie würden heute nicht mehr funktionieren, denn die Menschen wollen Sicherheit: Dazu gehört hohes Sitzen und Platz, gern auch die Möglichkeit, theoretisch ins Off entfliehen zu können, was zwangsläufig zum SUV führt. In Frankreich noch mehr als in Deutschland, wo Limousinen und Kombis noch vergleichsweise stark vertreten seien. Und ja, Leclerq liebt eigentlich Limousinen…

Und wenn man jetzt einen Retro-GS oder CX macht, was bedeutet das dann? Dass das Design vor 60 Jahren viel besser war als heute? Weshalb er sich schwor: „Pierre, Du wirst nie ein Retro-Auto machen!“.

Leclerq ist Realist: 20.000 Euro sind verdammt viel Geld!

Was umgehend die immer wiederkehrende Frage nach einem neuen 2CV aufwirft. Die alle bei Citroën geduldig immer wieder mit „Never say never“ beantworten, aber: Man wird kein Auto unter dem C3 bringen, da das drastisch billiger sein müsste, aber kaum billiger zu bauen wäre und somit Marge kostet. Und hier ist Leclerq sehr nah am realen Leben: „20.000 Euro sind verdammt viel Geld – viele Kunden haben eigentlich nur 10.000 oder 5.000, die sie eigentlich bezahlen können“, kennt er die Realität.

Also könnte eine „Ente“ auch größenmäßig eigentlich nur irgendwie neben einem C3 stehen – eher teurer und als Halo-Car…aber wenn der neue CEO jetzt unbedingt eine neue Ente oder einen Retro-CX haben wolle, ja, dann würde er halt die gestalten.

Für Leclerq ist ein Auto dann ein Erfolg, wenn es sich besser verkauft als der Vorgänger

Womit einmal mehr die unheimliche Pragmatik des Pierre Leclerq durchblitzt, der ein Auto dann als Erfolg sieht, wenn es sich besser verkauft als der Vorgänger. Womit er Recht hat. Denn wie gesagt: Einen Flop kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten. Und Autos in den Verkehr zu bringen sei heute tatsächlich eine „Raketenwissenschaft“!

Denn Vorschriften und Normen hätten in den letzten Jahren so dramatisch zugenommen, dass gewisse Ähnlichkeiten unter den Modellen praktisch unvermeidbar sind. Einen Spruch, den wir zur Präsentation der neuen C-Klasse auch schon mal gehört haben, wo man uns darauf hinwies, dass das Eck Haube-A-Säule ganz ähnlich gelöst sein wie zum Beispiel beim Dreier-BMW. Nicht, weil man den nachbauen wollte, sondern weil es sich zwangsweise einfach so ergibt, wenn man Crashnormen, Aerodynamik und Aufprallwinkel von Fußgängern bei einem Frontaufprall alle mit einberechnet.

Der Trick mit den Rückleuchtenflügelchen

Womit sich Lecleq auch gleich gegen unseren Vorwurf wehrt, der neue C5 Aircross sähe bis auf die Details etwas verwechselbar aus. „Sie heben ein 4,6 Meter langes Midsize-SUV – natürlich kennt man diese Proportionen“ erklärt er und lenkt dann sofort auf die abgefahrenen Rückleuchten, die im oberen Segment als schwebende Flügel ausgebildet sind. Sieht klasse aus, bringt die Breite, die die Aerodynamiker da eher nicht haben wollten und: Sie sind verdammt solide und preisgünstig! Denn die OLEDs bestehen aus zwei Teilen die je nur drei respektive vier Spritzgussinjektionen benötigen – fertig! Viel einfacher als die eingesetzten Leuchten des Vorgängers mit noch komplexem Innenleben samt Passungen und Dichtungen…

Und er verrät weitere Details zum grünen Lack des Messemodells. Von dem hätten viele gesprochen, also setzte man ihn um. Auch hier ist all das nicht mehr so einfach wegen Normen und so, das Übliche. Sodass eine Farbe bis zu eineinhalb Jahre (!) brauchen kann bis sie entwickelt, getestet und klar…zertifiziert ist. Aber nachdem man im Werk Rennes NUR den C5 Aircross fertigt, habe man eine Lösung gefunden, um das grün deutlich schneller als Sonderfarbe ins Programm zu heben.

Weshalb man sich Stellantis-intern auch über Übernahmeteile abspricht, um nicht alles und jedes neu konstruieren, zu testen und vor allem: zertifizieren zu müssen! Wenngleich der Kunde natürlich möglichst wenige Gleichteile in den Autos entdecken soll.

Dazu gehören der Fahrwählschalter, der Fahrprogrammtaster, Lenkstockhebel, aber nicht die Airbumps. Auch die variiert man weiter, jetzt kleiner und schärfer konturiert, mit den einsteckbaren Einlegern, von denen Leclerq hofft, dass die Menschen sie wollen. Wenn man ein gutes Thema habe, dürfe man das nicht aufgeben, was auch für die neuen LED-Leuchten gilt, die bei Citroën einfach nur noch Streifen sind, die man vielfältigst variieren kann. Und das wolle man künftig tun – mit Entwürfen, die deutlich aggressiver seien als die Aktuellen.

Künftig plant Leclerq dann doch deutlich extremere Designs

Womit Leclerq zum Schluss ganz kurz seine pragmatische Position verlässt und für die nächste Citroën-Generation ein deutlich schärferes und extremeres Design ankündigt. Wie gesagt, die Marke Citroën darf und kann sehr viel – außer sich Flops erlauben! Weshalb wir umso gespannter sind auf das, was da ab 2026 noch alles kommen wird!

Was bedeutet das?

Auch wenn er optisch mit meist hellen Anzügen auffällt, gehört Pierre Leclerq zu den pragmatischen Chefdesignern. Der Citroën gerade behutsam neu erfindet, um dann doch eine deutlich extremere Designstufe zu zünden: Wie gesagt, Autos zu bauen IST Raketenwissenschaft!