LKW

Fahrermangel: Hoffnung aus Nordafrika – Marokkaner sollen ans Steuer

Personaldienstleister Capa reagiert auf das sinkenden Potenzial zur Rekrutierung von Fahrern innerhalb der EU und setzt auf qualifizierte Kräfte aus Marokko – mit zentraler Ausbildung in Deutschland.

Mit Fahrern aus Drittstaaten wie Marokko und einem Komplettangebot für Ausbildung und Integration will Capa den deutschen Fahrermarkt entlasten. (Foto: Capa)

Der Mainzer Personaldienstleister Capa will dem anhaltenden Fahrermangel im deutschen Straßengüterverkehr mit einem neuen Rekrutierungsmodell begegnen. Das Unternehmen vermittelt eigenen Angaben zufolge ab sofort auch Berufskraftfahrer aus Drittstaaten wie Marokko – und stellt dafür ein komplettes Ausbildungspaket zur Verfügung, das alle notwendigen Qualifikationsschritte umfasst.

Capa ist seit 2010 auf die Vermittlung, Weiterbildung und Integration qualifizierter Bus- und Lkw-Fahrer spezialisiert. Bisher arbeitete das Unternehmen dabei ausschließlich mit Bewerbern aus der Europäischen Union. Nun reagiert es auf eine veränderte Lage:

„Die Rekrutierungspotenziale innerhalb der EU neigen sich dem Ende zu“, erklärt Capa-Geschäftsführer Bernd Albrecht.

Länder wie Spanien oder Portugal hätten sich wirtschaftlich stabilisiert und benötigten ihre Fahrer inzwischen selbst.

Auch osteuropäische Herkunftsländer könnten als Arbeitskräftequelle bald wegbrechen. Sollte der Krieg in der Ukraine enden, sei mit einer Rückkehr vieler Geflüchteter in ihre Heimat zu rechnen. Diese Entwicklung würde nicht nur den Fahrermarkt in Deutschland, sondern auch in Polen spürbar belasten. Albrecht warnt vor den Folgen:

„Dieses Szenario hätte verheerende Folgen für den deutschen Fahrermarkt.“

Vor diesem Hintergrund hat Capa begonnen, Fahrer außerhalb der EU zu rekrutieren. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf Marokko. Dem Unternehmen zufolge lernen viele Bewerber aus dem nordafrikanischen Land die deutsche Sprache schnell. Gleichzeitig weist Capa auf die komplexeren Anforderungen hin: Führerscheine aus Marokko gelten in Deutschland nicht, das notwendige Visaverfahren ist aufwändiger als innerhalb der EU.

Um die Hürden zu reduzieren, hat Capa ein modular aufgebautes Rekrutierungs- und Ausbildungspaket entwickelt, das sich als Plug-and-Play-Lösung nutzen lässt. Capa übernimmt dabei die komplette Abwicklung – von der Vorauswahl geeigneter Kandidaten über die Qualifizierung bis zur Ankunft in Deutschland. Alle Ausbildungsmodule, darunter die Grundqualifikation nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetz (BKrFQG), die Fahrerlaubnis sowie die Fahrerkarte, werden an einem zentralen Ort in Deutschland abgeschlossen.

Interessierte Unternehmer sollen ihre künftigen Mitarbeitenden schon frühzeitig kennenlernen können. Die Vorstellung erfolgt entweder online oder bei persönlichen Bewerbertagen vor Ort in Marokko. Ein vorbereitender Deutschkurs sowie die theoretische Grundqualifikation und erste Führerscheinausbildung erfolgen vor der Einreise. Die praktische Ausbildung wird in Deutschland abgeschlossen.

Laut Capa dauert die Ausbildung insgesamt rund 12 bis 16 Wochen. Für Unternehmer ergibt sich ein Planungszeitraum von rund 26 bis 36 Wochen vom Vertragsabschluss bis zum Einsatz in Deutschland. Für Fahrer, die sich bereits in der Ausbildung befinden, reduziert sich der Vorlauf auf etwa 18 Wochen.

Nach Abschluss verfügen die Absolventen über eine deutsche Fahrerlaubnis der Klassen B und C sowie optional CE, außerdem über einen Erste-Hilfe-Kurs und eine Fahrerkarte für den digitalen Tachografen. Für Busfahrer werden die Klassen B und D sowie optional DE angeboten.

Mit dem Angebot zielt Capa auf Verkehrsunternehmen, die angesichts der schwierigen Personalsituation eine langfristige und planbare Lösung suchen. Laut Presseinformation zählt ein großes Verkehrsunternehmen aus Süddeutschland zu den ersten Kunden, die Fahrer aus Marokko mit Unterstützung von Capa rekrutieren.