LKW

MAN startet Batterieproduktion im Nürnberger Motoren-Werk

So geht Transformation: Im traditionsreichen Nürnberger Motorenwerk errichtete MAN eine moderne Batterie-Fertigung für die MAN-E-Trucks. Wir waren beim Startschuss für die Produktion.

Beste Stimmung herrschte beim SOP (Start of Production) der Nürnberger MAN-Batteriefertigung. Rechts neben MAN CEO Alexander Vlaskamp der bayerische Ministerpäsident Markus Söder, links von ihm Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Großer Bahnhof im Nürnberger MAN-Motoren-Werk: Der bayerische Ministerpräsidenten Markus Söder, Wirtschaftsminister Aiwanger und MAN CEO Alexander Vlaskamp drückten gemeinsam den Startknopf für die Batterieproduktion. Zusätzlich zu den bereits investierten rund 100 Millionen Euro, so kündigte der Münchner Nutzfahrzeugherstelle an, werde man in den kommenden Jahren weitere 150 Millionen investieren. Und zwar in die Fertigungstiefe: So sollen bereits ab der nächsten Batteriegeneration nicht nur die kompletten Batterie-Packs sondern auch die kleineren Einheiten der Einzel-Module in Nürnberg montiert werden. Die kleinsten Einheiten, nämlich die einzelnen Zellen will MAN weiter vom chinesischen Weltmarktführer CATL beziehen.

Auf Nachfrage von Transport erklärt Entwicklungschef Dr. Michael Bernarth, warum das so ist: „ Die Zellfertigung ist ein komplett anderer Herstellungsprozess als der Zusammenbau großer Batteriemodule.“ Dazu brauche es quasi eine Chemiefabrik mit Reinraum-Bedingungen, also eine völlig andere Struktur.

Die Batterie-Packs fertigt MAN in einer hypermodernen Produktion mit Inselstationen, die von fahrerlosen Transportplattformen verbunden werden. Jedes Pack kann 89 kWh Stunden Strom speichern, bei einem SOC-Level von zehn Prozent. Das heißt, von den 89 kWh sind rund 80 kWh voll als Antriebskapazität nutzbar. Konfektioniert werden die Packs in drei Größen, die alle die gleiche Kapazität bieten: Beinahe würfelförmig für die Trucks, lang und gestreckt für die Dachmontage bei E-Omnibussen.

Von den angekündigten zusätzlichen Investitionen in Höhe von rund 150 Mio. Euro werden etwa 18 Mio. Euro gefördert. Fördergeber seien dabei sowohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) als auch der Freistaat Bayern. Zusätzlich fördert der Freistaat Bayern die Weiterentwicklung und Forschung zur Batterietechnologie am MAN-Standort Nürnberg mit rund 30 Mio. Euro. Diese Mittel sollen in die Forschung in den Bereichen Batteriemontage, Zellchemie und –Alterung sowie Batteriesicherheit eingesetzt werden.

Der Start der Batterieproduktion ist bereits die zweite Produktionslinie, die in diesem Jahr in Nürnberg eröffnet wurde. Auch der neue D30-Dieselmotor läuft seit diesem Jahr in Nürnberg vom Band. Rund 250 Mio. Euro habe MAN für die Fertigung dieses Reihensechszylinders aufgewendet. Aktuell geht MAN davon aus, dass im Jahre 2030 knapp die Hälfte der Lkw in Europa und etwa 90 Prozent der Stadtbusse mit Zero-Emission- Antrieb ausgeliefert werden. Der hoch effiziente D30, übrigens eine Kooperation mit der Traton-.Schwester Scania, werde also noch bis weit in die 2030er Jahre benötigt werden. In der aktuellen Ausbaustufe könne MAN 50.000 Batteriepacks pro Jahr fertigen. Das neue Gebäude mit dem Namen M50 sei allerdings auf die etwa doppelte Menge ausgelegt. Das Hochskalieren der Produktion erfolge in Abhängigkeit der Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen.