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VM-Fahrbericht Denza Z9GT: Starker Schuss mit dem Shooting-Brake

Mit Denza will BYD auch in Deutschland erfolgreich sein. Die Speerspitze der Premiummarke ist der Shooting Brake Z9 GT, den als reinrassigen Stromer und als Plug-in-Hybrid gibt. Wir sind den Teilzeitstromer bereits gefahren.

Mit dem immer rund 900 PS starken Denza Z9GT zielt die BYD-Edeltochter aufs Premium-Segment. | Foto: Denza

Was Nio recht ist, ist BYD nur billig. Allerdings läuft’s bei BYD genau andersrum. BYD hat zuerst die Volumenmodelle nach Europa geschickt – sich erstmal eine blutige Nase geholt – und schiebt nun mit Denza den hauseigenen Edelableger hinterher. „Wir bringen die gesamte Modellpalette nach Europa, also auch SUVs, Crossover und Vans“, verkündet Stella Li mit Begeisterung. Den Anfang macht der Denza Z9 GT: Die vollelektrische Version kommt im vierten Quartal 2025 nach Deutschland, der Plug-in-Hybrid (DM-i) folgt Anfang 2026. Die erklärten Gegner: Porsche Panamera (PHEV) und Taycan (BEV).

Ob das reicht? BYD plant für die Hauptmarke viel mehr Händler – bei Denza sollen 20 erstmal reichen

Stella Li, modisch stets auf dem Punkt und als rechte Hand von CEO Chuanfu Wang ins Rennen geschickt, soll dem trägen Europageschäft endlich Beine machen. Charmant im Auftritt, aber glasklar in der Sache, hat sie rasch erkannt, woran es BYD hierzulande mangelt: Ohne ausreichend Händler und ein funktionierendes After-Sales- bzw. Servicenetz geht in Europa – und vor allem in Deutschland – gar nichts. Deshalb soll es bis Jahresende rund 140 BYD-Händler in der Bundesrepublik geben. Deutlich exklusiver wird es bei Denza: Nur etwa 20 Verkaufsstellen, strikt getrennt vom BYD-Line-up. Ein Denza neben einem Atto 3 im Showroom? Für Stella Li ein absolutes No-Go. Denn Denza steht bei BYD konsequent für Premium.

Wer bei Denza den „Benz“ raushört, liegt richtig!

Ursprünglich als Joint Venture mit Mercedes gestartet, hat BYD mittlerweile das Zepter komplett übernommen – und schielt damit gezielt auf das margenträchtige Premiumsegment. Klar, Volumen bringt Reichweite, aber Geld verdient man eben mit den dicken Dingern. Diese simple, aber wirksame Betriebswirtschaftsregel hat sich auch im Reich der Mitte herumgesprochen. Chinesische Manager und Ingenieure setzen dabei zunehmend auf interne Synergien – effizient, pragmatisch und nicht ohne Raffinesse.

Gute Idee: Ein Shooting-Brake – der mit 5,15 m aber zu groß ist für Europa

So steckt unter dem edlen Shooting Brake mit dem Namen Denza Z9 GT (die Chinesen schreiben es zusammen: Z9GT) bewährte BYD-Technologie: angefangen bei der e3-Plattform über die markentypischen Blade-Batterien bis zur Zweikammer-Luftfederung. Und das ist keinesfalls negativ. Der Z9 GT lädt mit bis zu 270 kW, bietet 100 kWh nutzbare Akkukapazität und bringt als BEV auch das hauseigene DiSus Intelligent Body Control System mit. Das Fahrwerk kombiniert eine Doppelquerlenker-Vorderachse mit einer Mehrlenker-Hinterachse und Luftfederung – klingt nicht nur vielversprechend, sondern fühlt sich auch so an.

Die Leistungen? So um die 900 PS!

Unter der Haube liefern beide Varianten ordentlich ab: Der vollelektrische Z9 GT bringt es mit drei Motoren auf beachtliche 710 kW (965 PS) – verteilt auf 230 kW vorne und je 240 kW hinten. Der Plug-in-Hybrid (DM-i) kombiniert einen 152 kW starken Verbrenner mit drei Elektromotoren (200 kW vorne, 2 x 220 kW hinten), ergibt zusammen 572 kW (895 PS). In beiden Fällen sorgt elektrischer Allradantrieb für Vortrieb – und der PHEV hat dank 38,5-kWh-Akku auch dann noch etwas zu melden, wenn der Strom ausgeht. Laut CLTC-Zyklus ist erst nach 201 Kilometern Schluss – allerdings sollte man rund 20 Prozent abziehen, um auf realistischere WLTP-Werte zu kommen. Die Gesamtreichweite gibt Denza mit optimistischen 1.101 km an.

Performance? Sitzt. Der über zwei Tonnen schwere Stromer schießt in 3,4 Sekunden auf Tempo 100, der PHEV braucht mit 3,6 Sekunden kaum länger. Schluss ist beim BEV bei 230 km/h, der Teilzeitstromer schafft sogar 240 km/h. Den Verbrauch des PHEV gibt Denza mit 7,6 Litern pro 100 km an – allerdings bei leerem Akku. Also: realistisch denken.

Auch der Z9GT kann die „Panzerwende“ – auf Kosten der Reifen

Und dann kommen die Spielereien – pardon – Innovationen. Wie beim BYD U8 oder der elektrischen G-Klasse von Mercedes kann der Z9 GT eine Panzerwende vollziehen: Dank separat steuerbarer Hinterräder dreht sich der Wagen auf der Stelle – zumindest theoretisch. In der Praxis blockiert man ein Vorderrad, die Hinterräder übernehmen den Rest. Sensoren stoppen das Ganze, wenn es zu eng wird. Sieht spektakulär aus, aber die Gummispuren auf dem Asphalt deuten an: Das ist nichts für zartbesohlte Pneus. Und trotz aller Beteuerungen der Produktmanager – „minimaler Gummiabrieb“ – dürfte sich der Reifenhändler deines Vertrauens über häufige Besuche freuen.

10 Grad Hinterradlenkeinschlag sorgen für einen engen Wendekreis

Etwas alltagstauglicher ist die variable Hinterachslenkung: Bis zu zehn Grad Einschlag sorgen für einen beeindruckenden Wendekreisdurchmesser von nur 9,24 Metern – bemerkenswert für ein Fahrzeug von über fünf Metern Länge (genauer: 5,18 m als BEV, 5,19 m als PHEV).

Aber das war’s noch lange nicht mit chinesischem Ingenieurstolz. Ein besonders mutiger Entwickler behauptet gar, dass der Denza Z9 GT den Elchtest mit 94 km/h meistert – ganze 20 km/h schneller als der Porsche Taycan. Belegt wurde das bislang nicht, aber das Fahrwerk hinterlässt bei ersten Testfahrten dennoch einen erfreulichen Eindruck: komfortabel, aber keineswegs schwammig. Die verschiedenen Fahrmodi – Schnee, Eco, Normal, Sport und Sport Plus – machen sich spürbar bemerkbar. In „Sport Plus“ wird’s straffer, aber nicht ruppig – die Abstimmung bleibt stets auf Komfort getrimmt. Kein Wunder: Die Kalibrierung richtet sich (noch) nach den Vorlieben des Heimatmarkts.

 

Innen gibt es noch viele Knöpfe

Schönes Detail: In Kurven blasen sich die Seitenwangen der Sitze automatisch auf – ein alter Hut, aber weiterhin ein nettes Komfortfeature, solange es nicht zu den ersten Ausfällen zählt. Apropos Komfort: Im Innenraum trifft futuristisches Infotainment auf überraschend viele physische Knöpfe – ein sympathischer Kontrast zum buttonlosen Nio ET9. Highlight ist das „Infotainment-Dreieck“: Zwei 13,2-Zoll-Displays (für Fahrer und Beifahrer), ein zentraler 17,3-Zoll-Touchscreen und ein großes Head-up-Display sorgen für Überblick – oder zumindest Beschäftigung. Dazu gibt’s ein Panorama-Glasdach und sogar zwei Kühlschränke (vier Liter vorne, zehn Liter hinten), die bis auf minus sechs Grad runterkühlen. Wer will, kann sein Kamerabild mit Comic-Filtern verzieren. Kein Muss, aber man hat’s ausprobiert – rein aus journalistischem Pflichtgefühl.

Und der Preis? In China startet der Denza Z9 GT als Plug-in-Hybrid bei 334.800 Yuan – umgerechnet knapp 42.000 Euro. In Europa dürfte es allerdings etwas teurer werden. Wir gehen hier eher von gut 80.000 bis 100.000 Euro aus. Premium kostet eben – auch wenn’s aus Shenzhen kommt.

Was bedeutet das?

Mit dem Denza Z9GT macht die Marke einen großen Aufschlag – allerdings in einem für Importeure schwierigen Segment. Denn wer 80.000 Euro plus für ein Auto ausgibt, kauft in Europa auch Marke und deren Positionierung und Historie. Und bei Letzterem der Benz dem Denza ein gutes Jahrhundert voraus.

Den Denza Z9GT fuhr für uns Wolfgang Gomoll von Press-Inform