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IVOTY-Fahrbericht: Ford E-Transit Long Range im Praxistest

Mehr Reichweite für den Ford E-Transit: Ford schickt ihn mit mehr Akku auf die Straße. Der Ford E-Transit Long Range soll Elektro-Transporter alltagstauglicher machen. Bis zu 402 Kilometer Reichweite verspricht Ford. Dafür müsste er aber noch sparsamer werden. Power hat er ohne Ende. Und schneller laden kann er auch.

Fit für die Ferne: Zumindest Mittelstrecken kann man mit dem E-Transit Enhanced Range in Angriff nehmen, zumal er schneller lädt. | Foto: Ford

Die Reichweitenangst scheint auch bei Ford-Pro-Kunden weit verbreitet. Soweit jedenfalls, dass sich der erfolgreiche Hersteller leichter Nutzfahrzeuge jetzt bemüßigt sah, eine "Enhanced Range"-Version des europäischen 3,5-Tonnen-EV-Bestsellers nachzulegen, die die 68 kWh-Version ergänzt. Damit will man auch Kunden für den Stromer "ködern", die erhöhte Anforderungen haben, etwa weil sie ein Kühlaggregat betreiben, weitere Aufträge erfüllen oder eben schlecht planbare Auftragslagen haben, die auch mal weitere Wege notwendig machne. 

Mit 89 kWh nutzbarer Akkukapazität lässt sich jedenfalls mehr anfangen. Und mit den satten 180 kW statt 115 kW Ladeleistung auch, die der Top-E-Transit im Paket mitbringt, nebst einem lebensnahen 22-kW-AC-Bordlader, beides als CCS-Slot speziell für DC-Laden praktisch mittig im Grill positioniert. In DC ist man damit im Bestfall binnen 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen, in AC unter sechs Stunden von 0 auf 100 Porzent. Zudem soll die in Serie verbaute dampfeinspritzende Wärmepumpe zur höheren Effizienz im Winter beitragen. 

Die Effizienz könnte noch besser sein

Aber damit das mit den weiten Radien klappt, ist natürlich motorische Effizienz das "A und O". Und da hapert es noch ein wenig, zumindest wenn man den Bordcomputer-Angaben trauen darf. Unter 30 kWh/100 km war der Enhanced-Transit nicht zu bekommen, bei frühlingshaften Außentemperaturen und zwar hügeligem, aber für BEV doch auch dankbarem Terrain, weil man bergab fleißig rekuperieren kann. Das tut der E-Transit per L-Modus einstufig und recht stramm, aber auf ein echtes "One-Pedal-Drive" bis zum Stillstand muss man anders als beim kleinsten Bruder E-Transit Courier verzichten.

Der Motor aus dem Mach-E macht mächtig Druck

Nicht dagegen auf die fast überschäumende Performance des vom Mustang Mach-E entlehnten Sychnron-Heckmotors, der mit seinen 135 oder 198 kW und den beim E-Antrieb viel wichtigeren 430 Nm Drehmoment selbst die lange Hochdachversion wie von der Faust geschoben von der Hinterachse her nach vorne drückt. Im Nu ist man auf Stadt-, Überland- oder Autobahntempo gezogen, das alles flüsterleise und jedesmal wieder ein bisschen elektrisch-magisch. Den Reifen zuliebe wählt man bei wenig Beladung besser den Eco-Mode, der es immer noch flott genug angeht.

Die 4,25 Tonnen traut man ihm locker zu

Der E-Transit schreit fast nach voller Ausladung mit 3,5 oder bis zu 4,25 Tonnen, was trotz des größeren Akkus eine Nutzlast bis knapp 1,5 Tonnen beim Kasten und 1,8 Tonnen beim Chassis ermöglicht. Gleichwohl sinkt die Nutzlast natürlich um fast 300 Kilogramm. Freilich, dann nur noch 750 Kilo Anhängelast. So flott lässt sich jedenfalls kein zweiter E-Transporter - und Diesel schon gar nicht - selbst über enge Bergstraßen treiben, ein Fall für "Eil-Kuriere". Das Handling ist zudem angenehm agil, die Lenkung präzise und die riesige Blechkarosserie nicht zu schlackernd, der Federungs- und auch der Geräuschkomfort gut, der Wendekreis nicht zu groß, sodass ein "kompaktes" und sehr verlässliches Fahrgefühl entsteht. Nachteil des Heckantriebs ist freilich nach wie vor die hohe Ladekante. Und Haltegriffe links und rechts zum Überwinden der hohen Stufe fehlen noch immer.

Gute Fahrerassistenz

Dazu versehen die Fahrerassistenten bis Level 2 des automatisierten Fahrens einen zuverlässigen Job, bei einem Transporter dieser Größe und mit Fernstreckenanspruch ein wichtiger Faktor. Wahlweise gibt es einen digitalen Innenspiegel, der bei verblechter Rückwand ein klares Abbild des rückwärtigen Verkehrs liefert.

Zugleich erweitert der Hersteller die Serviceintervalle der E-Transit-Modelle auf zweijährigen Turnus, ohne Kilometerbegrenzung. Darüber hinaus verfügt das Fahrzeug über ein 5G-Modem und kann drahtlose Software-Updates "over the air" (OTA) realisieren. Zudem fügt es sich ein in die Telematik- sowie Ladeservices des Herstellers und ist etwa auch in gemischten oder Fremdmarken-Flotten in die Telematik integrierbar. Auch Auf- und Umbauten lassen sich in das Bordinfotainment Sync4 integrieren. Bei der Sprachassistenz setzt man auf Amazon Alexa-Technologie mit künstlicher Intelligenz. Auch für den E-Transit ist die sogenannte "Delivery Assist" verfügbar, die bei Stopps zahlreiche Standardhandgriffe wie Fensterschließen bündelt und so pro Halt 20 Sekunden Zeit sparen soll.

Niedrigere Betriebs- und Energiekosten

Apropos: Auch an Betriebskosten soll der E-Transit sparen, und zwar signifikant um über 35 Prozent. Nicht nur, dass er nur alle zwei Jahre mal beim Service erscheinen soll, unabhängig vom Kilometerstand, er soll den Nutzern auch die Energiekosten drastisch drücken helfen. Ok, da bleibt noch Luft für weitere Verbesserungen. Vielleicht mit etwas weniger Performance und mehr Effizienz. Der kleine Courier, bestückt mit einem anderen Synchronmotor, zeigt, dass Ford es kann - und soll sich mit 17 kWh/100 Kilometer bescheiden. Bescheiden ist übrigens auch der Aufpreis, den Ford für den größeren Akku aufruft: 3.800 Euro gehen in Ordnung, ab 65.990 Euro rollt die "Verbesserte Reichweite" des E-Transit an, den es nur ab Länge L3 gibt. Na, dafür läuft er ja auch länger.