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Radlogistik: Interaktive Deutschlandkarte vorgestellt

Der Atlas schafft einen Überblick über Strukturen, Defizite und Best Practices. Zentral ist die Frage: Wie können Lastenradlogistiklösungen implementiert werden, die schon heute funktionieren? 

Der Atlas bündelt als interaktives Nachschlagewerk die Best Practice-Beispiele und einschlägige Infrastruktur im Radlogistikbereich in Deutschland. | Foto: Screenshot

Im Rahmen des vom Bundesverkehrsministerium geförderten Projekts iKnowRadlogistik unter dem Dach des Mobilitätsforum Bund im Bundesamt für Logistik & Mobilität haben die Akteure der Branche eine Wissensplattform erarbeitet, die die vielfältigen Potenziale und das Ökosystem der Radlogistik auf einer Deutschlandkarte aufzeigen soll.

Man wolle damit keine Beratung ersetzen, aber Inspiration bieten, erklärte Projektverantwortliche Luise Braun vom Radlogistikverband Deutschland. Es geht darum, eine Plattform zu schaffen und Bündelung sowie Transparenz über die vorhandenen Erkenntnisse in Sachen Radlogistik zu ermöglichen, ergänzte Franziska Wouters vom mitverantwortlichen House of Logistics & Mobility HOLM.

Bisher gebe es große Wissensdefizite in den Kommunen, wie auch eine Evaluation in den Gemeinden im Rahmen des Projekts ergab. Immerhin hätten 17 Prozent der Kommunen einen Wirtschaftsverkehrsbeauftragten, der auch Aktivitäten wie die Radlogistik institutionell betreuen könne. Dass dennoch noch wenig von dem wiederentdeckten Transportmittel Gebrauch gemacht wird, lag laut Studie auch an mangelnden Kapazitäten in den Kommunen, aber auch an der schwierigen Einschätzung über die Potenziale und Einsatzmöglichkeiten der Lastenräder.

Interaktiver Atlas gibt Inspiration

Der entstandene Atlas der Radlogistik bietet insofern einen umfassenden Überblick über Radlogistik-Stakeholder, Micro Hubs, innovative Ansätze sowie 24 erfolgreiche Praxisbeispiele oder 420 Einträge zu Stakeholdern oder einschlägiger Infrastruktur aus ganz Deutschland, die auch über eine interaktive Karte ausgewählt werden können.

Dazu zählen etwa Unternehmen wie die KEP-Radlogistik mit Bikesattelzügen von Vemo in Bonn und Köln oder die Baustellen-Radlogistik mit kompakten BAYK-Trikes bei CityLog, die mittlerweile in zahlreichen Städten funktioniert. Integriert wurden auch 40 Studien, Handbücher oder Planungsleitfäden, die sich direkt abrufen lassen, etwa auch zu Mikrodepots und deren Planung und Gestaltung oder zu Prämien und Förderungen auf den verschiedenen Ebenen.

Der Atlas dient damit als wertvolles Nachschlagewerk für Kommunen, Unternehmen und alle Akteure, die die Potenziale der Radlogistik erschließen wollen. "Kommunen in Deutschland stehen vor der Herausforderung, die nachhaltige Logistik für morgen zu planen. Hier bieten die Radlogistik und Lastenräder eine nachhaltige Lösung für die urbane Logistik und nehmen an Bedeutung zu", plädieren die Verantwortlichen. Bis zu einem Drittel der Wirtschaftsverkehre in der Stadt könnten von Lastenrädern dargestellt werden, skizzierten die Verantwortlichen. Die Bikes seien flexibel, schnell, platz- und emissionssparend und nicht zuletzt führerscheinfrei zu bedienen.

Kommunen in zentraler Rolle

Im Rahmen eines Webinars zum Atlas beleuchtet wurde auch die zentrale Rolle, die Kommunen bei der Etablierung von Radlogistik spielen, weil sie idealerweise die Flächen oder sogar die Räumlichkeiten für gelingende Projekte in diesem Bereich bereitstellen. Die Empfehlung der Verantwortlichen der am Atlas-Projekt beteiligten Verkehrswendeagentur cargobike.jetzt geht hier meist in Richtung eines Multi-User-Konzepts, da man eine breitere Kundenklientel ansprechen kann und zugleich ein gewisses Niveau an Ausstattung sicherstellen kann, inklusive Sozialräumen, Sicherheit, Infrastruktur wie Strom oder WLAN.

Auch eigene Dienstleistungen wie Lastenradservice ließe sich so integrieren. Wichtig sei für die Nutzung mit mehreren Unternehmen eine räumliche Trennung. Alternativ sei auch die Organisation über "neutrale Dritte" denkbar, wie etwa die DB Smart City. Hier gehe es bei der DB-Tochter auch darum, vorhandene Leerstände mit einer sinnvollen Nutzung zu versehen. Man sei hier grundsätzlich offen für Anfragen von Radlogistikern oder Kommunen, warb Jan Kruska, Projektleiter Micro Depots, Smart City | DB. Die Bahntochter sehe sich auch als Initiator und Anschubinstanz, um dann bei funktionierendem Hochlauf eines Standorts an lokale Akteure zu übergeben.