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T&E kritisiert Merz-Absage an grünen Stahl - und sieht Transformation in Gefahr

Heftige Kritik an der Absage zu grünem Stahl von Seiten des CDU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz kommt auch von Umweltorganisationen. T&E wirft dem Politiker vor, die Transformation und Jobs zu riskieren, widersprüchlich zu argumentieren und einen parteiübergreifenden Konsens zu torpedieren.

Hersteller wie Mercedes-Benz, BMW oder Volvo peilen längst eine CO2-freie Stahlproduktion an. | Foto: Mercedes-Benz

Unionskandidat Friedrich Merz hat am Montag die Vision von grünem Stahl grundsätzlich in Frage gestellt. Konkret sagte er bei einer Veranstaltung in der Bochumer Jahrhunderthalle: “Ich glaube persönlich nicht daran, dass der schnelle Wechsel hin zum wasserstoffbetriebenen Stahlwerk erfolgreich sein wird. Wo soll der Wasserstoff denn herkommen? Den haben wir nicht". Unter anderem der Stern hatte berichtet. Auf der nationalen Stahlkonferenz im September 2024 gab es noch parteiübergreifenden Konsens getragen von CDU Ministerpräsident Hendrik Wüst, der grünen NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, den CEOs der größten deutschen Stahlhersteller sowie der IG Metall. Damals hieß es: Wir wollen grünen Stahl made in Germany.

“Erst will die CDU das Verbrenner-Aus mit E-Fuels aufweichen, jetzt gibt Kanzlerkandidat Merz grünem Stahl eine Absage. Damit riskiert er tausende Jobs, lässt Milliardeninvestitionen ins Leere laufen und wirft erneut einen wichtigen wirtschaftspolitischen Grundsatz über Bord: Planungssicherheit", kritisiert Lars Andersen, Manager für grünen Stahl in der Automobilindustrie bei T&E Deutschland.

Merz Absage an Grünen Stahl sei zudem verwunderlich. Seine Partei setze auf den ineffizienten Einsatz von wasserstoffbasierten E-Fuels für Autos, glaube aber nicht an die Zukunft der Grünen Stahlindustrie gerade wegen der Verfügbarkeit von Wasserstoff. Dabei ist es laut T&E wissenschaftlicher Konsens, dass klimaneutraler Wasserstoff zuerst in der Schwerindustrie eingesetzt werden solle, da er hier die höchste CO2-Minderung pro Tonne erzielt.

"Mit seiner Aussage kündigt Merz den parteiübergreifenden Konsens zwischen SPD, Grünen und CDU, den Gewerkschaften und der Industrie für die Unterstützung für grünen Stahl made in Germany auf. Er fällt damit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und der deutschen Stahlindustrie in den Rücken und stellt das eigene Wahlprogramm in Frage. Verlässliche und zukunftsorientierte Politik sieht anders aus", erklärt Andersen weiter.

    T&E-Analysen würden zeigen, dass bei der Produktionsumstellung von PKWs auf 40 Prozent grünen Stahl im Jahr 2030 nur 57 Euro pro PKW an Mehrkosten an. Eine Umstellung auf 100 Prozent grünen Stahl im Jahr 2040 würde wegen der CO2-Bepreisung und sinkenden Produktionskosten von grünem Stahl nur 8 Euro mehr gegenüber herkömmlichem Stahl kosten, skizziert die Umweltdachorganisation weiter.

      Große CO2-Einsparpotenziale in der Stahlindustrie

      Laut der Wirtschaftsvereinigung Stahl lassen sich in der Stahlindustrie pro Tonne eingesetzten klimaneutralen Wasserstoff 28 Tonnen CO2 einsparen – so viel wie in keiner anderen Branche. Die Consultingfirma Ricardo hat im Auftrag von T&E Europas Potential in der grünen Stahlproduktion untersucht. Die Ergebnisse wurden im Juli 2024 veröffentlicht:

      • Demnach wird Europa in der Lage sein, ab 2030 bis zu 172 Millionen Tonnen grünen Stahl pro Jahr zu produzieren.
      • Dies ist mehr als genug, um die gesamte Stahlnachfrage des Automobilsektors zu decken, der 2022 rund 36 Millionen Tonnen verbrauchte.
      • Grüner Stahl kann die CO2-Emissionen der europäischen Automobilproduktion bis 2030 um 6,9 Mio. Tonnen verringern.